Mario Dirmeier fertigt Kratzbäume aus Birken – Kunden kommen bis aus Flensburg

Von Philipp Breu · 3. Juli 2023 um 11:14

Wenn Mario Dirmeier aus seiner Werkstatt in die Wohnung kommt, schnuppern seine drei Katzen Karli, Toni und Loui gerne an ihm. Denn sobald ihr Herrchen nach frischer Birke riecht, scheint es die Stubentiger magisch anzuziehen, wie er sagt. Der 44-Jährige aus Schwandorf fertigt nebenberuflich Kratzbäume aus Naturholz an – und scheint damit nicht nur bei den Tieren einen Nerv zu treffen.

Im Anbau neben seinem Eigenheim stapeln sich Äste: rund 1000 Stück schätzt Dirmeier – durchweg Birken. Er hat sie grob nach Größe sortiert und auch nach dem Jahr, in dem er sie „geerntet“ hat. Diesen Überblick muss er auch behalten, denn bis das Holz auf der Werkbank verarbeitet werden kann, muss es staubtrocken sein. „Das dauert bis zu drei Jahre“, sagt der Fachmann.

Ehefrau Nadine hatte die Idee zum selbstgebauten Kratzbaum

Dann wird gesägt, geschliffen, geschraubt und gewickelt. Nahezu alle Elemente der Kratzbäume bestehen aus Birke, die optionalen Polster sind handgenäht und das bei den Katzen so beliebte Sisal (Blattfasern der Agave) ist zu 100 Prozent natürlicher Herkunft. Unterstützung bei der Produktion bekommt Mario Dirmeier von seiner Frau Nadine. Sie sei es auch gewesen, die vor zehn Jahren die Idee hatte. „Als unser erster Kater Emil bei uns war, haben wir zunächst einen künstlichen Kratzbaum gekauft. Der hat aber nur wenige Monate gehalten“, erinnert sich Dirmeier.

Als Emil, eine neun Kilo schwere Britisch Kurzhaar, wenig später auch das zweite Modell aufgearbeitet hatte, habe Nadine ihren Mann gebeten, selbst einen robusteren Kratzbaum zu basteln. Das Material hierfür sei dann schnell gefunden worden. Weil der 44-Jährige gelernter Schreiner ist, fiel die Wahl sofort auf Holz. „Und wir haben uns dann auch zufällig gleich auf Birke festgelegt, das hat sich bis heute bewährt.“ Denn dieses Holz sehe optisch nicht nur gut aus, sondern sei auch sehr robust. „Außerdem lieben die Katzen den Geruch, gerade von frischer Birke“, sagt Dirmeier.

Mario’s Naturkratzbäume feierte das Zehnjährige

Das erste Modell war dann auch nach etwa drei Wochen fertig. Es sei zwar nicht perfekt gewesen – dazu habe ihm einfach die Erfahrung gefehlt – aber kam bei Kater Emil, der mittlerweile leider verstorben ist, sofort gut an. Aus dem einstigen Selbstversuch ist über die Jahre dann ein kleines Nebengewerbe entstanden. Dirmeiers Hobby habe sich schnell herumgesprochen, er inserierte auf Facebook, Instagram sowie auf der Internetverkaufsplattform ebay Kleinanzeigen und bekam die ersten Anfragen. Am 15. Juni feierte „Mario’s Naturkratzbäume“ das Zehnjährige – und die Auftragslage sei mit 35 bis 55 verkauften Bäumen jährlich sehr gut.

So findet man den 44-Jährigen, wenn er nicht gerade bei Nabaltec im Schichtbetrieb Maschinen steuert, häufig in seiner kleinen Werkstatt, die er sich in seinem Schuppen im Garten eingerichtet hat. Bis zu 17 Stunden Arbeit steckten in seinen Modellen. Anfragen gab und gebe es deutschlandweit, aber auch in Wohnungen in der Schweiz und in Österreich stünden die in der Schwandorfer Benzstraße gefertigten Naturkratzbäume. „Es kamen sogar schon Kunden aus Flensburg hierher, um einen Kratzbaum zu kaufen“, sagt Dirmeier.

Seine Unikate würden zwischen 150 und 500 Euro kosten. „Ich gehe aber auch – soweit realisierbar – auf Spezialwünsche ein, die im Umkehrschluss natürlich etwas teuerer werden.“ So habe er beispielsweise schon Modelle mit Hängebrücken gefertigt oder mit integriertem Katzenhäuschen. Zu kaufen gebe es die Bäume dann ab Haus, aber auch Lieferungen seien prinzipiell möglich.

Sein kleines Nebengewerbe will er nicht vergrößern

Das Holz für seine Modelle beziehe der Schwandorfer im Übrigen größtenteils von Bäumen, die ohnehin für bevorstehende Bauprojekte gerodet werden müssten oder die im Zuge von Pflegearbeiten aus dem Wald geschnitten werden. „So werden für meine Basteleien nicht mutwillig Bäume gefällt“, versichert der Tüftler. Wie er mit seiner kleinen Manufaktur in die Zukunft gehen möchte, wisse er indes noch nicht. Fest stehe aber, dass er sich nicht vergrößern wolle – denn dazu fehle ihm die Zeit. „Wir haben zwei Kinder, die beide noch schulpflichtig sind. Außerdem gehe ich sieben Tage am Stück in die Arbeit – und das im Schichtsystem“, erklärt Dirmeier.

Somit opfere er einen großen Teil seiner Freizeit, um für die geliebten Fellnasen adäquate Möglichkeiten zur Krallenpflege zu schaffen. Das tut er aber gerne – solange seine Familie nicht zu kurz komme. „Wir sind einfach Katzenliebhaber mit Leib und Seele und wollen nur das Beste für sie.“ Das fange beim Futter an – und höre beim Kratzbaum auf.

Auf den verbauten, geschliffenen Brettern lässt es dieser Stubentiger entspannt angehen. Foto: Dirmeier
Die Sisalfasern helfen den Katzen dabei, die schuppige Oberschicht der Krallen zu entfernen. Foto: Dirmeier