Klinikum Neumarkt baut mit neuen Quartiersbüros sein Angebot für Patienten aus

Von Eva Gaupp · 23. August 2023 um 13:00

Immer weniger Arztpraxen auf dem Land, immer weniger Pflegepersonal in Kliniken und Seniorenheimen. Die Verantwortlichen im Klinikum Neumarkt reagieren auf diese Entwicklungen mit einem neuen Angebot: Quartiersbüros.

Der Gedanke dahinter ist einfach: Wenn es immer schwieriger wird, kranke Menschen zu betreuen und zu behandeln, muss man dafür sorgen, dass möglichst wenige überhaupt erst krank und pflegebedürftig werden. Stichwort: Gesundheitsvorsorge.

In den neuen Quartiersbüros – ein erstes könnte vielleicht noch dieses Jahr in Freystadt eröffnet werden – finden Bürger einen Ansprechpartner, bei dem alle Fäden zusammenlaufen. In Freystadt richte sich das Angebot in erster Linie an Menschen im Alter, sagt der Pflegedirektor am Neumarkter Klinikum, René Sossau.

Das Quartiersbüro soll vorhandene professionelle und ehrenamtliche Strukturen vernetzen, Dienstleistungen vermitteln und eigene Angebote wie Vorträge, einen Generationen-Treff oder Gymnastik initiieren. „Das Konzept eines Quartiersbüros ist im Idealfall ein ,Maßanzug‘ für das jeweilige Quartier“, erklärt Sossau.

Sozialstiftung greift auf Erfahrungen aus Bamberg zurück

Genauso wie die Definition eines Quartiers sehr individuell ausfalle. Dabei könne es sich um einen Stadtteil, eine Kommune oder um ein bestimmtes Einzugsgebiet handeln. Grundlage für jedes Quartiersbüro seien immer die strukturellen Voraussetzungen, die personellen Möglichkeiten und die Bedarfe der Bürgerinnen und Bürger vor Ort. Das Konzept eines Quartiersbüros könne deshalb nie 1:1 auf ein anderes übertragen werden. Trotzdem profitiert der Landkreis Neumarkt von den Erfahrungen, die die Sozialstiftung Bamberg als Partner in vier solchen Standorten in der Stadt Bamberg gesammelt hat.

Bei älteren Menschen gelte es, der sozialen Vereinsamung entgegenzuwirken, die körperlichen Fähigkeiten sowie die Mobilität zu erhalten, führt der Pflegedirektor an. „Wir wollen dazu beitragen, dass die Inanspruchnahme von professionellen Gesundheitsleistungen erst dann erfolgt, wenn alle anderen Optionen ausgereizt sind.“ Dafür müsse die „Versorgungskette“ durch niedrigschwellige Angebote erweitert werden. So sollen Ärzte, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen entlastet werden.

Freystadts Bürgermeister Alexander Dorr freut sich auf die neue Einrichtung in seiner Stadt. „Ich hoffe, dass das Quartiersbüro von den Bürgern angenommen wird.“ Er findet die Idee sehr gut, eine professionelle Kontaktperson vor Ort zu etablieren, an die sich Bürger immer wenden können, wenn es darum geht, den richtigen Ansprechpartner für ein Gesundheitsangebot zu finden. „So oft taucht die Frage auf: Ich suche einen Platz in einer Tagespflege. An wen kann ich mich wenden?“, nennt Dorr ein Beispiel, das ihm häufig vorgetragen wird.

Das Quartiersbüro soll in leer stehenden Räumen im Gebäudekomplex des Freystädter Seniorenheims untergebracht werden. Die rund 130 Quadratmeter große frühere Physio-Praxis müsse noch etwas umgebaut werden, eigne sich aber gut für ein Büro und Veranstaltungsräume, sagt der Bürgermeister.

Damit möglichst viele Bürger im Landkreis Neumarkt ein solches Quartiersbüro in Reichweite haben, plant das Klinikum als Betreiber drei solcher Einrichtungen. Dem ersten in Freystadt sollen zwei weitere in Neumarkt am Klinikum sowie in Parsberg im neuen Haus der Gesundheit folgen, kündigt René Sossau an.

Antrag auf staatliche Zuschüssevon „SeLA“

Ein konkreter Zeitplan stehe jedoch noch nicht fest. Das hänge von der Finanzierung ab. Die Kosten für die Räumlichkeiten wird die Stadt Freystadt übernehmen, mit der es eine „enorm gute Zusammenarbeit“, gebe, wie Sossau betont. Um die zunächst halbe Stelle zu finanzieren, hat das Klinikum beim Freistaat Bayern einen Förderantrag gestellt. Aus der „Richtlinie für die Förderung neuer Konzepte für ein selbstbestimmtes Leben im Alter“ (SeLA) erhofft es sich finanzielle Unterstützung.

Im Vorfeld habe es einen Expertenworkshop mit rund 30 Teilnehmern aus verschiedenen Bereichen wie Mediziner, Apotheker, Kommunalpolitik, Seniorenhilfe und Nachbarschaftshilfe gegeben. Dabei sei klar geworden, wie wichtig eine bessere Vernetzung der bestehenden Angebote sei, sagt Sossau. Daraus sei schon ein erstes konkretes Projekt entstanden, berichtet Dorr: Eine Taschengeldbörse soll Jugendliche und Bewohner des Seniorenzentrums für kleine Hilfsdienste zusammenbringen.

Quartiersmanagerin oder Quartiersmanager wird ein Mitarbeiter des Betreuungs- und Beratungszentrums (BBZ), das der Abteilung Pflegedienst am Klinikum Neumarkt zugeordnet ist. „Die Mitarbeitenden des BBZ haben eine hohe Expertise in den Bereichen Entlassmanagement, Übergangspflege und Organisation von Nachsorge“, erläutert der Pflegedirektor René Sossau.

Wichtige Akteure vor Ort seien aber auch die Bürgerinnen und Bürger selbst sowie die etablierten Gruppen und Vereine, die das Quartiersbüro für ihre Angebote nutzen können. Sossau: „Das Quartiersbüro lebt von Netzwerkern, Ehrenamt, Öffnung für die Bürgerinnen und Bürger und Gemeinschaft.“

René Sossau ist der Pflegedirektor am Klinikum Neumarkt. Foto: Foto Hailer
Das neue Quartiersbüro in Freystadt findet Platz in dem Gebäudekomplex des Seniorenheims. Foto: Regnet