Flussbühne Roding: Zwei Jahre Planung waren für die aufwändige Installation nötig

Von Benjamin Riehl · 21. August 2023 um 05:00

Mittlerweile steht sie seit einigen Monaten, die Flussbühne am Esper. Sie wirkt auf den ersten Blick recht unscheinbar, doch die Bühne ist weithin einzigartig.

Das Besondere an der Flussbühne am Regen ist, dass sie im Fluss und nicht in einem stehenden Gewässer installiert wurde. Denn daraus ergaben sich für den Bau und die Planungen einige Spezialfälle, wie Florian Brunner, Architekt von quadrat45,° erläutert. Im Vorfeld gab es eine Reihe von „einzelnen Herausforderungen“, wie der Architekt es ausdrückt. Viel war abzustimmen mit den einzelnen Fachgruppen, etwa dem Wasserwirtschaftsamt und dem Umweltamt, bis die Bühne in den Fluss gebaut werden konnte. Das alles unter einen Hut zu bringen habe fast zwei Jahre gedauert, sagt Brunner.

Gesprächsbereite Fachleute

Er ist froh, dass es am Ende doch funktioniert hat, trotz aller Unkenrufe, dass eine Bühne mitten im Fluss nicht möglich sei. Brunner bedankt sich bei den verschiedenen Fachgruppen für die Kooperationsbereitschaft. „Die Fachgruppen waren bei allen Hürden immer gesprächsbereit. Ohne diese Bereitschaft wäre das nicht gegangen“, sagt er. Denn ohne diese Bereitschaft wäre die Bühne niemals möglich gewesen. So habe man am Ende für alle Probleme auch eine Lösung finden können.

Für die Bühne musste festgelegt werden, ob sie schwimmend oder stationär installiert werden könnte. Die Bühne steht durch das Eigengewicht. Eine Herausforderung war es, zu verhindern, dass die Bühne durch einen Eisstoß wegbewegt werden könnte. „Den hat es zwar schon lange nicht mehr gegeben, aber wir mussten mit der Möglichkeit rechnen“, sagt Brunner. Daraus ergab sich die charakteristische Form, die an ein Schiff erinnert. Bei dieser Form können Eisschollen über die Bühne hinwegfließen, ohne die Bühne zu bewegen.

Die aufwendigen hydraulischen Berechnungen führte ein Architekturbüro aus München durch.

20 Tonnen Gewicht nur für den Rahmen

Der eigentliche Bau der Bühne ging relativ schnell vonstatten. Wichtig war dabei, die Schonzeit der Gewässer für die Fische einzuhalten. Und im Vorfeld wurde der Bereich auch nach Muscheln abgesucht. Am Ende entschied man sich, die Fundamente als Pylonen fertig in den Fluss einzuheben, um Betonverfließungen im Fluss zu verhindern. Alles, um möglichst wenig in das Gewässer einzugreifen. Die einzelnen Teile der Bühne wurden am Ufer vorgefertigt und per Kran dann in den Fluss eingehoben. Nach dem Fundament-Pylonen kam der Stahlrahmen, der allein ein Gewicht von 20 Tonnen hat.

Jeder der Befestigungspunkte muss einer Belastung von fünf Tonnen standhalten. Beim Einhub des Rahmens gab es zuerst einen Probehub, um zu sehen, ob alles so klappt wie geplant. Da seien schon die ersten Nachfragen bei der Stadt eingegangen, ob beim Bau etwas schiefgegangen sei, weil sie den Rahmen wieder herausgehoben hätten. „Mit Argusaugen wurde beobachtet, was wir da am Ufer machen“, sagt Brunner. Das zeige das rege Interesse der Bevölkerung an dem Projekt. Der Rahmen wurde dann in die Fundamente eingehoben und verschraubt. Dafür kamen sogar Industrietaucher zum Einsatz, die sich bei niedrigsten Temperaturen um die Teile, die unter der Wasseroberfläche lagen, kümmerten.

Schnelligkeit ist bei der Zusammensetzung entscheidend

Zuletzt kamen dann die Betonplatten für die Bühne, jede der sieben Platten mehrere Tonnen schwer. Mit den Betonplatten, die die eigentliche Bühne bilden, wurde die maximale Transporthöhe von vier Metern erreicht. Über 120 Tonnen Gewicht bringt die gesamte Bühne auf die Waage. Sie weist eine Fläche von 200 Quadratmetern auf. Nach wenigen Tagen waren die einzelnen Teile der Flussbühne fertig zusammengesetzt. Das musste auch relativ schnell passieren, sagt Brunner, denn nur dann, wenn alle Teile zusammen sind, ergibt sich ein geschlossenes statisches System. Kurz vor Weihnachten 2022 war das.

Die zweite Phase war das Segeldach für die Bühne. Insgesamt 120 Quadratmeter Stoff wurden für das Segeldach verarbeitet. Das Segel wurde in Seeon am Chiemsee hergestellt. Für das Segeldach musste zuerst auf besseres Wetter gewartet werden, weil sich der Stoff beim ersten Mal etwas verziehe, sagt der Architekt. Grundsätzlich sei das Segel für ganzjährigen Einsatz geeignet, was das Material angeht. Allerdings hat man sich von Seiten der Stadt dagegen entschieden, um die Silhouette der Stadt durch das Segel nicht zu stören. So wird das Segel vom städtischen Bauhof vor jeder Veranstaltung montiert und anschließend wieder abgebaut.

Am Anfang habe von Seiten der Mitarbeiter große Skepsis geherrscht, ob das mit der Montage auch problemlos funktionieren würde. Mittlerweile sei die dem Stolz gewichen, dass man die Montage so einfach bewerkstelligen könnte. Dafür habe es aber im Vorfeld auch einige Schulungstermine mit den Herstellern des Segels gegeben. Dabei wurde der Auf- und Abbau des Segels geübt.

Kosten: 540000 Euro

Insgesamt hat die Flussbühne etwa 540000 Euro gekostet, davon kamen 388000 aus zwei Fördertöpfen des Landes. Ursprünglich waren 400000 Euro geplant, aber es hat auch Bauverzögerungen und eine Klage gegeben, und die allgemeine Inflation hat sich auch beim Bau der Bühne bemerkbar gemacht. Zudem sei die Flussbühne einmalig, so dass die verschiedenen Anpassungen im Vorfeld den Bau am Ende teurer gemacht hätten, so Brunner.

Aber Architekt Brunner und Kämmerer Josef Zwicknagl sind zufrieden mit dem Projekt und den Kosten. Noch ist das Segel nicht abgebaut. Die nächste Veranstaltung auf der Bühne steht noch nicht fest. Falls sich ein Nachholtermin für das Bürgerfest findet, wird da auch wieder die Flussbühne bespielt werden. Private Veranstaltungen oder Konzerte sind für dieses Jahr noch nicht geplant. Es gebe aber erste Anfragen für nächstes Jahr, sagt Zwicknagl.