Seit 16 Jahren sorgt Helga Heim im Freibad für Sicherheit und Ordnung

In den Sommermonaten gibt es für Helga Heim nur das Niederleierndorfer Freibad. Doch zum Schwimmen kommt sie nicht. Sie ist die Chefin und gute Seele des Freibads, kassiert den Eintritt, überwacht den Badebetrieb und sorgt für Ordnung. Und das seit 16 Jahren.
Damit um 10 Uhr alles für die Badegäste bereit ist, beginnt Helga Heims Tag früh. Um 5.30 Uhr setzt sie den Reinigungsroboter ins Becken und kontrolliert die Wasserqualität. Dann hat sie erst einmal Pause. Wenn sie gegen 9.30 Uhr wiederkommt, hat der Roboter seine Arbeit erledigt. Sie kontrolliert noch einmal das Wasser und schaut auf der Liegewiese nach dem Rechten. „Dann kommen eh schon die Schwimmer“, sagt sie und schon biegt das erste Auto in den Parkplatz ein.
Zwei Tage war geschlossen
Vor Corona hatte des Bad erst ab 13 Uhr geöffnet. „Das war für die Schwimmer definitiv zu spät“, sagt Heim. Doch mit der Pandemie musste der Betrieb entzerrt werden, und das wurde beibehalten. Tagtäglich kommen die Männer und Frauen um 10 Uhr und ziehen ihre Bahnen – auch wenn das Wetter nicht ideal ist. Dann sei das Freibad zumindest von 10 bis 13 Uhr anstatt bis 20 Uhr geöffnet, sagt Heim. Sie entscheidet, wann sie das Bad aufsperrt und wann nicht. „Meistens kommt dann abends wieder die Sonne raus. Dann sperr ich noch mal auf.“
Heuer habe es bislang zwei Schließtage gegeben, doch Heim ist sehr zufrieden mit der Badesaison und spricht von weiter steigenden Besucherzahlen – auch wenn es jetzt im August schon ruhiger werde. „Da fahren viele Leute in den Urlaub oder unternehmen was anderes. Da ist das Wasser nicht mehr so interessant.“
Familienbad wird nicht nur von Langquaidern geschätzt
Mittlerweile hat sie neben der Tür zu den Umkleiden Platz genommen und lässt ihren Blick über das Becken schweifen. „Das ist mein Platz, das weiß hier auch jeder.“ Von hier aus hat sie das Wasser und auch den Eingang gut im Blick. Sie schätzt die Atmosphäre des kleinen Bads, dass jeder jeden kennt. „Wir sind halt ein reines Familienbad, für Schwimmer und Familien mit kleinen Kindern“, sagt Heim. Das wird nicht nur von Langquaidern und Niederleierndorfer geschätzt. Auch aus Schierling, Dünzling und Thalmassing kommen die Besucher.
„Auch meine Kinder wuchsen hier im Freibad auf“, erzählt sie mit einem Augenzwinkern. Die seien mittlerweile erwachsen. Doch damals sei das Bad in keinem guten Zustand gewesen, was ihr ein Dorn im Auge gewesen sei. „Ich bin zum Bürgermeister gegangen und hab‘ ihm gesagt, ,ich mach jetzt den Rettungsschwimmer und dann übernehm‘ ich das Bad.‘“ Gesagt – getan. Bereut hat sie den Schritt nicht, auch wenn sie im Sommer nicht viel zuhause ist. „Wenn meine Kinder mich sehen wollen, dann kommen sie ins Bad,“ sagt Heim.
In den Vormittagsstunden finden oft noch Schwimmkurse oder während der Schulzeit Schwimmunterricht der dritten Klassen statt. Gegen Mittag, wenn die Badegäste kommen, bekommt Helga Heim Unterstützung bei der Badeaufsicht. „Das funktioniert gut“, sagt sie. Ab Mittag ist dann auch der Kiosk besetzt.
Immer mehr Besucher
Am Ende jeder Saison setzen sich Heim und Bürgermeister Herbert Blascheck zusammen, ziehen Bilanz und besprechen, was gut lief und was verbessert werden könnte. Was den Bürgermeister besonders freut, sind die steigenden Besucherzahlen. Dass sich viele Leute während der Corona-Zeit einen Pool angeschafft haben, habe zu keinen Einbrüchen geführt. Das wichtigste sei, das die Leute gern kommen, das sei die beste Werbung für das Bad.
Gerade kassiert Heim den Eintritt von einer Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter ins Freibad gekommen ist. Ihr gefalle das Familiäre im Freibad. Darum komme sie schon seit Jahren nach Niederleierndorf, sagt die Schierlingerin.
Helga Heim lässt Wasser in das Kinderbecken ein. Dann schnappt sie sich die Kehrmaschine und schiebt sie entlang des Beckenrandes. Der Wind in der Nacht habe viele Blätter zum Becken geweht, erklärt die 59-Jährige. Ihrer Arbeit im Freibad will sie noch möglichst viele Jahre nachgehen. Doch zumindest für dieses Jahr neigt sie sich langsam dem Ende entgegen. „Meine Schwimmer würden auch im Oktober noch ins Bad kommen. Nach denen kann ich nicht gehen“, sagt sie und lacht. Meistens sei um den Gillamoos Schluss. Da werde oft auch das Wetter schlechter. Hat das Freibad geschlossen, arbeitet Heim im Wertstoffzentrum und in der Kinderkrippe.
Zwischen September und Mai kommt sie auch selber wieder zum Schwimmen. Mindestens einmal in der Woche ist sie im Keldorado in Kelheim anzutreffen. „Das ist mein Ritual. Das brauch ich dann einfach.“
Die Geschichte des Freibads in Niederleierndorf
Kurz vor der Eingemeindung Ende der 70er Jahre baute die Gemeinde Niederleierndorf das Freibad. Um die Jahrtausendwende stand das Bad kurz vor der Schließung. Damals sei es schwer gewesen, Personal zu finden, erinnert sich Langquaids Bürgermeister Herbert Blascheck. Doch die Niederleierndorfer setzten sich für ihr Bad ein und sammelten Unterschriften.
Die DLRG Siegenburg übernahm in den nächsten Jahren die Badeaufsicht, bis 2007 Helga Heim kam. Viele Dorfbewohner packten mit an und brachten das Bad wieder auf Vordermann. Eine Solaranlage wurde gekauft und die Schließung war vom Tisch. Seitdem steigen die Besucherzahlen.
Im Freibad gibt es einen Kiosk, ein Becken mit Nichtschwimmerbereich und kleiner Rutsche, sowie ein Kinderbecken. Zudem gibt es Sandkasten, Schaukel und Wippe.


