Experimentierwerkstatt: Hier wird mit Spiel und Spaß Wissen vermittelt

Langquaid. Seit rund drei Monaten können Interessierte bei Kursen und Workshops in die Welt von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik (MINT) und mehr eintauchen. Projektmanagerin Martina Wimmer erzählt im Gespräch von ihren Plänen für die Experimentierwerkstatt, wie das Handwerk davon profitiert und wo es noch hakt.
Im Mai wurde die Experimentierwerkstatt eröffnet. Und, wie läufts?
Martina Wimmer: So langsam läuft es an. Wir sind beim Sommerferienprogramm des Markts Langquaid mit dabei und bieten Kurse an. So werden Eltern und Kinder auf uns aufmerksam, denn viele wissen noch nicht, dass es die Experimentierwerkstatt gibt. Es muss sich noch rumsprechen.
Was ist das Ziel der Experimentierwerkstatt?
Wimmer: Ziel ist es, vor allem Kindern und Jugendlichen MINT-, Handwerks-, Energie- und Klimathemen auch im außerschulischen Bereich mit Kursen und Workshops nahezubringen, damit sie gegebenenfalls einen Ausbildungsberuf in der entsprechenden Fachrichtung wählen können. Die Wirtschaft und das Handwerk benötigt dringend Fachkräfte in den genannten Bereichen. Kompetenzen der Kids sollen erkannt und gefördert werden – mit Experimenten, Spiel und Spaß soll Wissen vermittelt werden.
Sie managen die Experimentierwerkstatt und organisieren die Veranstaltungen und Kurse. Woher holen Sie Ihre Ideen?
Wimmer: Ich war viele Jahre am Landratsamt tätig, unter anderem mehr als 20 Jahre in der Wirtschaftsförderstelle. Hier war Ausbildung mein Steckenpferd und ich hatte viel Kontakt zu Schulen und Firmen. Dabei habe ich gemerkt, wo es krankt. Das Handwerk ist nach wie vor ein großer Brennpunkt. Hier müssen wir als Gesellschaft weg vom Studier-Wahn. Nicht jeder ist für eine weiterführende Schule und ein Studium geeignet. Dadurch entsteht oft viel Leid bei Kindern, Eltern aber auch Lehrkräften, das vermieden werden könnte. Außerdem bin ich ein sehr kreativer Mensch.
Für die Kurse und Workshops haben Sie Kooperationspartner.
Wimmer: Mit dabei sind der Landschaftspflegeverband Kelheim, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Energieagentur und die OTH Regensburg. Auch Vertreter der Handwerkskammer haben schon einen Vortrag über Duales Studium im Handwerk bei uns gehalten. Aber ich bin noch auf der Suche nach Referenten aus Betrieben. Ich bekomme schon Unterstützung von Ropa Maschinenbau aus Sittelsdorf und Z-Fenster-Technik aus Herrnwahlthann. Aber es dürfen noch mehr werden. Schön wäre, wenn ich mit den Veranstaltungen ein regelmäßiges Programm gestalten könnte und die Firmen könnten für ihre Ausbildungsplätze werben. Das wäre eine Win-win-Situation für alle.
Anfangs haben Sie von den Kursen im Ferienprogramm gesprochen. Welche Kurse sind das genau?
Wimmer: Kürzlich hatten wir den Kurs ,Wie funktioniert ein Baum‘. Förster Simon Windl hat mit Spiel und Spaß Wissen vermittelt und die Kinder haben super mitgemacht. Zum Beispiel hat er an die Teilnehmer Baumscheiben verteilt und auf eine Seite der Scheiben wurde ein Wasser-Spülmittelgemisch aufgetragen. Dann bliesen die Kinder von der anderen Seite auf die Baumscheibe und es kamen Seifenblasen raus. Hier ging es darum zu erklären, dass ein Baum über Leitbahnen das Wasser zur Krone transportiert und in der Baumscheibe sind das eben die kleinen Löcher.
Aber am Kurstag selbst hat es geregnet.
Wimmer: Darum waren wir in der Experimentierwerkstatt. Mir wäre es lieber gewesen, wir wären raus in die Natur gegangen. In der Runde habe ich mitbekommen, dass manche Kinder zum Teil schon ein halbes Jahr nicht mehr im Wald waren. Mir ist die Natur sehr wichtig, sie ist die Grundlage allen Lebens und aller MINT-Themen.
Um einen achtsameren Umgang mit der Natur geht es bei dem Kurs „Aus Müll wird Kunst“, der am 21. August stattfindet.
Wimmer: Der Kurs findet in Kooperation mit der Energieagentur und dem Kreisjugendamt statt. Wir sammeln Müll und gestalten daraus kreativ ein Kunstwerk. Die Teilnehmer erfahren, wie lang der Müll braucht, um zu verrotten und wie sie Müll vermeiden können.
Ende August steht die Stromwerkstatt auf dem Programm.
Wimmer: Da bauen wir ein Leuchtobjekt. Der Kurs mit Kathrin Friebe, sie ist neuerdings auch für die Experimentierwerkstatt tätig, dauert drei Tage und ist bereits ausgebucht. Die Kinder können ausprobieren, eigene Erkenntnisse gewinnen und sie anwenden. Im Oktober findet dann eine Veranstaltung der Kinder Uni statt. Professorin Martina Müller-Schilling vom Universitätsklinikum in Regensburg wird dabei die Reise eines Gummibärchens durch unseren Körper erklären. Da freue ich mich schon drauf.
Außerdem stehen Sie in Kontakt mit der Stiftung Kinder forschen in Berlin.
Wimmer: Mit der Außenstelle Regensburg planen wir ab Frühjahr gemeinsam eine Fortbildung für Pädagogen, damit sie das MINT-Wissen direkt zum Beispiel an Kindergartenkinder weitergeben können. Zum Teil sind das einfache Übungen, die Spaß machen und Wissen vermitteln. Wir können hier nicht alles auffangen, wenn wir es an Multiplikatoren weitergeben können, wäre das klasse.
Die Experimentierwerkstatt ist in der Franziska-Obermayr-Schule untergebracht.
Wimmer: Vormittags findet in dem Raum ganz normal Chemie- oder Physikunterricht statt. Jeder der 30 Arbeitsplätze ist mit Steckdosen und Spannungsleitungen ausgestattet. Eine digitale Tafel, ein 3-D-Drucker sowie Mikroskope und Lötstationen gehören ebenfalls zur Ausstattung. Wir sind gerade dabei, sie nach und nach zu vervollständigen. Schulleiter Werner Meier ist sehr firm in MINT-Themen. Mit ihm und auch mit Bürgermeister Herbert Blaschek, dem Ideengeber, läuft die Zusammenarbeit top.
Aber die Experimentierwerkstatt richtet sich nicht nur an Kinder und Jugendliche.
Wimmer: Sie richtet sich an Interessierte von der Grundschule bis ins hohe Alter, an alle, die Interesse an unseren Angeboten haben. Auch Erwachsenenbildung, zum Beispiel bei Umwelt- und Klimathemen, ist Teil der Arbeit der Experimentierwerkstatt. Vergangenes Jahr fand ein Vortrag zum Energiesparen im Alltag statt. Auch heuer im Herbst möchte ich einen Vortrag in einem der genannten Themenbereiche für Erwachsene anbieten.
Was wünschen Sie sich für die Langquaider Experimentierwerkstatt?
Wimmer: Ich wünsche mir, dass sie mit Leben erfüllt wird und dass die Kinder und Jugendlichen gerne kommen und spielerisch ihr Wissen erweitern. Auch dass hier ein wertschätzendes Miteinander herrscht und die Kinder und Jugendliche durch die Angebote eine Ahnung bekommen, wo ihr beruflicher Weg hinführen soll. Ein erfüllter Beruf wirkt sich auf das ganze Lebensumfeld aus.
Wissenswertes zur Experimentierwerkstatt Langquaid
Die Experimentierwerkstatt in Langquaid ist ein für den Landkreis Kelheim einzigartiges Projekt. Interessierte können mit viel Spaß in die MINT-Welt eintauchen. Sie ist in der Franziska-Obermayr-Schule, Pestalozzistraße 8, untergebracht. Die LEADER-Förderung der EU übernahm mit rund 75.000 Euro knapp die Hälfte der Nettokosten des Projekts. Das Kursangebot ist auf www.langquaid.de nachzulesen. Dort gibt es auch einen Link zur Anmeldung.
