Weniger ist mehr, sagt Dorothea Hierstetter über ihren Garten in Zettisch

Dorothea Hierstetter geht durch ihren wilden Garten – wie sie ihn nennt. Sie ist Besitzerin eines erst vor kurzem vom Bayerischen Landesverband für Gartenbau zertifizierten Naturgartens in Zettisch. Da sie hauptsächlich in München wohnt, sei der Garten ein Stück weit sich selbst überlassen. „Ich genieße sowohl das Stadt- als auch das Landleben“, erzählt sie.
„Meine Eltern haben das Haus in Zettisch in den 80er Jahren gebaut und meine Mutter hat schon immer viel Gemüse angebaut.“ Vieles von ihrem Wissen rund um den Garten hat sie von ihrer Mutter, aber in ihrer Freizeit liebt sie es zudem, sich mit Pflanzen und Natur zu beschäftigen. So hat sie sich bereits einiges an Wissen durch Bücher aneignen können. Durch ihr Interesse an Pflanzen ist die Beschäftigung im Garten für sie auch keine Arbeit.
Ihre Zielsetzung bei der Anlage des Gartens war es, einheimischen Pflanzen einen Raum zum Wachsen zu überlassen. Dies sei ihr auch gelungen. Dadurch, dass sie in ihrem Garten auch einfach Natur zulässt, sind viele Wildkräuter und -blumen zu finden. In den Anfangsjahren hatte sie bei der Gestaltung Hilfe von dem Garten- und Landschaftsarchitekten Anton Robl aus Furth im Wald. Mittlerweile pflegt und bewirtschaftet sie ihren Garten alleine.
Überall wachsen Blumen: Auch im Gemüsebeet
In ihrem Bauerngarten pflanzt sie verschiedenes Gemüse und Blumen. Diese mischt sie bewusst. „Der Duft mancher Blumen verwirrt bestimmte Insekten, so dass dies auch gegen Schädlinge hilft. Außerdem fördert es die Bestäubung des Gemüses.“ Die Beete bepflanzt sie von Jahr zu Jahr unterschiedlich. Dieses Jahr wachsen dort Kohlrabi, Salat, Fenchel, Karotten, Kartoffeln, Zwiebeln, Erbsen, Mangold, Zucchini, Hokkaidokürbis und verschiedene Kräuter. Dazwischen blühen Phlox, Zinnien, Kapuzinerkresse, Stockrosen, Tagetes und Fingerhut. Viele Blumen wachsen dabei jedes Jahr von selbst wieder. „Meine Blumen gedeihen wunderbar. Ich habe das Gefühl, dass sie es nicht so mögen, wenn man ständig daran rumpflückt“, stellt die Münchnerin fest.
Auf den Tisch kommt Gemüse aus dem Garten
„Gemüse kaufe ich selbst nicht ein. In meinem Garten wächst genügend und ich koche nur mit dem Gemüse aus dem Garten“, erzählt Dorothea Hierstetter. Doch nicht nur Gemüse wächst in ihrem Garten, sondern auch Johannisbeeren, Himbeeren, Stachelbeeren, Brombeeren, Kulturheidelbeeren, Walderdbeeren, Jostabeeren (eine Kreuzung aus Schwarzer Johannisbeere und Stachelbeere), Birnbäume, ein Apfelbaum, ein Walnussbaum und Haselnusssträucher. Aus dem Obst macht sie Marmeladen, Saft und Kuchen. Ihren Anbau und die Ernten dokumentiert sie außerdem in einem Buch.
„Ein bisschen was muss man tun, sonst verwildert der Garten komplett, aber die Zeit muss man sich einfach nehmen. Man bekommt aber auch Kraft durch den Garten“, so die Naturgartenbesitzerin. Allerdings glaubt sie, dass viele Menschen einfach zu viel in ihren Gärten machen. Sie ist davon überzeugt, dass weniger mehr ist und deswegen ihre Blumen und ihr Obst und Gemüse so gut und gesund wachsen. Wenn aber etwas überhand nimmt, greift sie auch mal zur Schere. In ihrem Garten leben zudem viele Schmetterlingsarten, Libellen und Vögel. Die Raupen würden beispielsweise die Brennnessel gerne mögen und die Vögeln den dicht bewachsenen Garten. Für die Insekten und Vögel bietet sie zudem Trinkmöglichkeiten in Form von mit Moos, Steinen und Holz gefüllten Wasserschalen.
Keine Giftstoffe im Garten
Pflanzenschutzmittel benutzt sie gar keine – was ein wichtiges Kriterium für einen Naturgarten ist. Das A und O sei gutes Saatgut von Bioqualität. Sie nehme aber oft auch Pflanzen von Nachbarn an, diese seien dann schon an das Klima und die Bodenbeschaffenheit gewöhnt. Generell würden sich die verschiedenen Pflanzen gegenseitig selbst unterstützen. So sei der Wermut beispielsweise gut für die Schwarze Johannisbeere. Gegen Schnecken setzt sie Schneckenschutzringe in ihrem Garten ein. Zum Düngen wiederum nimmt sie Kompost aus dem eigenen Garten, Brennnesseljauche und Schaf- und Pferdemist vom Nachbarn.
Im Einklang mit der Natur: Der Garten von Sigrid Chardin
Auch mit Wasser geht Dorothea Hierstetter sehr sparsam um. Dabei greift sie beim Gießen auf Wasser aus dem naheliegenden Wald zurück. Die Lage des Hauses sei außerdem sehr gut, so dass sie nicht viel gießen müsse.
Aus Liebe zu ihren Garten und aufgrund ihres Berufes als Grafikerin hat sie außerdem ein Postkartenprojekt ins Leben gerufen. Die Postkarten zeigen Fotos und Zeichnungen ihres Naturgartens in Zettisch. Hierstetter hofft, dass es in Zukunft wieder mehr Gemüsegärten gibt, denn es gäbe nichts Schöneres, als sich selbst am eigenen Garten bedienen zu können.


