Institution auf dem Volksfest: Was der Chef des Happy Traveller in Neumarkt Kurioses erlebt

Auf rund 16 Volksfesten in ganz Deutschland gastiert Heino Winter jedes Jahr mit seinem Karussell Happy Traveller. Seit 19 Jahren macht er auch in Neumarkt Halt. Der 57-Jährige erzählt von seinem Leben als Schausteller, besonderen Begegnungen und was das Jura-Volksfest aus seiner Sicht so besonders macht.
Riesenrad, Autoscooter, Kinderkarussell – mit diesen Fahrgeschäften verbinden viele Neumarkter das Jura-Volksfest. Etwas unscheinbar reiht sich der Happy Traveller ein. Seit inzwischen 19 Jahren baut Heino Winter seine Attraktion Jahr für Jahr auf dem Volksfestplatz auf. Damit gehört er zu jenen Schaustellern, deren Fahrgeschäfte mit am längsten zum Programm zählen.
Seit 2005 dreht sich der Happy Traveller auf den Volksfesten in Neumarkt
Wie seine Kollegen kommt auch Heino Winter viel herum. Jedes Jahr reist der 57-Jährige einmal quer durch Deutschland. Die Osterwiese in Bremen läutet seine Saison als Schausteller ein. Danach zieht sein fünfköpfiges Team mit fünf großen Transportern, einem Lkw und einem Kran los gen Süden. Auf rund 16 Volksfesten pro Saison machen sie Halt und kommen bis nach Landsberg am Lech hinter München. Im Herbst geht es dann zurück zum Bremer Freimarkt.
„Das Fahrgeschäft war schon fast überall in Deutschland“, sagt Winter. Karusselle dieser Art gebe es bundesweit mehr als 40 Stück, doch der Happy Traveller sei in seiner Aufmachung einzigartig. Deshalb hat Winter nach eigener Aussage als einer von wenigen Schaustellern mit einem solchen Fahrgeschäft die Möglichkeit, überregional zu reisen.
Seine Attraktion ist vor allem auf Volksfesten im fränkischen Raum zu sehen. Seit 2005 legt er auch in Neumarkt einen Stopp ein. Das Jura-Volksfest sei ein besonderes, sagt er, es hebe sich durch seine Vielseitigkeit von anderen ab. Vergnügungspark, Fressmeile, Biergarten und Festhalle, dazu der Volksfestzug, die Pferde- und Fohlenschau und Gottesdienste – das kennt er „nur von ein, zwei weiteren Volksfesten“.
Rekommandieren, Musik, Wartung: Schausteller Heino Winter übernimmt viele Aufgaben selbst
Und Winter muss es wissen. Seit sechs Generationen ist die Familie mit der Schausteller-Branche verbunden. Heino Winters Vater besaß einst eine Raupenbahn. Auch einen Imbiss betrieben die Winters mehr als 20 Jahre lang. „Ich bin auf der Reise groß geworden, ganz früh in die Materie eingetaucht und habe das immer geliebt“, sagt Heino Winter. Als Jugendlicher durfte er auf den Volksfesten in jedem Fahrgeschäft umsonst mitfahren, das sei unter Schaustellern so üblich. „Was Besseres konnte ich mir nicht wünschen. Jedes Volksfest war ein Highlight für mich.“
„Ich bin auf der Reise groß geworden, ganz früh in die Materie eingetaucht und habe das immer geliebt.“ Heino Winter, Schausteller
2005 erfüllte sich Heino Winter den Traum vom eigenen Fahrgeschäft. „Ein bisschen spät, aber man muss ja erst etwas Geld zusammenhaben, um das zu kaufen“, sagt der 57-Jährige. Knapp 15 Jahre später musste er einen heftigen finanziellen Rückschlag verkraften. Das coronabedingte „Berufsverbot“ habe ihm schlaflose Nächte bereitet, die privaten Ersparnissen seien draufgegangen. „Meine Frau und ich haben das mal ausgerechnet. Wir bräuchten fünf Jahre, um wieder auf dem Stand von 2019 zu sein.“
Das Wichtigste sei aber, „dass wir jetzt wieder arbeiten dürfen“. Bis heute ist Winter „mit Herz und Seele dabei“, wie er sagt. Von den Wartungsarbeiten über das Rekommandieren bis hin zur Musik übernimmt der Chef einen großen Teil der Aufgaben selbst – wie schon sein Vater und sein Opa an der Raupenbahn. Kinder zu erfreuen, sie strahlen zu sehen, das sei „das Schönste überhaupt“ an seinem Job.
In den 19 Jahren erlebte er auf dem Jura-Volksfest auch viel Kurioses. Er erinnert sich beispielsweise an ein Brautpaar, das direkt nach der Hochzeit in Anzug und Brautkleid vor seinem Fahrgeschäft gestanden hatte. Per Durchsage kündigte Winter an, den frisch Vermählten eine Fahrt auszugeben. „Die haben das alles gefilmt und sich riesig gefreut“, sagt er. Auch Junggesellenabschiede würden oft auf dem Jura-Volksfest gefeiert, ihnen spendiert Winter ebenfalls eine Extratour.
Manchmal bekommt der Schausteller sogar mit, wie sich Jugendfreunde, die sich jahrelang nicht gesehen hatten, an seinem Karussell wieder treffen und Erinnerungen austauschen. „Das sind Highlights“, sagt er. Momente, die für den Schaustellern nach Jahrzehnten im Geschäft jedes Mal aufs Neue besonders sind. „Die Leute sollen bei uns den Alltag vergessen. Dass sie sich wohlfühlen, sich amüsieren, lachen und gut drauf sind – das ist das, was unseren Beruf ausmacht. Wenn wir das schaffen, haben wir unser Ziel erreicht.“ In den kommenden Tagen soll ihm das auch wieder auf dem Jura-Volksfest gelingen.