Trinkgeld, Sicherheit und stille Örtchen: Ein Knigge für das Jura-Volksfest

Von Lothar Röhrl · 11. August 2023 um 05:00

Adolph Knigge war nie in Neumarkt. Und sein berühmtes Benimmbuch für Umgangsformen hat kein Kapitel für Volksfeste. Dafür geben Festreferent Franz Düring und Festwirt Marco Härteis Tipps, was es bei Trinkgeldern und der Toilette zu beachten gilt.

• Reservierungen: Neues Angebot richtig nutzen

Ein Volksfestbesucht macht erst mit Freunden und der ganzen Familie richtig Spaß. Doch wenn eine Gruppe Plätze in den Festhallen sucht, kann das schon mal schwierig werden – vor allem zu vorgerückter Stunde. Deshalb bietet Festwirt Marco Härteis zum ersten Mal in der Geschichte des Neumarkter Volksfests die Möglichkeit an, unter www.haerteis.de in den Hallen Plätze zu reservieren. Und zwar für jeden Festtag in zwei Schichten. Die erste beginnt um 11.30 Uhr, die zweite um 18 Uhr. So praktiziert er es schon seit Jahren auf dem Gillamoos in Abensberg.

Allerdings: Selbst mit einer Reservierung werden Plätze nicht unbegrenzt freigehalten. Nach einer halben Stunde – also um 12 Uhr oder 18.30 Uhr – erlischt die Reservierung, wenn sich bis dahin niemand von einer Gruppe oder Familie eingefunden hat. Härteis empfiehlt, dass jede Gruppe zumindest eine Person zwischen 11.30 und 12 oder 18 und 18.30 Uhr vorausschickt.

• VIP-Plätze auf der Empore nur gegen Gutschein

Wer auf der Empore, also auf den „VIP-Bereich“ genannten leicht erhöhten Plätzen in der Großen Halle, sitzen möchte, muss pro Tisch 100 Euro bezahlen. Dafür bekommt er einen Essensgutschein im Wert von 100 Euro. Das gehe sich ganz gut aus, rechnet Marco Härteis vor: Wenn acht Personen an so einem Tisch sitzen, ist schon mal eine Runde mit Bier-, Radler- oder Mineralwasser-Maßen bezahlt.

• Wie viel Trinkgeld bekommt eine Bedienung?

Egal, ob Kleine oder Große Jurahalle, Weinzelt oder im Freien: Jede Bedienung freut sich über Trinkgeld. Üblich ist, dass der Gast auf einem Volksfest zehn Prozent des Preises als Trinkgeld oben drauf legt. Bei einem Bierpreis von 9.70 Euro pro Maß in Neumarkt kämen also aufgerundet 10,60 Euro zusammen. Der „Knigge“ hätte sicher auch nichts dagegen, wenn statt 10,60 Euro exakt elf Euro gegeben werden.

• Was tun, wenn es mal etwas länger dauert?

Festwirt Marco Härteis wünscht sich Geduld von Gästen in stressigen Situationen gegenüber dem Personal. „Denn das Personal ist sehr fleißig und arbeitet viel.“ Sehr hilfreich wäre es, wenn sich der Gast bei den Bedienungen bemerkbar macht, wenn er etwas haben möchte. „Oft sind die Gäste in Gespräche vertieft und merken gar nicht, dass eine Bedienung vorbeiläuft.“

• Wie verhält man sich, wenn etwas schief gelaufen ist?

Wenn das Falsche serviert wurde oder ein anderes Malheur passiert ist, bittet der Festwirt darum, sich gleich zu rühren. Reklamationen und Beschwerden ließen sich an Ort und Stelle und persönlich unkompliziert beheben. Das sei für alle beteiligten hilfreicher als wenn ein verärgerter Gast seinem Unmut im Nachhinein über die Sozialen Medien kund tue.

• Ein Dankeschön auf dem stillen Örtchen

Wer sich auf dem Volksfest mit Speis und Trank gelabt und für die nächste Runde Boxauto gerüstet hat, muss sich dann und wann auch mal erleichtern. Für den Besuch der Toiletten verlangt die Stadt Neumarkt keine Gebühr. Als Zeichen der Achtung für die Arbeit der Reinigungskräfte, die für die Sauberkeit der stillen Örtchen auch zu später Stunde sorgen, empfiehlt Festreferent Franz Düring aber ein Trinkgeld. „50 Cent oder ein Euro“ habe diese Servicekraft pro Nutzer schon verdient. „Zum Vergleich: Wer auf einer Autobahn-Raststätte die Toilette nutzt, bezahlt einen Euro dafür“, sagt Franz Düring.

• Cool bleiben, auch wenn es heiß her geht

Wo viele Menschen aufeinandertreffen und zudem nicht selten reichlich Alkohol getrunken wird, bleiben Unstimmigkeiten nicht aus. Der Volksfestreferent des Stadtrats bitte deshalb darum, ruhig zu bleiben. Was Raufereien angehe, habe es bisher jedoch zum Glück kaum größere Vorkommnisse in Neumarkt gegeben. „Gemessen an der Besucherzahl haben wir eines der friedlichsten Volksfeste in Bayern“, sagt Düring.

Außerdem bittet er darum, Rücksicht auf die Bedienungen zu nehmen: „Da sind Frauen dabei, die zehn, zwölf volle Maßkrüge tragen.“ Ihnen sollte man den Weg frei machen.

• Auf einem Volksfest ist nicht alles möglich Franz Düring bittet außerdem um Verständnis, wenn auf dem Volksfest nicht alle Wünsche in Erfüllung gehen: Zum Beispiel könnten Menschen im Rollstuhl nicht alle Fahrgeschäfte nutzen.

• Wegen der Sicherheit – Fluchtwege freihaltenWichtig ist dem Volksfestreferenten, dass alle Fluchtwege freigehalten werden. Deshalb sollten die Fahrräder auf den Zweirad-Parkplätzen abgestellt werden. Am G6 ist wieder einer eingerichtet, der auch bewacht wird. Neben dem Weinzelt wird ein unbewachter eingerichtet – der dafür aber auch nichts kostet.