Nach Verzögerungen: Neue Rodinger Brücke soll im Herbst endlich begehbar sein

Von Oliver Hausladen · 14. August 2023 um 11:00

Quasi fertig überspannt die neue Geh- und Radwegbrücke den Regen zwischen Roding und Mitterdorf, benutzt werden kann sie allerdings immer noch nicht. Eigentlich war die Einweihung schon für Ende April geplant. Grund sei eine Verzögerung zum Start der Hochwasserschutzmaßnahme des Wasserwirtschaftsamtes, weißt die Stadt die Schuld von sich. Dass die Brücke noch nicht passierbar ist, sorgt für etwas Frust bei den Bürgern – und auch bei der ausführenden Baufirma, der Werner Rädlinger Maschinen- und Stahlbau GmbH. Im Herbst soll es nun aber endlich soweit sein.

„Aus Sicht eines Stahlbauers einzigartig“

„Die Regenbrücke wäre auch in normalen Zeiten ein herausforderndes Projekt gewesen. Dass unser Team ein solches Vorhaben in den Jahren 2022/2023 erfolgreich und termingerecht umgesetzt hat – das macht mich wirklich stolz“, blickt Werner Rädlinger, Inhaber der Rädlinger Maschinen- und Stahlbau GmbH auf das Projekt zurück. Dass die neue Verbindung aber trotzdem noch nicht begangen werden kann, sorgt für etwas Frustration bei der Firma, die großen Aufwand betrieb, um selbst fristgereicht fertig zu werden.

„Diese Fußgänger- und Radbrücke ist wirklich etwas Besonderes, allein schon aus architektonischer Sicht“, schwärmt Thomas Forster, Leiter der Abteilung Stahlbau bei Rädlinger, der bei allen sechs Einhüben der einzelnen Brückenteile vor Ort war. Forster weiter: „Auch aus Sicht eines Stahlbauers ist das Bauwerk einzigartig: Sechs teils geometrisch sehr komplexe Bauteile, die vor Ort luftdicht verschweißt werden mussten und aus einem ganz besonderen Stahl bestehen – so etwas hat man nicht alle Tage.“

Große Herausforderungen

Doch gerade dieser Cortenstahl sorgte für die größten Herausforderungen: Diesen hatte Rädlinger 2021 in einem der wenigen Stahlwerke bestellt, die ihn in der benötigten Güte und Menge liefern konnten – in der Ukraine. Anfang 2022 brach der Krieg nach dem Angriff Russlands aus und die Bestellung wurde nie geliefert. „Nach langer Suche konnten wir die benötigte Menge dann bei einem schwedischen Hersteller bestellen, der erst kurz zuvor die nötige Akkreditierung erworben hatte“, erklärt Forster.

Dann galt es für die Firma mit Sitz in Windischbergerdorf, mehr als 8000 Arbeitsstunden der Fertigung, die für die sechs Bauteile eingeplant waren, in einen Zeitraum von 16 Wochen zu komprimieren – denn der Fertigstellungstermin war durch einen auslaufenden Förderzeitraum festgelegt. „Wir mussten andere Projekte verschieben und haben vor Ort alles rund um die Rodinger Brücke geplant“, erklärt Forster, „dazu kam ein Montagezeitraum mitten im Winter: Das bringt durch das schlechte Wetter und die Temperaturen nicht nur Unannehmlichkeiten für unser Montage-Team, sondern schuf auch an deren Stellen zusätzliche Herausforderungen. So mussten etwa die Stützen noch vergossen werden. Aufgrund des Verformungszustands der Brücke war das aber nur bei Temperaturen von mindestens fünf Grad über Null möglich.“

Zusätzlich zu all diesen Herausforderungen kamen noch die sechs Schwertransporte, die organisiert und reibungslos durchgeführt werden sollten. Auch dabei sorgte die Jahreszeit für zusätzliche Sorgenfalten auf den Gesichtern der Zuständigen: „Unsere Baustraße bei Nässe und teils Schneematsch mit einem Schwertransporter mit bis zu 100 Tonnen Gewicht zu befahren hat uns schon ein wenig nervös gemacht“, gibt Bauleiter Eduard Keck zu.

Am Ende hat aus Sicht der Firma alles gepasst: Alle Bauteile wurden wie geplant geliefert und rechtzeitig montiert, um die finalen Arbeiten termingerecht abzuschließen“, freut sich Werner Rädlinger.

Lösung wird gesucht

Und doch kann die neue Verbindung zwischen Roding und Mitterdorf immer noch nicht genutzt werden, eigentlich hätte es schon Ende April so weit sein sollen. Grund sei eine Verzögerung vonseiten des Wasserwirtschaftsamtes beim Beginn der Hochwasserschutzmaßnahme am Regen bei Mitterdorf, heißt es von der Stadt Roding. Das ursprünglich geplante Provisorium dürfe langfristig so nicht stehenbleiben.

Es werde derzeit nach einer anderen Lösung für die zwischenzeitliche Überbrückung durch eine provisorische Rampe auf Mitterdorfer Seite gesucht, damit die Bürger die Brücke nutzen können und sie auch für Radfahrer, Kinderwagen, Rollstuhl und Gehbeeinträchtigte zugänglich ist, sagte Bürgermeisterin Alexandra Riedl.

Die Firmen arbeiteten mit Hochdruck an der Ausarbeitung dieser Zuwegung. Die Rathaus-Chefin ist aber zuversichtlich, dass die Brücke bald auch ihrem Bestimmungszweck erfüllen kann: Im Herbst soll die Einweihung stattfinden, gab sie bei der Bürgerversammlung bekannt.

Betreten verboten

Bis auf weiteres gesperrt: Bürgermeisterin Alexandra Riedl hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Brücke bis auf weiteres gesperrt ist, da die Baumaßnahmen nicht abgeschlossen sind.

Keine Haftung der Stadt: Die Kommune haftet nicht für Zuwiderhandlungen und damit einhergehenden Unfällen, betonte Riedl. Beschädigungen an Schlössern und Bauzäunen stellten eine Straftat dar.