Diskussion um „Oberzentrum“: Spielt Schwandorf bald in einer Liga mit Amberg und Weiden?

Von Jan Lange · 12. August 2023 um 15:00

Momentan ist Schwandorf als Mittelzentrum eingestuft – ebenso wie Neunburg, Nittenau oder das Städtedreieck. Allerdings hat die Große Kreisstadt das Potenzial für ein Oberzentrum. Davon sind Gunter Schramm und Anna Weinberger vom Planungsbüro Planwerk überzeugt.

Das machten sie im Planungs- und Umweltausschuss deutlich. Die Nürnberger Planer haben die Idee mit dem Regensburger Büro Fruhmann & Partner entwickelt, mit denen sie auch das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) von Schwandorf fortgeschrieben haben.

Die Funktion von Zentralen Orten – zu denen Oberzentren gehören – ist es, überörtliche Versorgungsfunktionen für sich und andere Gemeinden wahrzunehmen. Das sei bei Schwandorf der Fall, ist Wolfgang Fruhmann überzeugt. Im Nachgang der Ausschusssitzung erklärte er, warum er dies so sieht. Die Stadt habe eine „wirklich zentral-örtliche Funktion“ und eine „Bindefunktion für das Umland“. Auch wurde jüngst die Einwohnermarke von 30.000 überschritten. Es gebe außerdem über die Stadtgrenzen hinaus bedeutende Einrichtungen wie das Krankenhaus St. Barbara, Schulen, Kultureinrichtungen oder die Oberpfalzhalle, meint Fruhmann.

Der Landtag muss zustimmen

Nun komme mit dem Technologie-Transferzentrum auch der Faktor Wissenschaft hinzu. Schwandorf sei ebenso ein wichtiger Bahnknotenpunkt. Damit seien aus Fruhmanns Sicht wesentliche Bausteine für ein Oberzentrum erreicht. In der Oberpfalz sei in jedem Landkreis ein Oberzentrum verortet – außer im hiesigen Kreis. Auch das spreche dafür, Schwandorf als Oberzentrum einzustufen, findet der Planer.

Die Festlegung der höherrangigen Zentralen Orte (ZOS) ist im Landesentwicklungsprogramms (LEP) geregelt. Das LEP ist eine Verordnung der bayerischen Staatsregierung, die auch der Zustimmung des Bayerischen Landtages bedarf. Änderungen können nur im bayernweiten Rahmen im Zuge einer weiteren LEP-Fortschreibung erfolgen, erklärt eine Sprecherin des Bayerischen Wirtschaftsministeriums. Das ZOS wurde 2018 im Rahmen einer Teilfortschreibung des LEP umfassend überarbeitet. „Eine Aktualisierung des ZOS erscheint daher derzeit nicht zwingend erforderlich und wird auch aus Gründen der Verlässlichkeit nicht angestrebt“, heißt es weiter vonseiten des Ministeriums.

Die Einstufung als Oberzentrum ist nicht an einen Kriterienkatalog gebunden, sondern setzt sich aus der Abwägung von im Ort und im umgebenden Raum vorhandenen Einrichtungen zusammen.

Bei der Einstufung eines Oberzentrums kommt es also nicht nur auf die Größe der Kommune und auf ihre öffentlichen Einrichtungen an, sondern auch auf die Bedeutung des Umlandes. Beispielsweise haben hier Kommunen mit einem Flughafen oder hervorragender verkehrlicher Infrastruktur bessere Karten als jene, die schwer erreichbar sind.

Hier werden nicht nur der Ist-Zustand sondern auch die Soll-Entwicklung berücksichtigt, da Bevölkerungsvorausberechnungen und Gewerbewachstumsprognosen ebenfalls von Bedeutung sind.

Einwohnerzahl spielt bei der Einstufung zum Oberzentrum keine Rolle mehr

Das heißt, dass zum Beispiel die Einwohnerzahl – im Gegensatz zu früher – keine Rolle bei der Einstufung mehr spielt. Das wird auch an den bestehenden Oberzentren deutlich. Es gibt aktuell 14 Oberzentren im Freistaat, die genauso viele oder weniger Einwohner als Schwandorf haben. Ein Beispiel ist Cham mit rund 17.400Einwohnern.

Das zu Schwandorf nächstgelegene Oberzentrum ist das rund 25 Kilometer entfernte Amberg. „Grundsätzlich können Oberzentren in Ausnahmefällen auch nahe beieinanderliegen, wie es in Bayern das Beispiel der beiden Oberzentren Erding und Freising zeigt“, teilt das Wirtschaftsministerium auf Nachfrage mit.

Die Stadt Schwandorf müsse den politischen Willen bekunden, Oberzentrum sein zu wollen, meint Planer Wolfgang Fruhmann. „Der Stadt Schwandorf ist es generell freigestellt, entsprechende Aufstufungswünsche an die Staatsregierung heranzutragen“, teilt die Sprecherin des Wirtschaftsministeriums mit

Dass ein solcher politischer Wille vorhanden ist, wurde in der Ausschusssitzung noch nicht deutlich. Man erfülle derzeit noch nicht die Kriterien, erwiderte beispielsweise SPD-Fraktionschef Franz Schindler auf die Idee. Deshalb habe es auch noch nicht die entsprechende Einstufung gegeben. Er sei dafür, dass Schwandorf Oberzentrum wird, meinte der Sozialdemokrat, aber nicht bei Absenkung der Kriterien.

In der Fortschreibung des ISEK wurde aber erst mal das Ziel formuliert, Schwandorf als Oberzentrum auszubauen und auch alle in dem Konzept und dem Stadtumbaumanagement formulierten Leitbilder zielen im Kern genau darauf ab, teilt die Schwandorfer Stadtplanung auf Nachfrage mit. Der Titel Oberzentrum hätte für Schwandorf ein besonderes Gewicht, gerade wenn man bedenkt, welche Siedlungs- und zentrale Stadtentwicklung bislang umgesetzt wurden.

Mit dem Zuzug neuer Firmen und den Schulstandorten werde dem Ganzen ohnehin noch mehr Gewicht beigemessen. Die städtische Stadtplanung ist sich mit den ISEK-Planern zumindest einig, dass es durchaus Potenzial gebe, zum Oberzentrum aufzusteigen.