Neunburg wächst und wächst – Bei den Ortsteilen gibt es Gewinner und Verlierer

Von Jan Lange · 23. Juni 2023 um 05:00

Immer mehr Menschen entscheiden sich für Neunburg als Wohnort: Im Vorjahr konnte die Pfalzgrafenstadt ihre Einwohnerzahl erneut steigern – um knapp 100. Mit 8389 Bürgern wurde ein neues Allzeithoch erreicht.

Entgegen aller Prognosen ist Neunburg kontinuierlich gewachsen, meint Bürgermeister Martin Birner (CSU) mit Blick auf die Bevölkerungsstatistik. Es sei keine boomartige Entwicklung, sondern ein gesundes Wachstum, ist der Rathauschef überzeugt.

In der Statistik noch nicht mitgerechnet sind Anna Benz-Reichenauer und Matthias Reichenauer mit ihrer dreijährigen Tochter. Sie werden erst im Herbst nach Neunburg ziehen. Derzeit ist die Kleinfamilie in Nürnberg zuhause. Für Neunburg spreche viel, meint die Chefin einer Marketingagentur. Die Stadt habe sich ihrer Meinung nach positiv entwickelt. Viele neue Arbeitsplätze seien entstanden, viel gebaut und saniert worden.

Nürnbergerin ist eine Rückkehrerin

Anna Benz-Reichenauer kennt auch andere Zeiten: In den 1990er und frühen 2000er Jahren lebte sie schon mal in Neunburg. Damals zogen die Leute lieber weg, die Einwohnerzahl sank. Auch die heute 40-Jährige ging nach dem Abitur weg, landete schließlich in Nürnberg. Der Kontakt zu Neunburg blieb aber bestehen, weil ihre Eltern und ihre Schwester hier leben. Bei den regelmäßigen Besuchen merkte Anna Benz-Reichenauer, dass sich die Pfalzgrafenstadt „wahnsinnig“ entwickelt. Im Gegensatz zu Nürnberg, wo vieles ins Negative umgeschlagen sei, findet die 40-Jährige.

Im April haben sie das erste Mal über einen Umzug gesprochen, erzählt Anna Benz-Reichenauer. Und wenig später stand fest: Sie werden in Neunburg ansässig. Eine Wohnung schauten sie sich an, bei der gleich alles gepasst habe. „Die Lebensqualität ist hier eine andere“, findet die 40-Jährige.

Baustellen waren Wirtschaft, Bildung und Infrastruktur

Diese positive Entwicklung sei harte Arbeit gewesen, meint Birner. Die Stadtspitze musste sich mit mehreren Baustellen befassen. Die wirtschaftliche Situation wurde verbessert, indem ein großes Industriegebiet ausgewiesen wurde. Heute ist Neunburg die Gemeinde mit der zweithöchsten Steuerkraft im Landkreis Schwandorf. Gleichzeitig wurde in die Bildung investiert und die Infrastruktur erneuert, erklärt der Bürgermeister.

Um auch junge Familien anzulocken, wurden neue Baugebiete ausgewiesen – wie aktuell an der Söltlstraße. Gerade in den Ortsteilen entstanden neue Bauflächen – so in Fuhrn, Seebarn, Kröblitz oder Kemnath. Mit positiven Folgen: Kröblitz verzeichnete innerhalb der vergangenen vier Jahre ein Einwohnerplus von 33, in Fuhrn wuchs die Zahl um 25 und in Kemnath um 18.

Es gibt auch eine Reihe Ortsteile, in denen weniger Leute wohnen als 2019. „Die Zahlen sind aber überwiegend geringfügig rückläufig“, erklärt Ulrike Meixner vom Stadtmarketing. „In keinem Ortsteil gibt es einen signifikanten Rückgang, der zu einem Aussterben führen würde“, betont sie.

Mancher Kemnather befürchtete genau das vor einigen Jahren noch für seinen Ort. Martin Birner hatte darauf immer geantwortet, dass sie Flächen hergeben sollten, auf denen neue Häuser entstehen könnten. Denn der Kampf um Flächen habe die Entwicklung mancher Ortsteile lange behindert. So wurde beispielsweise auch in Seebarn lange um neue Baugrundstücke gerungen. Als die Bauplätze dann ausgewiesen waren, gingen sie weg wie warme Semmeln.

Stadt hat die Zahlen immer im Blick

Man müsse aber mehr machen, als nur ein neues Baugebiet auszuweisen, sagt der Bürgermeister. In Penting wurden beispielsweise 25 Baugrundstücke geschaffen. Dennoch hat der Ortsteil Einwohner verloren. „Wir müssen im Innenbereich noch was erreichen, damit die Ortsmitte nicht ausstirbt“, sagt Birner. Die Stadt behalte die Einwohnerzahlen laufend im Blick. Dass die Situation stabil bleibt, davon ist man in der Stadtverwaltung überzeugt. Denn der Trend, dass junge Leute wieder aufs Land ziehen, um sich dort zu verwirklichen, halte weiter an.

Anna Benz-Reichenauer und ihr Mann fanden dagegen eine Wohnung in der Kernstadt. Mit ihrem Umzug werden sie dafür sorgen, dass Neunburgs Einwohnerzahl heuer wieder steigen wird. Die Chancen stehen nicht schlecht – zumindest konnte die Pfalzgrafenstadt in den ersten drei Monaten ein Wachstum auf 8441 Einwohner verzeichnen.

Zu dieser Zahl könnten nicht nur Anna Benz-Reichenauer und ihre Familie dazukommen, sondern vielleicht auch Freunde von ihnen. Denen erzählten sie nämlich von ihren Umzugsplänen und begeisterten sie derart, dass sie sich nächste Woche Neunburg anschauen wollen.