Mehr als 14.000 Kilometer für ein WM-Spiel? So erklärt Tina Winklmann ihren Australien-Trip

Von Philipp Breu · 10. August 2023 um 05:00

Die Grünen stehen wie keine andere Partei dafür, den Ausstoß von CO2 so gering wie möglich zu halten – gerade auch durch weniger Flüge. Nun sorgte ein Foto für Irritationen: Ausgerechnet Schwandorfs Grünen-Bundestagsabgeordnete Tina Winklmann posierte jüngst mit Trikot im Sydney Football Stadium, das mehr als 14.000 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt liegt. Wie passt das zusammen?

Wenn es nach Tina Winklmann geht, sehr gut. Schließlich seien solche Reisen kein Privatvergnügen, sondern Teil ihres Jobs. Der Aufenthalt in Sydney, bei dem sie auch das WM-Spiel der Deutschen Frauen-Fußball-Nationalmannschaft gegen Kolumbien live im Stadion verfolgte, sei nämlich Teil einer Delegationsreise gewesen.

Denn Winklmann ist sportpolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion, wie sie auf Nachfrage unserer Zeitung erklärt. Zusammen mit dem Sportausschuss des Deutschen Bundestages sei sie deshalb vom 23.bis 28. Juli unter Leitung des Ausschussvorsitzenden Frank Ullrich (SPD) zunächst nach Japan gereist. Anlass seien die World Aquatics-Schwimm-Weltmeisterschaften gewesen.

Deutschland ist Gastgeber für viele sportliche Großereignisse

Am Austragungsort Fukuoka hätten sich die Politiker mit Vertretern des Deutschen Schwimmverbandes (DSV), der deutschen Mannschaft und des internationalen Schwimmverbandes (World Aquatics) ausgetauscht. Auch der Besuch von Wettkämpfen mit deutscher Beteiligung sei Teil der Agenda gewesen. Ebenfalls hätte sich die Delegation in Tokio über die Nachnutzung der Olympia-Sportstätten und der Infrastruktur im Hinblick auf Nachhaltigkeit informiert. Gespräche mit dem Japanischen Olympischen Komitee und dem Japanischen Paralympischen Komitee schlossen sich an.

Hintergrund der Reise sei die Rolle Deutschlands als Gastgeber für internationale Sportgroßveranstaltungen gewesen. Es sollten weitere Erkenntnisse darüber erlangt werden, wie Großveranstaltungen noch effizienter, nachhaltiger und bürgerfreundlicher gestaltet werden können. „Wir Abgeordnete unternehmen fachbezogene Ausschussreisen, um nicht nur ein Bild davon zu erhalten, wie andere Länder Probleme annehmen und diese lösen, sondern auch um zu erfahren, wie der Blick in die Zukunft ist. Ein Austausch mit Parlamentariern vor Ort und der deutschen Botschaft versteht sich von selbst“, sagt Winklmann.

Nach ihrem Aufenthalt in Tokio flog die Politikerin zusammen mit MdB Christian Schreider (SPD) rund 7000 Kilometer und zehn Stunden weiter nach Australien. „Natürlich war auch diese Reise nicht privat“, so Winklmann. Die zweieinhalb Tage in Sydney seien gefüllt mit Terminen vor Ort gewesen: Vom Austausch mit dem Goethe Institut über einen Besuch der Deutschen Botschaft bis hin zum Treffen und zum Austausch mit dem Deutschen Fußballbund (DFB) im Zuge der Weltmeisterschaft der Frauen.

„Erst kürzlich habe ich eine öffentliche Anhörung im Sportausschuss des Deutschen Bundestages zur aktuellen Situation und Entwicklung des Fußballs für Frauen und Mädchen initiiert“, erklärt die Schwandorfer Politikerin. Zudem bewerbe sich Deutschland, gemeinsam mit Belgien und den Niederlanden, um die Frauen-Fußball-WM 2027. Auch das sei ein Grund dafür gewesen, politische Präsenz vor Ort zu zeigen – eben auch bei einem Spiel im Stadion.

Nicht die einzige Delegationsreise ins Ausland

Denn Sportpolitik sei Gesellschaftspolitik. „Es gibt viel zu tun, um Integrität, Förderung, Nachwuchsaufbau, Gleichstellung, nachhaltigen Sportstättenbau, Integration und noch vieles mehr voranzubringen“, sagt Winklmann. Diese gesellschaftspolitischen Fragen seien die Grundlage von Delegationsreisen.

Die jüngste Reise nach Japan und Australien sei deshalb bei weitem auch nicht die einzige gewesen, die Winklmann in ihrer derzeitigen Amtsperiode unternommen habe. Mitte Mai diesen Jahres reiste sie beispielsweise mit einer Delegation nach Finnland. Anlass sei hier die Eishockey-Weltmeisterschaft der Herren gewesen. Hintergrund sei unter anderem die Unterstützung der Bewerbung des Deutschen Eishockey-Bundes um die Austragung der Eishockey-Weltmeisterschaft der Herren im Jahr 2027 gewesen. Aber auch andere Punkte wie ein Besuch des finnischen Parlamentes hätten auf der Tagesordnung gestanden.

Gereist sei die Abgeordnete, wie für Delegationsreisen üblich, mit Linienflugzeugen. Winklmann selbst greife dort auf gemischte Flugklassen zurück. „Für Reisen innerhalb des europäischen Festlandes bevorzuge ich übrigens das Schienennetz.“ Die Delegationsreise zur Biathlon- und Rodel-WM in Oberhof zum Beispiel habe natürlich mit der Bahn stattgefunden. „Ich besuche also Sportgroßveranstaltungen im In- und Ausland. Im Ausland begrenzt auf gewisse Events“, fasst Winklmann zusammen. Das sei nun mal Teil ihres Berufs.

Auch andere regionale Bundestagsabgeordnete legen mitunter weite Strecken zurück, um sich vor Ort über politische Themen auszutauschen. Wie Martina Englhardt-Kopf, CSU-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Schwandorf, berichtet, sei auch sie im Zuge von Delegationsreisen ins Ausland geflogen – allerdings bisher nur einmal. Als Mitglied des Verkehrsausschusses flog sie von 4. bis 9.Juni in die USA und besuchte dort die Städte San Francisco, Los Angeles und Seattle.

Keine Auskunft von Marianne Schieder

Dort standen unter anderem Diskussionen über Elektromobilität und autonomes Fahren im Vordergrund. Über diese Themen sowie über den Stand der technischen Entwicklung habe sich die Delegation bei einem Besuch von Tech-Firmen im Silicon Valley informiert. Außerdem standen Exkursionen zu Nordamerikas größtem Containerhafen in Los Angeles und den Boeing-Werken in Seattle auf dem Programm.

SPD-Bundestagsabgeordnete Marianne Schieder ließ eine Presseanfrage zu ihren politischen Reisen indes unbeantwortet. Sie sei aufgrund mehrerer Termine nicht zu erreichen, hieß es aus ihrem Wahlkreisbüro.