Lebensretter von nebenan: Michael Schick aus Lappersdorf ist im Notfall zur Stelle

Von Franziska Mahler · 9. August 2023 um 12:02

Reanimation: Bei diesem Stichwort werden nicht nur Rettungsdienst und Notarzt von der Integrierten Leitstelle alarmiert. Womöglich klingelt auch das Telefon von Michael Schick. Er ist als Mobiler Retter in Lappersdorf registriert. Für ihn ist das Ehrenamt eine Selbstverständlichkeit.

Normalerweise zeigt der 37-Jährige in der Tanzschule, die er gemeinsam mit seiner Frau führt, wie sich Hüfte und Füße beim Discofox richtig bewegen sollen. Nebenbei engagiert er sich ehrenamtlich. Das macht er schon seit er 14 Jahre alt ist, sagt er – etwa bei der Lappersdorfer Feuerwehr oder den Maltesern. Dort absolvierte er auch einen Rettungssanitäter-Kurs.

2021 wurde er Teil der Mobilen Retter. Damals war das System noch neu. Es soll eine Ergänzung zum Rettungsdienst und Notarzt sein. In der Praxis sieht das so aus: Wenn es sich um einen Notfall in Lappersdorf handelt, bei dem eine Reanimation nötig ist, wird Michael Schick oder ein anderer Ehrenamtlicher alarmiert. In der App kann er auswählen, ob er diesen Einsatz annimmt, oder nicht. Wenn ja, werden ihm genaue Daten zugesendet und er macht sich auf den Weg zum Einsatzort.

Schon etliche Einsätze gemeistert

Im Prinzip ist es „wie wenn der Nachbar klopft und um Hilfe schreit“, sagt Schick. Im Schnitt haben Mobile Retter ein bis zwei Einsätze pro Jahr. Doch bei Schick war das anders. „Ich habe bei zehn aufgehört zu zählen“, sagt er. Mittlerweile komme er innerhalb von zwei Jahren bestimmt auf zwanzig Einsätze.

Im Idealfall ist der Mobile Retter vor dem Krankenwagen vor Ort. Denn bei Reanimationen sind die ersten Minuten entscheidend, so Schick. Bis der Rettungsdienst eintrifft könnten sieben bis acht Minuten vergehen. „Das sind Minuten, die über Leben und Tod entscheiden können.“ Um Mobiler Retter zu werden brauche es fundierte Kenntnisse in der Ersten Hilfe, sagt Schick. Er betont auch, dass man nicht in Dauerbereitschaft sein muss. Zwar laufe die App durchgängig im Hintergrund, aber man kann jederzeit eine Pause eintragen. Und so häufig wie Schick werde man sicherlich nicht alarmiert, denn das Netz der Mobilen Retter ist mittlerweile deutlich gewachsen.

Michael Schick half seiner früheren Nachbarin

Derzeit gibt es mehr als 1750 Mobile Retter im Leitstellenbereich Regensburg. Bisher haben diese mehr als 430 Einsätze bewältigt, teilt das Universitätsklinikum Regensburg mit.

Im März 2023 wurde Schick zuletzt alarmiert. Er war gerade mit Büroarbeit in der Tanzschule beschäftigt. Er eilte zum Einsatzort. Die Person, die in diesem Fall Hilfe benötigte war Helga M. – seine frühere Nachbarin. Ihr Mann leistete bereits Erste Hilfe, als Schick eintraf. Er übernahm.

Als Mobiler Retter treffe man auf die verschiedensten Situationen. Mal ist es ein Fehlalarm, mal ist man zu spät, mal zum richtigen Zeitpunkt da. Manchmal erfahren die Ehrenamtlichen aber auch nicht, wie die Geschichte ausging. Aber: „Lappersdorf ist ein Dorf“, sagt Schick.

Die Rettungskette muss funktionieren

Helga M. hat überlebt – unter anderem, weil Schick schnell vor Ort war. Von der Familie kam ihm seither viel Dank entgegen. „Auf einmal ist mir ein wildfremder Mann um den Hals gefallen“, sagt Schick. Es stellte sich heraus: Es war der Patensohn von Helga M. .

Doch der 37-Jährige ist bescheiden: Es sei nicht er allein, der dafür sorgt, dass ein Mensch überlebt. Die gesamte Rettungskette müsse funktionieren. Im Fall von Helga M. hat ihr Lebensgefährte zunächst richtig reagiert, dann übernahm Schick, im Anschluss eine zweite Mobile Retterin, die alarmiert wurde, und schließlich Sanitäter sowie Ärzte.

Der 37-jährige Lappersdorfer empfiehlt jedem, der Erste Hilfe leisten kann, Teil des Netzwerks zu werden. Denn im Grunde sei es einfach nur Nachbarschaftshilfe.

Das Netzwerk der Mobilen Retter

Rettungskette: Durchs Absetzen eines Notrufs wird eine Rettungskette aktiviert. Zu ihr gehört auch das Netzwerk der Mobilen Retter. Es ist eine Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Regensburg, dem Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg, dem Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, der Sana-Klinik Cham, dem Klinikum Neumarkt, dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Regensburg, der Integrierten Leitstelle Regensburg sowie den Rettungsdiensten Bayerisches Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und dem RKT.

Landkreise: Seit Anfang Dezember 2022 gehören zum Netzwerk der Mobilen Retter neben Stadt und Landkreis Regensburg auch die Landkreise Neumarkt und Cham.