Wenn jede Minute zählt: Mobile Retter am Universitätsklinikum Regensburg geehrt

Von Sabrina Kauer · 17. Juli 2023 um 19:50

Regensburg/Cham/Neumarkt. Bis Notärzte eintreffen, vergeht oft wertvolle Zeit, die über Leben oder Tod entscheiden kann. Um in diesen Minuten eine optimale Erste Hilfe zu gewährleisten, wurde das Netzwerk der Mobilen Retter gegründet. Das Netz deckt die Regionen Regensburg, Cham und Neumarkt ab. Nun wurden einige Multiplikatoren, die über die Erste Hilfe hinaus auch zur Ausweitung des Netzwerkes tätig sind, bei einer Festveranstaltung im Universitätsklinikum Regensburg (UKR) geehrt.

Ein gemütlicher Abend auf der Couch im März 2023. Helga M. und ihr Lebensgefährte Christian P. lassen ihren Abend vor dem Fernseher ausklingen. Doch dann bemerkt der Lebensgefährte: Helga reagiert nicht mehr, in ihrem Mundwinkel hat sich Schaum gebildet.

Jetzt ist schnelles Handeln erforderlich

Ihm ist sofort klar: Jetzt muss schnell gehandelt werden. „Ich habe sofort die Notrufnummer gewählt“, sagte Christian P. bei der Festveranstaltung.

Durch das Absetzen des Notrufes wurde die Rettungskette aktiviert. Zu ihr gehört seit 2021 auch das Netzwerk der Mobilen Retter, eine Kooperation zwischen dem Universitätsklinikum Regensburg, dem Caritas-Krankenhaus St. Josef Regensburg, dem Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg, der Sana-Klinik Cham, dem Klinikum Neumarkt, dem Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Regensburg, der Integrierten Leitstelle Regensburg sowie den Rettungsdiensten Bayerisches Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und dem RKT.

Bei den Mobilen Rettern handelt es sich um Ehrenamtliche – aktuell 1759. Diese werden über eine eigene App informiert, wenn sich in ihrer Nähe ein Herz-Kreislauf-Stillstand ereignet. „Die Mobilen Retter beginnen nach wenigen Minuten mit der professionellen Wiederbelebung“, sagte Bernhard Graf, stellvertretender Ärztlicher Direktor des UKR.

„Eine Rettungskette ist nur so stark wie das schwächste Glied. Die Mobilen Retter stärken diese Rettungskette. Vor allem die ersten zehn Minuten sind entscheidend“, sagte Markus Zimmermann, Leiter der Interdisziplinären Notaufnahme des UKR.

Die durchschnittliche Eintreffzeit des Notarztes liegt laut Julian Hupf, Arzt der Interdisziplinären Notaufnahme am UKR, bei acht bis zwölf Minuten. „Die Mobilen Retter ersetzen die Rettungskette nicht, sondern sie stärken und unterstützen sie durch die Überbrückung“, sagte er.

„Als wir die Aktion vor zwei Jahren gegründet haben, wussten wir nicht, wie viel Anklang sie findet. Doch wir bekamen viel Zustimmung“, sagte Carsten Jungbauer, Arzt in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR.

Bislang wurden laut Arzt Julian Hupf durch die Mobilen Retter 437 Einsätze absolviert. Die durchschnittliche Eintreffzeit der Ehrenamtlichen liege bei vier Minuten und 35 Sekunden.

„Dass ich heute körperlich in einem so guten Zustand bin, verdanke ich meinem Lebenspartner, dem Mobilen Retter Michael, und dem Notarztteam. Ich bin dankbar für die zweite Chance im Leben“, sagte Helga M., als sie die lebensbedrohliche Situation vom 2. März 2023 bei der Festveranstaltung schilderte.

„Ich möchte die Leute animieren, das Ganze weiterzumachen. Das ist gelebte Nachbarschaftshilfe. Warum soll ich nicht helfen, wenn ich’s doch kann?“, sagte Michael Schick, der als Mobiler Retter bei Helga M. eintraf.

Der ausgebildete Rettungssanitäter ist nach eigener Aussage „schon ein Leben lang ehrenamtlich aktiv“.

Zahl der Einsätze steigt

„Als ich über die Mobilen Rettern gelesen habe, war mir sofort klar, dass ich da mitmache. Das ist eine super Sache.“ Mittlerweile sei Schick zu etwa 20 Einsätzen gerufen worden. „Bei zehn habe ich aufgehört zu zählen“, sagte er.

Als Mobiler Retter gehe man dennoch keine Verpflichtung ein. Man könne die Meldung über die App auch wegdrücken, wenn man gerade mal nicht kann, so Schick.

Regensburgs Oberbürgermeisterin, Gertrud Maltz-Schwarzfischer, Regensburgs Landrätin Tanja Schweiger, Neumarkts stellvertretender Landrat Dirk Lippmann sowie Chams stellvertretender Landrat Markus Müller würdigten die Multiplikatoren, die sich in ihrer Freizeit beispielsweise noch um Vorträge über die Mobilen Retter kümmern.

Die geehrten Multiplikatoren

Bereich Regensburg: Pamela Herrera Calderon (Regensburg); Bianca Gießamer (Regensburg); Christian Hauk (Regensburg); Johanna Koschmieder (Regensburg); Jens Kramer (Regensburg); Celina Groß (Donaustauf); Harald Richter (Regenstauf); Michael Schick (Lappersdorf); Gerd Sichert (Tegernheim); Alexander Weigert (Bad Abbach)

Bereich Neumarkt: Wolfgang Liedl (Neumarkt); Andreas Aigner (Lauterhofen); Birgit Aigner (Lauterhofen); Katharina Bayerl (Hörmannsdorf); Franz Braun (Regensburg); Markus Enzelberger (Postbauer-Heng); Rainer Göldner (Berg); Tamara Götz (Deining); Christian Käufl (Parsberg); Lukas Koller (Velburg); Sabrina Liedl (Velburg); Christian Meier (Hohenfels); Hannes Raithel (Postbauer- Heng)

Bereich Cham: Joseph Kraus (Cham); Dominik Lommer (Cham); Richard Raum (Cham); Fabian Seebauer (Cham); Florian Adam (Eschlkam); Isabell Alt (Pemfling); Michael Amann (Roding); Stefan Enderlein (Arrach); Thomas Etti (Willmering)