Die Uhus wollen den Titel bei den Alternativen Meisterschaften

Von Martina Groh-Schad · 17. Juli 2023 um 19:00

Die knallgelben T-Shirts mit der schwarzen Aufschrift „UHU“ sind schon ein wenig in die Jahre gekommen. Bei einigen Spielern sind sie inzwischen ausgeblichen und eher hellgelb. „UHU“ steht nicht für den gleichnamigen Kleber, sondern ist die Abkürzung für „unter Hundert“ und spielt auf das Alter der Sportler an.

„Gelb-schwarz sind unsere Teamfarben“, erklärt Franz Dorner, der zu den Gründungsmitgliedern der Uhus gehört. Um die Hundert vollzumachen, fehlt den meisten Spielern noch so einiges an Jahren, aber tatsächlich sind die Sportler allesamt älter als die meisten aktiven Fußballer in der Stadt. Viele sind schon seit der Gründung der Mannschaft 1997 dabei, der Altersdurchschnitt liegt heute bei 60 Jahren. 13 der 20 regelmäßigen Spieler sind über 60. Daher gehen sie davon aus, dass sie die älteste aktive Fußballtruppe der Stadt sind. „Wenn nicht sogar in Bayern“, betont Hans Fehrmann aus dem Team. Ursprünglich handelte es sich fast ausschließlich um Mitarbeiter des Jugendamts. Im Laufe der Jahre kamen Freunde dazu.

„Regen stört nicht“

Jeden Mittwoch trainieren sie auf dem Sportplatz des Albrecht Altdorfer Gymnasiums neben dem Villapark vor der Kulisse der königlichen Villa sowie dem Ostentor und treten gegeneinander an. „Trainiert wird bei jedem Wetter“, beteuert Fehrmann. „Den harten Kern stört Regen nicht.“ Im Winter weichen sie auf eine Halle aus. Ihr Motto lautet: „Just for fun ... bis ins hohe Alter!“ und der Spaß steht bei ihnen auch vor und nach dem Spiel an erster Stelle.

Der älteste Spieler im Team ist Ingo Schaumann mit 74 Jahren. Er stieß kurz nach der Gründung zur Mannschaft dazu und gibt von Alters Wegen den Ton an. „Autogramme geben wir keine“, bestimmt er und auch unangenehme Fragen zu Gerüchten rund um das Privatleben der Spieler lehnt er in Star-Manier ab. Die Dinosaurier unter dem Hobbykickern kennen ihren Wert oder besser, sie wissen ihn zu steigern.

Am 23. Juli bei der Regensburger Alternativen Meisterschaft der Bunten Liga e. V. treten sie zum vierten Mal auf der Bezirkssportanlage am Weinweg gegen andere Freizeitspieler an. Es ist das 25. Turnier seiner Art in der Stadt. Gewonnen haben sie bisher noch nie, aber diesmal sind sie zuversichtlich. „Wir holen den Sieg“, beteuern sie. Doch jetzt steht erst einmal das Training an.

Nach und nach trödeln alle Spieler auf dem Sportgelände ein und Scherz auf Scherz statt Pässe fliegen zwischen den Sportlern hin und her. Körperliche Gebrechen hätten sie inzwischen alle, räumen sie ein, aber darüber wird geschwiegen. Die Spielzeit von 90 Minuten sei in jedem Fall kein Problem, lassen sie wissen und verraten ihre Taktik: „Wir spielen mehr mit den Augen als andere“, sagt Roland Kollert, der ebenfalls zu den Gründungsmitgliedern gehört. „Dadurch sparen wir uns viel Gerenne und gehen körperlichen Konfrontationen mit Verletzungsrisiko aus dem Weg.“

Am Anfang jeder Trainingseinheit müssen die Teams eingeteilt werden. Dabei verfahren die Uhus ganz oldschool, es wird abwechselnd jeweils einer der Spieler ausgewählt. „Es bleiben immer die Gleichen bis zum Schluss übrig“, murrt ein Betroffener. „Ich bin es gewöhnt.“

Dann startet das Training, das Leder fliegt über den Platz. Dass der Ball ein bisschen weicher ist als der normale Fußball, ist für Zuschauer nicht ersichtlich. Genauso wenig, dass es sich um Sportler 60 plus handelt, die über den Platz flitzen.

„Ihr seid noch zu jung“

Einigen jungen Männern, die vorbeigehen und fragen, ob sie mitspielen dürfen, erteilen sie eine Abfuhr. „Ihr seid noch zu jung“, wird entschieden und überhaupt sei das hier ja ein Trainingsspiel. Ob ihr Eifer zum Sieg beim Turnier am kommenden Wochenende reichen wird, bleibt abzuwarten.