Mitten in Regensburg: Eigentümergemeinschaft schafft Blumenwiese für mehr Artenvielfalt

Eine naturbelassene Blumenwiese, die dazu beiträgt, die Lücke im Ökosystem zu schließen: Siegfried Schäffl zeigt, wie es geht und warum die Bienenweide so wichtig ist.
Hummeln fliegen von Blüte zu Blüte. Rote und pinke Mohnblumen, weißen Gänsefüße und Schleifenblumen blühen. Es ist ein warmer, sonniger Vormittag. Die Wiese ist immer noch nass vom Unwetter der vorherigen Nacht. „Das Gewitter gestern war der Härtetest, aber die Blumen haben den Sturm gut weggesteckt“, sagt Siegfried Schäffl. Er blickt von seinem Balkon aus auf die 350 Quadratmeter große Blumenwiese unter ihm.
Gegen Insektenschwund
Diese Wiese hat er Anfang des Jahres zusammen mit der Eigentümergemeinschaft aus der Siedlung und einem Gärtner angelegt. Hier haben sie einen Lebensraum für Insekten und Vögel erschaffen.Sogar Feldhasen waren schon da.Die naturbelassene Blumenwiese soll dazu beitragen, die Lücke im Ökosystem zu schließen: „Es braucht eine widerstandsfähige Artenvielfalt, die die Chance hat, selber zu überleben“, sagt Schäffl.
Er zeigt auf die gegenüberliegende Dachrinne. Dort haben früher Schwalben ihre Nester gebaut. Dann wurde eine Wärmedämmerung angebracht und die Schwalben vertrieben. Für ihn nur eines vieler Beispiele: „Wir vernichten die Lebensräume für die Tiere und haben diese Zusammenhänge in den letzten Jahrzehnten wirklich vernachlässigt.“ Auf dem Weg vom Balkon in den Vorgarten zeigt er auf den trockenen, braunen Boden abseits der bunten Blumenwiese, „sterile Parklandschaft.“ Zwar leben hier auch Pflanzen- und Tierarten, aber erheblich weniger als in der blühenden Wiese.
Der 63-Jährige hat jahrelang im technischen Umweltschutz gearbeitet.Zusammen mit seiner Frau wohnt er seit 30 Jahren in einer Reihenhaussiedlung im Westen der Stadt. Die Schäffls sind Teil der Eigentümergemeinschaft: Die 16 Mitglieder kümmern sich gemeinsam um anfallende Arbeiten, wie Reparaturen der Fassade oder dem Dach. Als Schäffl vorschlug, gemeinsam eine Bienenweide aus dem Vorgarten zu machen, waren die Nachbarn und der Gärtner der Siedlung anfangs skeptisch, ließen sich dann jedoch überzeigen. Die Skepsis hielt auch nach Beginn des Projekts an.„In den ersten Wochen schaut es ja auch aus wie eine Wüste“, sagt er. Jetzt wo alles blüht sind die Nachbarn jedoch begeistert, und „voll des Lobes.“Auch Passanten bleiben laut Schäffl öfter stehen und erkundigen sich nach der bunten Wiese.
Ein gelungenes Projekt
Im Mai diesen Jahres hat Schäffl mit dem Gärtner und Nachbarn die Samen für die Blumenwiese ausgesät – ein Saatgutmischung für endemische, hiesige Pflanzen. Zuvor hauten sie die Grasnarbe mit einem Drechsler heraus. Anschließend gruben sie den Boden 20 Zentimeter tief um und entfernten den Wurzelbestand. Damit die Pflanzen optimal auf magerem, nährstoffarmen Boden wachsen, mischte Schäffl eine dünne Humusschicht mit Sand. Die Samen drückte er in den Boden, damit sie die Vögel nicht aufpicken konnten.
Im Idealfall möchte er die Blumenwiese nur einmal im September mit einer Sense kürzen – der Boden wird dadurch weniger stark belastet und verdichtet nicht. Aktuell kümmert er sich täglich zwei Stunden um den Garten. Er hat drei Wassersprenkler aufgestellt, die übrige Fläche gießt er per Hand. „Es macht viel Spaß“, sagt er. „Und wir erfahren große Zustimmung und Freude an diesem gelungenen Projekt.“