Mehr Wassersparen geht nicht: Schwandorfer trotzdem nicht zufrieden

Beim Wassersparen lässt sich Armin Eckert (69) so leicht von nichts und niemandem übertreffen. Auf seinem 1500 Quadratmeter großen Grundstück in Kronstetten fängt er den Regen in Behältern auf, die zusammen 12,5 Kubikmeter fassen. Das sind 12500 Liter oder fast 70Badewannen, bis zum Rand gefüllt.
Zwei Zisternen mit zusammen acht Kubikmetern decken den Löwenanteil ab. Sie waren schon im Gartenboden eingelassen, als Eckert das Anwesen vor ein paar Jahren erworben hat. Große Plastikkanister im Keller fassen drei weitere Kubikmeter, und die Regentonnen rund ums Haus bringen es nochmals auf die Hälfte.
Mit den Niederschlägen, die er in seinen vielen Behältern sammelt, gießt der ehemalige Ingenieur für Verfahrenstechnik den Garten. Meist reicht der Regen dafür aus. „Nur in der Dürreperiode im Juni musste ich mit Leitungswasser aushelfen“, erzählt er. Soweit, so gut, sagt Eckert. Wenn nur die Stadt seine Anstrengungen auch honorieren würde. Das tue sie aber nicht, wie der 69-Jährige beklagt. Denn gebührentechnisch wird er behandelt wie jeder Bürger, der das Wasser von oben gar nicht nutzt. Das summiere sich auf 250 Euro im Jahr, hat Eckert ausgerechnet.
Die städtische Regelung ist kompliziert
Aber rechnet er auch richtig? Grundlage für die Kostenbemessung ist die Schwandorfer Entwässerungssatzung mit ihrem zugehörigen Gebührenteil. In der Satzung ist, wie üblich, ein zweiteiliges Verfahren festgelegt. Die Abwassergebühren errechnen sich zum einen aus dem Teil an Wasser, der im Gebäude selbst anfällt – beim Kochen, unter der Dusche oder in der Toilette. Irgendwann landet dieses Schmutzwasser in der Kanalisation und wird damit auch gebührenpflichtig – entsprechend der Geschossfläche.
Gebührenbestandteil Nummer zwei hängt von der vorhandenen Grundstücksgröße ab – und davon, wie sehr dieses bebaut ist. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass das Niederschlagswasser nicht komplett im Boden versickert, sondern wenigstens teilweise über Hausdächer oder andere versiegelte Flächen ebenfalls in der Kanalisation landet.
Und jetzt wird es erst richtig kompliziert: Um nicht jedes Anwesen einzeln betrachten zu müssen, hat die Stadt Schwandorf für Ortsteile oder bestimmte Quartiere Durchschnittsgrößen festgelegt, die das übliche Verhältnis von Bebauung und Grundstücksfläche abbilden – die sogenannten Gebietsabflussbeiwerte. Auch sie gehen beim Niederschlagswasser in die Berechnung der Abwassergebühr ein.
Die ist für Armin Eckert auch der springende Punkt. Denn weil er nach eigener Darstellung sämtliche Dachflächen in seine Behälter entwässert und das Wasser anschließend im Boden versickern lässt, dürften nach seiner Auffassung keine zusätzlichen Kosten für das Niederschlagswasser anfallen. Ähnlich handhabt es die Stadt bei Gartlern, die über einen Gartenwasserzähler verfügen. Das Leitungswasser, mit dem sie ihr Gemüse gießen, müssen sie zwar bezahlen, doch für die Entwässerung fällt keine Gebühr an, weil das kostbare Nass ja im Boden versickert. Eine solche Regelung, argumentiert der 69-Jährige, müsste doch auch für ihn gelten.
Die Stadt sieht es anders, hat der Hausbesitzer im Kontakt mit der Verwaltung erfahren. Zwar hat Eckert Fotos von seinem Leitungssystem vorgelegt, doch die reichen offiziell nicht aus. Aus den Bildern sei „nicht ersichtlich, wohin das Wasser läuft, wenn die Behälter voll sind“, heißt es in einer E-Mail an den Kronstettener. Und: Es müsse „sichergestellt sein, dass die Versickerungsanlage ganzjährig funktioniert und keine Notüberläufe etc. zum Kanalnetz bestehen“. Im Winter, so die Verwaltung, sei eine Versickerung auf dem Rasen wegen des gefrorenen Bodens aber nicht möglich.
Schwandorfs Pressesprecherin Maria Schuierer ergänzt diese Darstellung auf Anfrage. Vom Niederschlagswasseranteil könne man nur befreit werden, „wenn technische Vorrichtungen getroffen wurden, die das Einleiten von Niederschlagswasser in den Kanal unmöglich machen. Der Einbau von Dichtungen, die jederzeit wieder entfernt werden könnten, reicht nicht aus“.
Eckert sieht „guten Willen“ ausgebremst
Für Armin Eckert ist das alles unbefriedigend. „Zuletzt läuft es darauf hinaus, dass ich mir auch noch eine Rigole anschaffen muss, für ein paar tausend Euro. Aber das ist mir nun wirklich zu teuer“, kritisiert er. Eine Rigole ist ein Pufferspeicher für Regenwasser, der für eine langsame Versickerung sorgt. Und dass in der kalten Jahreszeit eine Versickerung nicht möglich sei, hält er angesichts der regnerischen und milden Winter für eine Mär.
Der Kronstettener sieht seine Bemühungen durch die Stadt nicht ausreichend gewürdigt. „Der gute Wille der Bürger, Trinkwasser zu sparen, wird dadurch zunichte gemacht“, sagt er. Und überlegt, ob er die Schwandorfer Entwässerungssatzung und seinen Gebührenbescheid nicht einmal gerichtlich überprüfen lassen sollte.
