Sogar die Felswand ist beim Theater im Marchinger Steinbruch ein Fake

Von Jochen Dannenberg · 10. August 2023 um 11:00

Die Premiere des Theaterstücks zum Stadtjubiläum hat es gezeigt: Neustadt a.d. Donau ist eine „Stadt der Seligen“. Für den Erfolg des Theaterstücks sorgten nicht nur ein gutes Drehbuch, eine perfekte Inszenierung und wunderbare Schauspieler. Zum Erfolg trug noch etwas anderes bei.

Auch das Bühnenbild war wichtig für den erfolg beim Publikum. Thomas „Tom“ Beringer hat es mit Regisseurin und Drehbuchautorin Steffi Kammermeier entworfen. Ein halbes Dutzend Helfer stand dem Schreinermeister zur Seite und so entwickelte sich innerhalb von vier Monaten ein Bühnenbild, das auf den ersten Blick nicht erkennen lässt, was Kulisse und was echt ist im Marchinger Steinbruch.

Es sind nicht nur Hütten und eine Wirtshausszene entstanden. Damit alles stimmig wirkt, wurden allerhand Gerätschaften zusammen getragen. Tische, Bänke, Fässer und Krüge sind zu sehen. Auch ein alter Leiterwagen ist aufgefahren worden. Doch Tom Beringer hat sich noch mehr einfallen lassen.

Wie beim Film

In der Felswand wurde eine Statue versteckt, die zwar täuschend echt und wie aus Naturstein aussieht, bei der es sich in Wirklichkeit aber um ein bisschen Holz und Styrodur handelt. Dieses Material, das dem bekannten Styropor ähnlich ist, wurde gesägt, geschliffen und bemalt, weshalb es jetzt ausschaut, wie wenn ein Steinmetz wochenlang daran gearbeitet hätte. Die Illusion ist perfekt.

Auch an anderen Stellen hat Beringer, der einst auch für die Schwoagara Dorfbühne gearbeitet hat, sein Geschick eingesetzt, um einen Ort zu schaffen, den es zwar so gegeben haben könnte, der aber tatsächlich nur Kulisse ist. Es ist wie im Film: Man sieht eine Fassade und dahinter ist nichts außer einem Gerüst aus Holzlatten, sägerau und mit Schrauben aus dem Baumarkt zusammengefügt, dass die Fassade trägt.

Tom Beringer hat diese Illusion auf die Spitze getrieben, als er die Felswand des alten Steinbruchs imitierte. Was in der „Stadt der Seligen“ wie Fels aussieht, ist in Wirklichkeit eine Tapete. Wobei die Imitation so echt wirkt, dass man sie auf mehrere Meter nicht mehr als solche erkennt, denn es handelt sich um eine Fototapete, die nach dem Originalfels angefertigt wurde. Wofür das erforderlich war, wird hier jedoch nicht verraten.

„Eine Herausforderung“, sagt Tom Beringer, „war der Umstand, dass für die zweite Szene ein Bühnenbild benötigt wurde, das zwar die erste Szene wiedererkennen lässt, aber doch etwas Neues zeigt.“ Die Lösung war ein Baukastensystem: In der Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Akt werden Fassadenteile der Häuser auf der Bühne im Steinbruch ausgewechselt. Nach wenigen Minuten sieht alles, was kurz zuvor noch schäbig aussah, wie frisch saniert aus.

„Das Bühnenbild muss stimmig sein“, sagt Tom Beringer. „Die Details machen es aus.“ Und so kann es passieren, dass noch am Nachmittag vor den Aufführungen irgendwas verbessert wird. Auf diese Weise ist auch die entscheidende Urkunde zur Stadtgründung noch um einige äußerst amtlich wirkende Siegel ergänz worden.

Viele Helfer im Einsatz

Was den Erfolg des Theaterstücks beim Publikum anlangt, geht es nicht nur um das Bühnenbild. Es sind viele Helfer erforderlich. Auch die Kostüme müssen passen. Da hatte die Theatertruppe sogar ziemlich viel Glück. Nachdem nämlich ein Vertrag mit einem Kostümverleiher aus der Region kurzfristig platzte, wurde Maria Schweiger im Harz fündig. Dort veräußerte ein Verleiher seine Bestände.

Maria Schweiger fuhr hin, kaufte 70 Gewänder und hatte anschließend wochenlang kaum noch einen freien Abend, denn sie musste viele Kostüme anpassen. Erst kurz vor der Premiere passte auch das letzte Gewand.

Es gibt auch „Echtes“ auf der Bühne wie zum Beispiel diesen alten Wagen. Foto: Dannenberg
Auch das ist keine Steinmetzarbeit. Foto: Dannenberg
Nachgeahmtes Mauerwerk mit täuschend echter Abplatzung Foto: Dannenberg
Türfassungen aus Stein? Echtes Styrodur aus dem Baumarkt, handbemalt Foto: Dannenberg