Senioren leben mit einer Baustelle – Altbau des Altenheims wird abgebrochen

Von Jochen Dannenberg · 8. August 2023 um 19:00

Ein Teil der Neustädter Geschichte verschwindet gerade unter den Klauen eines Abrissbaggers. Der Anbau des Altenheims St. Josef, das frühere Neustädter Krankenhaus, wird abgerissen.

Über hundert Jahre, von 1872 bis 1982, hatte die Stadt ihr eigenes Krankenhaus. 22 Betten hatte die Klinik anfangs, am Ende waren es 30. Als das Krankenhaus 1982 geschlossen wurde, hatte das vor allem zwei Gründe: Einerseits sparte sich die Stadt die Kosten für den Betrieb, andererseits hatten die Mallersdorfer Schwestern, die das Personal für die Betreuung der Patienten stellten, zu wenig Nachwuchs und mit weltlichen Kräften wäre der Betrieb noch teurer geworden, schreibt Josef Scheugenpflug in seiner Neustadt-Chronik.

Die Tage des ehemaligen Krankenhauses sind gezählt. Der Abbruch des früheren Krankenhauses, das nach der Aufgabe des Klinikbetriebes vom Altenheim St. Josef übernommen wurde, wird vermutlich bis Ende August erledigt sein. An die Klinik erinnert dann nur noch ein Straßenname – Krankenhausstraße.

Platz für den Umbau

Der Abbruch soll Platz schaffen für den Umbau des Seniorenheims. An dem Projekt wurde seit vielen Jahren geplant. „Der ehemalige Krankenhaustrakt war in einem baulich nicht mehr so guten Zustand“, verdeutlichte Maximilian Meiler, Geschäftsführer des Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerks in Regensburg, im Gespräch mit dieser Zeitung.

Das Unternehmen ist Immobilienverwalter und Baubetreuer im Bistum Regensburg und damit zuständig für kirchliche Bauvorhaben. Nachdem das Altenheim St. Josef vor zwei Jahren in die Trägerschaft der Caritas wechselte, gehört das Altenheim zu den Aufgaben des Katholische Wohnungsbau- und Siedlungswerks.

Der Neubau soll dort entstehen, wo sich gegenwärtig noch der alte Krankenhaustrakt befindet. Das Gebäude soll über zwei Stockwerke verfügen. Damit könnte auch die Zahl der Betten steigen. Zuletzt waren es 63, künftig könnten es 80 sein.

Für die Bewohner der Einrichtung ist das Bauvorhaben, das voraussichtlich zweieinhalb Jahre dauern wird, eine Veränderung ihres gewohnten Alltags. Veronika Raith, Einrichtungsleiterin des Caritas Alten- und Pflegeheims St. Josef, sagt: „Das Leben auf einer ‘Baustelle‘ ist für unsere Bewohner eine schrittweise Umstellung. Die Baumaßnahme zieht sich über mehrere Bauabschnitte, wodurch nicht immer dieselben Bereiche betroffen sind. Wir versuchen die Einschränkungen für alle so gering wie möglich zu halten, sowohl für Bewohnerinnen und Bewohner, Besucherinnen und Besucher als auch für Mitarbeitende.“

Tagesablauf geändert

Um die Bewohner langsam an die Veränderung zu gewöhnen, wurden vorab einige Änderungen im Tagesablauf eingeführt. „So finden die Gemeinschaftsaktivitäten und das Mittagessen im großen Speisesaal im Erdgeschoss statt. Das Betreuungsangebot wurde angeglichen, Spaziergänge, Ausflüge und regelmäßige Highlights wurden organisiert wie den regelmäßigen Besuch der Klinikclowns oder Projekte mit den Ferienkindern der Stadt“, zählt Einrichtungsleiterin Veronika Raith auf. „Von den Bewohnern wird das rege Treiben auf der Baustelle mit großem Interesse verfolgt. Vor allem die über Wochen andauernden Abrissarbeiten werden täglich beobachtet.“

Auch die Reduzierung der Zahl der Bewohner gehörte zu den Veränderung im Seniorenheim. „Aktuell wohnen 41 Bewohner in der Einrichtung. Mit Hinblick auf den Baubeginn wurde die Belegung reduziert bzw. Bewohner zur Kurzzeitpflege für die Dauer von circa 14 Tagen aufgenommen“, sagt die Leiterin des St. Josef. „Die aktuelle Belegung der Zimmer bleibt wie zuvor, hier ergeben sich keine Änderungen.“

Der Abbruch betrifft auch den Kraftverkehr in der Krankenhausstraße. Foto: Dannenberg
Ein Teil der Grünanlage des Altenheims ist gesperrt. Foto: Dannenberg