Bei schlechtem Wetter oder im Urlaub: Die Büchersaison ist jetzt in vollem Gange

Von Friederike Klett · 8. August 2023 um 16:00

Am Strand, in den Bergen oder daheim: Im Sommer haben viele wieder Zeit; ein Buch zu lesen. Dafür gibt es einige Empfehlungen, verschiedene Ansprüche und ein riesiges Angebot. Um einen Überblick zu bewahren, geben diejenigen Tipps, die die Lesegewohnheiten der Chamer am besten kennen.

Anna Meyer ist die Tochter der Buchhändlerin Evi Beer und hilft manchmal im familiengeführten Laden aus. Sie weiß genau, was sich die Menschen gerade wünschen und hat auch einige Empfehlungen für jede Situation parat, mit der die Kunden zu ihr kommen.

Der Roman „Going Zero“ von Anthony McCarten handelt von einer neuen Welt, mit viel weiter entwickelten Technologien; als wir sie kennen. Im Zentrum stehen zehn Personen, die die Aufgabe haben, 30Tage lang unauffindbar zu bleiben. Das Buch sei zwar spannend, zeichne aber keinesfalls bloß eine düstere Welt, sagt Meyer. Deshalb sei es auch perfekt für verregnete Sommertage.

„Bei schlechtem Wetter ist bei uns das Haus immer voll“, sagt die Leiterin der Stadtbibliothek in Cham, Evelyn Fellner. „Vor allem Familien lesen hier dann zusammen, und andere trinken auch einen Kaffee und lesen ein Magazin. Es gibt keinen Druck dazu, etwas auszuleihen.“

Doch besonders der Sommer ist Lesezeit, ist sich auch Veronika Volkner sicher. Die Filialleiterin der Buchhandlung Rupprecht in Cham hätte viele Kunden, die nach thematisch passenden Büchern für ihr Reiseziel suchten. „Viele wollen einen Krimi lesen, der in der Region spielt, in die sie fahren, aber manche verlängern dadurch auch ihren Urlaub noch etwas.“

Die Deutschen haben ein klares Lieblingsgenre

Auch Anna Mayer hat einige Titel für den Strand parat. Mit einer Buchreihe von Monika Peetz kämen Urlauber auf ihre Kosten, die nach leichterer Kost suchten. Drei Bücher sind unter dem Namen „Sommerschwestern“ bereits erschienen, die an der Küste der Niederlande spielen und eine Familiengeschichte mit einigen Wirrungen erzählen.

In der Stadtbibliothek zeichnet sich das Lieblingsgenre der Chamer deutlich ab: die Kriminalromane. Besonders Kunden, die in den Urlaub fahren, nehmen dann gern den Kommissar des jeweiligen Urlaubsortes mit. Den Wunsch kennt auch Meyer: „Ich kann das auch gut verstehen. Wenn man zum Beispiel in Florenz ist, kann man die Straßen und Orte aus dem Buch besuchen.“

„Bei uns sind im Moment 305 Kriminalromane ausgeliehen“, so Fellner. Gewisse Bücher brauche man auch gar nicht mehr bewerben, weil sie Selbstläufer seien. „Der aktuelle Jojo Moyes ist gerade zurückgebracht worden, wird aber in zwei Stunden sicherlich wieder weg sein.“

Das totgesagte Buch ist noch immer beliebt

Generell hat sie das Gefühl, dass die Menschen wieder mehr lesen. Veronika Volkner kann das bestätigen: Das so oft totgesagte Buch ist weiterhin in vielen Kreisen beliebt.

Worin sich alle drei Fachfrauen einig sind: In der Ferienzeit ist die Kinderabteilung immer gut besucht. Das zeigt auch die Urlaubsvorbereitung von der Bibliotheksbesucherin Tabea Schedlbauer. „Mein Sohn liest sogar nachts“, erzählt sie beim Aussuchen der neuen Bücher für den zehnjährigen Martin. Er geht regelmäßig in die Bibliothek und liest besonders „Harry Potter“ und „Gregs Tagebuch“ gern. „Für den Urlaub darf er sich heute mehr ausleihen als sonst“, erklärt seine Mutter die großen Stapel neben ihr.

Alte Geschichten in neuem Gewand sind für Kinder wieder beliebt

Bei Kinderbüchern sind auch die älteren Geschichten wieder modern, wie Anna Meyer aus der Buchhandlung Beer berichtet. Besonders gefragt ist eine neue Version der Geschichten über den Räuber Hotzenplotz. „Worte wie ‘sapperlot’ finden die Kinder einfach lustig. Und die Geschichten sind auch zeitlos“, erklärt sie.

Doch auch Sachbücher können den Urlaub bereichern, wie die Leseempfehlung von Susanne Fischer-Müller aus der Stadtbibliothek zeigt. In „Salzpfade“ beschreibt der Autor Raynor Winn, wie er sein Vermögen und sein Zuhause verloren hat. Seine Frau und er packen deshalb ihre Rucksäcke und wandern an der britischen Küste entlang. So entdecken sie die Schattenseiten wie auch die Schönheit an einem Leben in der Natur.

Veronika Vollkner aus der Rupprecht-Buchhandlung erreicht auch die junge Generation immer besser. Auf der App TikTok werden viele Buchtipps ausgetauscht, die mitunter weltweit junge Leser erreichen. „Wir versuchen die Bücher, die dort viel besprochen werden, immer auf Halde zu haben und mit Plakaten zu bewerben“, so Volkner. So könnten die Leute gleich sehen, dass dort die sogenannten Book-Tok-Trends erhältlich sind.

Veronika Volkner berät ihre Kunden für deren Urlaube.