Physiotherapeut aus Rötz war mit dem Rad auf dem Ätna – und hat die Alpen überquert

Von Mittelbayerische Zeitung · 7. August 2023 um 15:00

Vor wenigen Wochen ist Markus Fleischmann von seiner fünften Alpenüberquerung per Mountainbike zurückgekommen. Wenn er Videos davon zeigt – zum Teil mit der Helmkamera aufgenommen, wird einem allein vom Zusehen schwindelig.

Das liegt an den Geschwindigkeiten downhill von bis zu 50 km/h, der Weg über Wurzeln und Steine, der Abgrund oft nur Zentimeter entfernt.

Am 1. Juli hatte der 46-Jährige, der in Rötz eine Physiotherapiepraxis führt, sich mit einer 16-köpfigen Gruppe auf den Weg Richtung Österreich gemacht. Die Routen waren bei jedem der fünf Male Alpencross ein wenig anders: „Meist starten wir nach der ersten großen Hügelkette. Der Alpenhauptkamm ist immer dabei.“ Das Schwierigkeits-Level der sechstägigen Tour, trotz vieler steiler Schotterstrecken: „Für mich nicht ‘dramatisch‘.“ Die Highlights seien natürlich die schwierigen Abschnitte.

Blick auf die Drei Zinnen

Der Startpunkt war in Steinach am Brenner, nördlich des Hauptkamms, der am ersten Tag überquert wurde. Nach einer Übernachtung in Brixen ging es weiter über Sankt Martin in Thurn, über den 2562 Meter hohen Berg Plose nach Gries am Brenner und von dort aus weiter ins Pustertal, von San Vigilio nach Bruneck und, mit einem Zwischenstopp am Pragser Wildsee, nach Toblach.

Und später nach Sexten, von wo aus man einen Blick auf die Drei Zinnen hatte, das Wahrzeichen der Dolomiten. Die Route, die durch viele kleine Dörfer und den Naturpark Fanes-Sennes-Prags in den Zentral-Dolomiten führt, belohnt mit phänomenalen Ausblicken. Auch Kühe und Murmeltiere bekommen die Mountainbiker oft zu sehen, ebenso wie Befestigungsanlagen aus dem ersten Weltkrieg.

Vorbereitung auf die Tour

Gefahren wird von halb neun Uhr morgens bis halb fünf nachmittags mit Pausen in der ein oder anderen Alm-Hütte. Der Veranstalter gibt vorab eine Packliste aus: Ohne Funktions- und Regenkleidung, Rückenprotektor, Helm, Handschuhe, Werk- und Flickzeug, Ersatzschlauch und Kettenschloss würde es auch keinen Sinn machen, mitzufahren. „In den Bergen gibt es weder ein Geschäft für Radzubehör noch einen Taxistand.“

Auch sich selbst muss man auf so eine Tour, die mit der Überwindung von 1100 Höhenmetern am Tag und einer Länge von insgesamt knapp 60 Kilometern durchaus Kraft kostet, vorbereiten, sagt der Physiotherapeut. „Alles andere wäre eine Dummheit.“ Im Winter radelt er daheim auf dem Rollentrainer insgesamt um die 1500 Kilometer, dann geht es raus, im März zum Beispiel nach Mallorca zum Rennrad-Fahren. Daheim, nahe Cham, wird am Arber, am Geißkopf und dem Spicak in Tschechien („Der ist Hardcore und nichts für Anfänger!“) trainiert. Auch der Gardasee ist ein beliebtes Ziel. Übrigens seien beim Alpencross wie immer alle Teilnehmer, von denen der älteste 71 Jahre war, nicht mit einem E-Bike gefahren, erzählt Fleischmann. Obwohl der Körper am Ende der Woche förmlich nach Erholung schreie, bezeichnet er die Tour immer noch als „Urlaub“.

Ebenso wie die sechs Tage auf dem Ätna, für die er letztes Jahr nach Sizilien gereist war. „Das war bisher die größte Herausforderung und noch mal eine ganz andere Hausnummer.“ Dort war Fleischmann mit einer anderen Gruppe auf bis zu 3250 Meter unterwegs, wo die Luft schon verhältnismäßig dünn ist. Und dann war da die Vulkanasche auf dem Grund, bei der man sich fühlt, „als würde man zum ersten Mal Rad fahren, weil die Reifen wegrutschen. Aber mit etwas Übung machen die Abfahrten dann Spaß“. Vorne lenken sei hier unmöglich.

Außerdem geht es oft ganz nah an Krater-Ränder heran, die auf der Innenseite sehr steil abfallen. Besonders Acht geben muss man auf das Vulkangestein, zwischen dem man hindurch manövrieren muss, sonst kommt man zum Sturz. Und dann gibt es noch die Spalten im Boden, aus denen es zischt und dampft. Einmal habe der aktive Vulkan auch „ziemlich gerumst“, erinnert sich Fleischmann. Ab 2800 Höhenmetern dürfe man deshalb nur noch mit einheimischem Guide auf den Ätna. Man habe diesem durchaus angemerkt, dass das Grummeln im Vulkan nicht ganz im Rahmen des Üblichen gewesen sei, aber nach wenigen Minuten habe Entwarnung gegeben werden können.

Auf dem zerklüfteten Boden sieht man neben dem gelblichen, schwefelhaltigen Belag und vielen bizarren Formationen, die durch die Vulkanausbrüche entstanden sind, auch eigentümliche Dornengewächse, die bei einem Sturz empfindliche Schmerzen zufügen können. Weiter unten am Berg sieht die Vegetation dagegen fast so ähnlich wie bei uns aus und am Fuß des Berges subtropisch – während oben das Klima hochalpin ist.

Pläne für die nächsten Jahre

Die letzten Meter mussten die erfahrenen Mountainbiker hier wie alle anderen zu Fuß zurücklegen, diese wären nicht befahrbar gewesen. Und am letzten Tag folgte das Highlight: eine lange Abfahrt, von ganz oben bis nach unten, bis zum Meer.

Auch Pläne für die nächsten Jahre hat Fleischmann schon: Die französischen Pyrenäen, die Julischen Alpen und die Hohe Tatra in Slowenien, die polnisch-tschechischen Beskiden und die Liparischen Inseln nördlich von Sizilien will er noch mit dem Mountainbike erkunden.

Nur zum höchsten Punkt auf der Alpentour, dem Kronplatz auf knapp 2300 Meter, ging es mit der Seilbahn – aber natürlich nicht ohne Mountainbike. Mit dem ging es dann downhill über den Furkelpass. Fotos: Markus Fleischmann
Bergab sitzt der Mountainbiker oft nicht auf dem Rad, sondern fährt im Stehen.
Am 1. Juli machte sich die 15-köpfige Gruppe plus Guide auf den Weg, organisiert über einen Veranstalter aus München.
Markus Fleischmann ist vor kurzem von seiner fünften Alpenüberquerung per Mountainbike zurückgekommen.