Mit dem Ranger auf den Rötzer Hausberg: Abenteuer im Naturwaldreservat Schwarzwihrberg

Letztes Jahr war Christian Pregler im Rahmen der Rötzer Ferienfreizeit mit den Kindern an der Schwarzach. Heuer ging es mit dem Ranger vom Naturpark Oberer Bayerischer Wald auf den Rötzer Hausberg. Das Naturwaldreservat Schwarzwihrberg ist Teil des FFH-Gebiets (Fauna-Flora-Habitat) „Schwarzwihrberg bei Rötz“. Die 26 Hektar große Fläche wurde im Jahr 1978 als eines der ersten Naturwaldreservate in Bayern ausgewiesen.
Beim Wanderparkplatz ging es los: Dort wurden den Kindern die Felle verschiedener Tierarten vorgestellt, bevor es über den Schützsteig Richtung Gipfel ging.
Fleißig wie die Ameisen
Ob die Kinder wissen, was eine Ameise frisst? Ja: Neben Raupen, Käfern und anderen Insekten auch sehr gern Zucker. „Und sie machen auch eine Art ‘Viehwirtschaft‘“, erklärte Pregler. Denn die Blattläuse, die es auch im Wald gibt, sind wie „Kühe“ für die Ameisen. Sie sammeln den Honigtau, den die Blattläuse zuvor als Saft aus den Bäumen gesaugt und dann wieder ausgeschieden haben.
Die erste Aufgabe: Die Kinder sollen so fleißig wie die Ameisen sein, Fichtenzapfen sammeln und auf einen Haufen stapeln. Und dann gibt es ein Wettlauf in zwei Gruppen, wer die meisten für sein Team einsammelt. Als Nächstes folgt ein Quiz, bei dem sich zeigt, wie gut die Kinder sich mit Waldbäumen wie Tanne, Fichte, Kiefer, Lärche oder Douglasie auskennen.
Galläpfel und Zunderpilze
Später erklärt der Naturpark-Ranger, was es mit den Galläpfeln auf den Buchenblättern auf sich hat: Darin wächst die Raupe der Buchen-Gallmücke heran, die trotz ihres Namens übrigens nicht sticht. Auch auf Eichenblättern findet man Galläpfel. Die kleinen runden Knubbel auf den Blättern werden von den Kindern besonders interessiert unter die Lupe genommen. „Früher machten die Menschen Tinte aus den Galläpfeln auf den Eichenblättern“, weiß Pregler. Auch was es mit dem Zunderschwamm, einem Baumpilz, auf sich hat, erklärt er den Kindern: „Diese wurden früher zum Anzünden verwendet, daher auch der Name.“ Aber auch Pilzleder sei daraus gefertigt worden.
Zwischendurch finden einige der Kinder ein paar Haare. „Wahrscheinlich von einem Hund“, vermutet der Naturpark-Ranger. „Aber vielleicht könnten sie auch von einem Luchs stammen.“ Angekommen auf dem Berg, wird erst einmal Brotzeit gemacht. Dann folgt das Highlight für die Kinder, die in zwei Gruppen aufgeteilt werden: Einige sind Rehe, bekommen die Augen verbunden und eine Wasserpistole zur Abwehr der „Luchse“. Diese versuchen, sich lautlos anzuschleichen, ohne bemerkt und vom Wasserstrahl getroffen zu werden. Als es über den Hauptweg, den Bierweg, wieder hinunter geht, sieht man ein paar Ulmen, die in vielen Waldgebieten nicht mehr vorkommen, und auch Linden und Spitzahorn trifft man hier an. „Baumarten, die sonst nicht konkurrenzfähig wären, können sich hier, entlang der relativ steilen Stecke, durchsetzen.“ Den Bergahorn findet man vor allem entlang des Schützsteigs. Und auch viele Farne wachsen am Wegrand.
Das Naturwaldreservat bietet aufgrund der standörtlichen Vielfalt ein Mosaik an Waldgesellschaften. Der Eschen-Bergahorn-Block- und Steinschuttwald mit seinen vielen Felsen biete den Lebensraum für eine außergewöhnliche Artenzusammensetzung bei Flora und Fauna, erklärt Pregler. Vom umfangreichen Totholzangebot profitieren zum Beispiel seltene Käferarten wie der Kräftige Hirschwalzenkäfer. Eine Besonderheit ist das Vorkommen von Alpenwindelschnecke und Alpenwegschnecke, die beide ihren Verbreitungsschwerpunkt in den Alpen haben.
Diese Arten sind auf das Vorkommen von Kalk angewiesen, der damals beim Burgbau im Mörtel enthalten gewesen sei, so der Naturpark-Ranger. Wenn dieser bei Regen ausgewaschen werde, würden die Schnecken davon profitieren.


