260 Sorten stehen im Garten in Strahlfeld: Wo Joes Tomatenträume wachsen

In seinem reichhaltigen Gemüsegarten darf die rote, einem Apfel ähnliche Frucht nicht fehlen. Gemeint ist die Tomate, die von Amerika nach Europa kam und einst Paradiesapfel genannt wurde. In Österreich und Südtirol spricht man heute noch vom Paradeiser. Und eben dieser Paradeiser hat es Josef Huber aus Strahlfeld angetan.
Er habe schon immer gern im Garten gezüchtet und Bäume veredelt, verrät der 49-Jährige, der immer der Natur verbunden gewesen ist. Huber ist bei den Bayerischen Staatsforsten im Forstbetrieb Roding für das Sachgebiet Jagd und die Buchhaltung zuständig. 2018 hat ihn das Thema Tomatenzucht so richtig gepackt. Inzwischen werden am Anwesen der Hubers jährlich 260 Tomatensorten angebaut.
Unterstützung bekommt er von seiner Frau Andrea und den Kindern, wobei Matthias eine Maurerlehre absolviert und Franziska als examinierte Hebamme tätig ist. Die Intention von Huber ist es in erster Linie, alte Sorten zu erhalten.
1200 Samen im Bestand
„Erhalten, nutzen, weitergeben“, ist sein Motto. Mit verschiedenen Samen ist er auf Tauschbörsen unterwegs, um wieder neue Sorten in seinen Bestand aufnehmen zu können. „Inzwischen haben wir ca. 1200 verschiedene Samen im Bestand“, verrät Andrea – und der Samentausch finde weltweit statt: „Aus den ärmeren Ländern kommen immer wieder neue Sorten.“ Auf dem Grundstück in Strahlfeld findet man an jeder Ecke Tomatenstauden, ob aufgereiht in Eimern an einem langen Holzstoß, in Blumenkästen auf der Gartenmauer oder hinter der Scheune mit einem Dach über dem Kopf.
Manche Sorten werden sogar mit Solarenergie und Zeitschaltuhr automatisch bewässert. Auf die Frage, was mit den reifen Tomaten passiert, kommt wie aus der Pistole geschossen die Antwort: „Verarbeiten und essen! Bei uns werden die Tomaten eingelegt, getrocknet, zu Mark, Salz und Marmelade verarbeitet“, berichten die Hubers, die auch Tomaten-Chutney zu ihren Kreationen zählen, einen würzigen, gleichzeitig fruchtig-süßen Aufstrich als pikantes Pendant zur Konfitüre.
Gibt es bald Tomaten-Likör?
Als nächstes will Erfindergeist Huber den Versuch starten, um einen Tomaten-Likör zu produzieren. Zudem werden Verkostungen mit ca. 60 Sorten im Garten durchgeführt. Unter den 260 Sorten sind etwa die Gargamel, Ananas blau und die Reisetomate, die von einzelnen Fächern, die herausgelöst werden können, geprägt ist. „Eine gute Sorte hat wenig Kerne, gelbe und orange Sorten sind säurearm und die grünen sehr fruchtig“, erläutert der Experte. Ein Muss für einen Züchter sei die rote Fleischtomate Nonna Antonia (eine geschützte Sorte aus Piemont), deren Samen über 100 Jahre verschollen war, betont der Kenner, der am Wochenende in Erding bei einem Treffen von 60 „verrückten Tomatenfans“ war. Jeder durfte drei Sorten zum Tauschen mitbringen. Der Ideenreichtum ihres Mannes kenne keine Grenzen, verrät Andrea.
Sie müsse ihn manchmal einbremsen. Er baue nämlich auch noch 31 Kartoffelsorten an und pflege 120 Apfelsorten. Dazu sei er noch an einem Bohnenerhaltungsprojekt am ökologischen Bildungszentrum München beteiligt. 25 Jahre war er Vorstand der Bogenschützen Unterlintach und hat beim Altstadtfest Roding International besondere Leckereien aufgetischt. Er ist Jagdvorstand und Mitglied der Marianischen Männerkongregation und seit gut zwei Jahren Vorstand des OGV Strahlfeld.
Einmalig in Bayern dürfte sein, dass ein OGV eine Abteilung Gartenbau und Gewässer vorweisen kann. „Wir betreuen den Hammerweiher und haben die Klostergewässer gepachtet und eine Ruheoase für die Bevölkerung geschaffen“, berichtet der umtriebige Strahlfelder: „Aus nix etwas machen, das macht mir Spaß.“ So hat er einen Ofen für Bratäpfel gebaut. Die Boskop fanden beim Weihnachtsmarkt im Klosterhof reißenden Absatz und auch der Eigenbau für die Spiralkartoffel beim Rodinger Reibnfest lief auf Hochtouren, freut sich Joe, der Tomaten-Experte.



