Kleine Pilsheimer Feuerwehr befindet sich im Höhenflug

45 Aktive, etwa 150 Vereinsmitglieder – mit diesen Zahlen zählt die Freiwillige Feuerwehr Pilsheim, die 2024 ihr 125-jähriges Bestehen feiern wird, nicht geradezu den Großen im Kreisgebiet Schwandorf. Und doch befindet sie sich seit geraumer Zeit in einem Höhenflug. Die Gründung der Löschdrachen ist nur das jüngste Kapitel einer fast schon märchenhaften Erfolgsgeschichte. Doch es gibt noch weitere herausragende Ereignisse in der positiven Entwicklung.
Neues Fahrzeug sorgt für Freudensprünge
Der diesjährige 20. Juli war für die Dorffeuerwehr ein großer Freudentag. Endlich traf das sehnlich erwartete neue Einsatzfahrzeug, ein LF10, im Ort ein. Welche Bedeutung das für Pilsheim hat, zeigt ein Video, das die Wehr auf ihrer Facebookseite veröffentlichte.
Per Drohne war gefilmt worden, wie der neue, feuerrote MAN, begleitet von mehreren anderen Wehren, mit Blaulicht durch die Hauptstraße rollt und sich den Weg durch weiße und rote Rauchschwaden bahnt. Bürger klatschen spontan Applaus, Kinder hüpfen vor Freude. Das Fahrzeug hat rund 455 000 Euro gekostet und ersetzt ein LF8/6, Baujahr 1992. Für die Freiwillige Feuerwehr Pilsheim ist das ein Quantensprung. Maßgeblichen Anteil daran hat der 2019 zum Kommandanten gewählte Martin Brechler (35).
Auch für Waldbrände speziell ausgerüstet
Mitte 2019, so berichtet Brechler, wurde in der FF Pilsheim die Waldbrandbekämpfung in den Fokus gerückt. Initiator sei ein Aktiver gewesen, der als Forstwirtmeister die Verhältnisse im Wald bestens kennt. Mit Sorge habe er festgestellt, dass sich ein Feuer rund um Pilsheim relativ schnell ausbreiten könnte und man darauf nicht ausreichend vorbereitet sei. Wegen der sich häufenden Trocken- und Hitzeperioden nehme das Risiko signifikant zu.
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Daher wurde beschlossen, eine größere Übung durchzuführen. Schon bei der Vorbereitung kristallisierten sich laut Brechler Defizite heraus: Die Kameraden waren für solche Spezialeinsätze nicht geschult, und es fehlten die notwendige Schutzanzüge und Geräte. Wegen Corona sei die Übung zwar nie durchgeführt worden, räumt Brechler ein. Trotzdem stehe fest, dass das Ergebnis nicht zufriedenstellend hätte ausfallen können. Zu groß wären die Lücken an Wissen und in der Ausrüstung gewesen.
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Das sollte sich ändern. Nach Gesprächen mit der Stadtspitze kam man 2021 überein, für die FF Pilsheim einen Waldbrandsatz anzuschaffen. Gemeint ist damit ein Hänger, voll gepackt mit nützlichen Komponenten: D-Schläuchen und -Strahlrohren, Handwerkszeug zum Öffnen der Böden, Faltbehältern für Wasser sowie Jacken und Helme, die auch bei hohen Außentemperaturen erträglich sind. Kostenpunkt: 12000Euro. Mittlerweile hat Brechler auch viel Fachliteratur studiert, um die richtige Taktik ausgeben zu können. Angesichts der Lage, die sich heuer auch im Kreis Schwandorf zugespitzt hat, könnte man sagen, „dass wir den richtigen Riecher hatten“, kommentiert Brechler augenzwinkernd den Kurs, den er und sein Team eingeschlagen haben.
Schneller Lageüberblick dank einer Drohne
Das i-Tüpfelchen zu alledem ist eine Drohne. Anfangs sei sie wegen der Kosten (rund 7000 Euro) und des Schulungsaufwands kein Thema gewesen, sagt Brechler. Nun sei man aber doch froh, über das High-Tech-Gerät zu verfügen. Es ist ausgestattet mit einer Infrarotkamera und Abstandssensoren, so dass ein Zusammenstoß mit Hindernissen vermieden wird. Der Aktionsradius ist beachtlich. Sollte die Akkuleistung knapp werden, wird automatisch der Rückflug eingeleitet. Drei Ersatzakkus und ein Schnellladegerät erlauben es dem Mann an der Fernsteuerung, die Drohne umgehend erneut abheben zu lassen.
Mittlerweile ist ein 29-köpfiges Team im Umgang mit dem Flugroboter geschult. Der Gruppe gehören auch Aktive der FF Pottenstetten, der FF See-Mossendorf und der FF Burgengenfeld an.
Brechler ist von dem Gerät sehr angetan, nicht nur, weil es sich leicht bedienen lasse. Er betont aber auch: „Die Drohne ist nur ein Hilfsmittel.“ Mit ihr sei es möglich, sich aus der Luft rasch eine Lagebild zu verschaffen. So könnten die Position der Einsatzkräfte stets optimiert und der Brand schneller eingedämmt werden. Bei einer Personensuche sei eine Drohne ebenfalls nützlich.
In Griechenland den Ernstfall geprobt
Brechler ist der geborene Feuerwehrmann. Mit zwölf trat der heute 35-Jährige in seinem Heimatdorf der Jugendwehr bei. Der staatliche geprüfte Maschinenbautechniker ist seit Herbst 2020 hauptamtlicher Gerätewart in Burglengenfeld und Brandschutzbeauftragter. Heuer war er erstmals international im Einsatz.
Der Grund: Im Rahmen eines von der Europäischen Union initiierten Pilotprojekts wurde Mitte Juli eine bayerische Feuerwehreinheit nach Griechenland beordert, um dort für Waldbrände zu üben – und notfalls zu helfen. Brechler war als einziger Feuerwehrmann aus dem Kreis Schwandorf dafür benannt worden. „Noch nie habe ich so viel geschwitzt“, erinnert er sich. Doch er hatte auch Glück: Als es ernst wurde, war sein auf 14 Tage begrenzter Einsatz schon beendet. Kräfte aus Malta lösten die deutsche Truppe ab.



