Löschwasser: Burglengenfelder Landwirte hadern mit den Auflagen

Auch im Städtedreieck bestand in der zurückliegenden Hitzeperiode ständig eine große Gefahr von Flächen- oder Waldbränden. Zweimal rückten die Feuerwehren allein zum Vogelherd aus, um Schlimmeres zu verhindern. Unterstützt wurden sie dabei von Landwirt Michael Hofmann, der in einem Güllefass 18 Kubikmeter Wasser antransportierte. Doch nun überlegt der 33-Jährige ernsthaft, ob er das künftig noch tun soll.
Der Landwirt aus Dirnau macht sich, wie viele seiner Kollegen, seit Jahren Gedanken, wie im Hochsommer dem Risiko von Flächenbränden begegnet werden kann. Vorsorglich hält er stets ein befülltes Güllefass vor. Mit einer Handvoll weiterer Bauern hat er sich zusammengeschlossen, um die örtlichen Wehren notfalls zu unterstützen. Mit der FFPottenstetten gab es bereits eine gemeinsame Übung. Über Whatsapp ist man stets in Verbindung, „und ein oder zwei von uns Landwirten sind immer einsatzbereit“.
Viermal sind Hofmann oder seine Kollegen im vergangenen Jahr ausgerückt, heuer bisher zweimal. Das Wasser wurde jeweils aus der Naab entnommen, weil das schneller funktioniert, als wenn ein Hydrant angezapft würde.
Der Haken: Die Entnahme von Wasser aus dem Fluss ist grundsätzlich mit Bedingungen verknüpft. Im Ernstfall braucht es zwar, wie das Landratsamt Schwandorf betont, keine gesonderte Erlaubnis. Verschiedene Dinge gelte es aber trotzdem zu beachten.
Ein Platz für das Abpumpen ist gefunden
Die Landwirte selbst wollten Klarheit schaffen und wandten sich an die Stadt. Gemeinsam machte man sich auf die Suche nach einer geeigneten Entnahmestelle und wurde nördlich des Eislaufplatzes, wo sich auch mit größerem Gerät gut wenden lässt, fündig.
Der Brandschutz kostet die Kommune Jahr für Jahr eine Stange Geld. Lesen Sie dazu: Preisschock im Stadtrat: Dietldorfer Löschfahrzeug wird deutlich teurer als gedacht
Ziel ist es, hier eine feste Vorrichtung zu installieren, die ein zügiges Abpumpen ermöglicht und gleichzeitig den Uferbereich und vor allem die Lebewesen in der Naab schützt. Dafür ist aber ein Genehmigungsverfahren zu durchlaufen, an dem zum Beispiel der Untere Naturschutz, die Fachberatung für Fischerei und das Wasserwirtschaftsamt beteiligt sind.
Aktuell gibt es, wie Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) und Stadtbaumeister Franz Haneder auf Anfrage bestätigen, lediglich eine vorläufige mündliche Zustimmung für das Abpumpen von Wasser im Brandfall. Und dazu generelle Hinweise von Fachstellen, was es zu beachten gelte.
Das Ufer darf nicht beschädigt werden
Genau darüber ärgern sich nun die Bauern. Die Fachberatung der Fischerei fordert unter anderem eine Dokumentation. Festzuhalten seien Datum und Zeit sowie Menge und Namen der Beteiligten – „mindestens“. Ferner sei darauf zu achten, dass keine Fische oder andere Wasserlebewesen beeinträchtigt oder eingesaugt würden. Die Ansaugevorrichtung sei entsprechend zu schützen, zum Beispiel durch die Verwendung eines Filters.
Der Untere Naturschutz legt darüber hinaus Wert darauf, dass Ufer und Ufersicherungen nicht beschädigt werden. Das Befahren der engeren Randzonen mit Gehölzbewuchs und von Verlandungsbereichen mit Schilfvegetation sei unzulässig. Es gelte einen Abstand von sechs Metern einzuhalten. Für natürliche Uferabbrüche, die als Brutstätten dienen könnten, sei ein Mindestabstand von zehn Metern einzuhalten.
Magerrasen und Stauden lieber brennen lassen?
Michael Hofmann hält solche Auflagen für kontraproduktiv. „Da hört für mich der Spaß auf. Wenn ich Gefahr laufe, dass ich eine Strafanzeige kriege, mache ich eben nicht mehr mit“, sagt der 33-Jährige. Mit der Ausrüstung, die den Landwirten zur Verfügung stehe, sei es in der Praxis unmöglich, all die Pflichten zu erfüllen, betont der Bauer. Hofmann fühlt sich gegängelt. Wenn Not am Mann sei, sei es zweitrangig, auf welche Weise das Wasser in die Fässer gelange, meint er.
Sein Vater Thomas, ein langjähriger Burglengenfelder CSU-Stadtrat, stieß in der jüngsten Gremiumssitzung ins selbe Horn: „Eigentlich müssten wir von der Sache die Finger weglassen und sagen: Lasst es lieber brennen.“ Außerdem vermissten die Landwirte eine gewisse Wertschätzung. Immerhin opferten sie bei der Unterstützung der Feuerwehren ihre Zeit und setzten Gerätschaften in Bewegung, die sechsstellige Summen kosteten. Vom Treibstoff ganz zu schweigen.
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Im Landratsamt verweist man auf das Genehmigungsverfahren. Schließlich handle es sich um eine „bauliche Anlage im Überschwemmungsgebiet“, und es dauere eben, bis jede Fachstelle ihre Stellungnahme eingebracht habe.
Stadtbaumeister Haneder versichert, das Problem so schnell wie möglich lösen zu wollen: „Wir tun unser Möglichstes.“ Aber es gebe eben im Rathaus auch noch andere Aufgaben.
Bürgermeister Gesche versucht, die Wogen zu glätten. Er lobt die Landwirte, die einen „erheblichen Beitrag“ für den Brandschutz leisteten, aber auch die Kreisverwaltung. Diese habe „sehr rasch und pragmatisch“ gehandelt, so dass das vordringliche Ziel, im Brandfall schnell handeln zu können, bereits erreicht sei. Die Auflagen seien zwar umfangreich, aber man dürfe auch nicht vergessen, dass „der Schutz unserer Gewässer natürlich einen sehr hohen Stellenwert hat“.
