OB-Wahl: Marco Winkler will als OB Neumarkts Geld ganz anders einsetzen

Von Wolfgang Endlein · 4. August 2023 um 15:11

Noch nie zuvor gab es in Neumarkt einen Kandidaten der Linken für das Amt des Oberbürgermeisters. Marco Winkler ist eine Premiere. Ob im Wohnungsbau, im sozialen Bereich oder beim Führungsstil: Er will die Bürger mit einem deutlichen Schwenk der Stadtpolitik überzeugen.

Winkler will neue Prioritäten, wofür Geld ausgegeben wird. So sollen Finanzen für aus seiner Sicht wirklich wichtige Themen frei werden. Weg von Prestigeprojekten.

Als solches bezeichnet er beispielsweise das Schlossbad und schließt damit Kritik am amtierenden Oberbürgermeister Thomas Thumann (UPW) mit ein: „Es wird Zeit, solche Großprojekte abzuschließen und Veränderungen im Kleinen für Alle zu bewirken. Es wird Zeit die Finanzsituation statt an persönlichen Monumenten an nachhaltigen, sozialen und infrastrukturellen Punkten zu orientieren“.

Bezahlbarer Wohnraum: Welche Lösungen Marco Winkler für Neumarkt hat

Insbesondere das Thema des bezahlbaren Wohnraums meint Winkler damit. Es ist ein gewichtiges Thema in seiner Agenda. Winklers Lösungsansatz: Die Stadt muss verstärkt selbst bauen.

Das Grunddilemma ist aus Winklers Sicht folgendes: Neumarkt ist wirtschaftlich stark und damit attraktiv für Zuzügler. „Solange Neumarkt durch Zuzug immer weiter wächst, werden wir immer neuen Wohnraum brauchen“, sagt der OB-Kandidat. Man müsse sich die Frage stellen, wie sehr die Stadt noch wachsen könne.

Den Zuzug regulieren, das ginge, wenn die Stadt mehr Kontrolle auf dem Wohnungsmarkt hätte, ist Winkler überzeugt. Auch dafür brauche es mehr Wohnungen, die der Stadt gehören. Er plädiert daher dafür, im Haushalt Geld umzuleiten und selbst Wohnraum zu bauen. Wobei für ihn Sanieren vor Neubauen geht.

Neumarkt könne es sich leisten, wenn es dafür auf andere, nicht derart drängende Projekte verzichte. Ja, auch Kredite dafür aufzunehmen und sich zu verschulden, hält er im Zweifel für gerechtfertigt.

Markt wird aus Sicht des OB-Kandidaten der Linken das Wohnproblem nicht lösen

Die Stadt als Bauherr ist aus seiner Sicht umso dringender gefragt, als der Markt nicht für den nötigen bezahlbaren Wohnraum sorgen werde. In Neumarkt wurde und werde viel von privaten Bauherrn gebaut, allerdings so hochpreisig, dass es auch für den Mittelstand kaum noch zu finanzieren sei, sagt der 33-Jährige.

Ergänzend zum Bau eigenen Wohnraums soll die Stadt weitere Maßnahmen ergreifen, um den Druck auf dem Wohnungsmarkt zu lindern. Winkler schwebt vor, die Möglichkeit des Mietvertragstausches stärker zu bewerben und zu unterstützen. Kurz gesagt, tauschen dabei zwei Mietparteien Wohnungen und Mietverträge. Dazu braucht es die Zustimmung der Vermieter. Damit beim Tausch nicht zugleich die Mieten nach oben gehen, schwebt Winkler vor, dass die Stadt koordinierend unterstützt.

Helfen soll die Stadt auch, wenn Menschen den Wohnraum an die veränderte Lebenssituation anpassen wollen. Beispielsweise, wenn ältere Menschen das zu groß gewordene Haus zugunsten einer kleineren Wohnung verlassen möchten. Davon könnten wiederum Familien profitieren, so die Vorstellung Winklers.

Was ihn wieder zurück zu seiner Eingangsforderung bringt: Damit dieser Kreislauf beim Wohnraum funktioniere, müsse die Stadt vermehrt als Bauherr auftreten. Denn es brauche in einer Stadt mit vielen Einfamilienhäusern vermehrt kleinere und mittelgroße Wohnungen, ist der Kandidat der Linken überzeugt.

OB-Kandidat Winkler: Neumarkt muss mehr in Stadtgesellschaft investieren

Die auf soziale Themen fokussierte Partei-DNA findet sich auch in Winklers Wahlprogramm wieder. „Nur weil eine Stadt reich ist oder die Leute reich sind, heißt das nicht unbedingt, dass auch das Soziale automatisch mitläuft“, sieht Winkler Verbesserungsbedarf.

Gemeinwesenarbeit ist dabei ein Schlagwort, das Winkler häufig verwendet. Er habe ein zunehmende gesellschaftliche und soziale Isolation insbesondere bei älteren und jüngeren Menschen festgestellt.

Dagegen müsse die Stadt engagierter etwas unternehmen und sich nicht auf einige Hauptamtliche und Ehrenamtliche verlassen. Mit den Bürgerzentren, der Freiwilligen Agentur, dem Jugendbüro und gesellschaftlichen Gruppen sowie Vereinen werde in Neumarkt schon einiges bewegt. Allerdings drohten Freiwillige angesichts der steigenden Anforderungen überlastet zu werden und sich ins Privatleben zurückzuziehen, sagt Winkler.

Aus Sicht des 33-Jährigen braucht es ein großes Gesamtkonzept der Stadt, um das zu verhindern und das seiner Ansicht nach brüchige soziale Gefüge zusammenzuhalten.

OB-Kandidat Winkler schweben Nachbarschaftszentren in den Neumarkter Stadtteilen vor

Konkret hat er dafür drei Punkte definiert, die er als OB angehen möchte: Erstens sollen Nachbarschaftszentren in den Stadtteilen als Treffpunkt und Plattform für Beratungs-, Bildungs- und Freizeitprogramme dienen. Zweitens will Winkler mehr Sozialarbeiter vor Ort haben, die beispielsweise ältere Menschen bei Anträgen beraten und Vereine sowie Gruppen bei Projekten unterstützen. Letzteres ist Teil des dritten Punktes: Initiativen aus der Gesellschaft heraus soll die Stadt stärker unterstützen.

Zur Stadtgesellschaft gehören auch Kinder und Jugendliche. Sie hätten in der Pandemie besonders gelitten, sagt Winkler. Er will die mobile und stationäre Jugendarbeit ebenso verstärken wie die Schulsozialarbeit. Auch das Personal in Kindertagesstätten brauche hierbei mehr Unterstützung. „Wir müssen soziale Auffangnetze aufbauen für Kinder in Krisen und Krisensituationen“, sagt der dreifache Vater.

Um die Zukunft seiner und aller Kinder zu sichern, will ein möglicher OB Marco Winkler die Energiewende auf lokaler Ebene weiter voranbringen. In Neumarkt sei schon viel geschehen, erkennt er an. Winkler will ein städtisches Förderprogramm auflegen. Bürger sollen dabei unterstützt werden, selbst zu ihrem Energiebedarf beizutragen. Zugleich müsse die Stadt das für sich ebenfalls tun und auch beim Energieeinsparen etwa mit entsprechender Gebäudetechnik weiter vorangehen.

Gegen den Ausbau der B299 und Kritik an Radwege-System in Neumarkt

Wo die Energiewende ist, da ist auch die Verkehrswende nicht weit. Winklers Ansatz für Neumarkt: „Das Ziel muss sein, weniger Autoverkehr in und nach Neumarkt zu bringen“. Auch wenn klar sei, dass in einem ländlichen Gebiet das Auto wichtig bleiben werde.

Dennoch: Der 33-Jährige will einen energischeren Perspektivwechsel als bislang bei Verkehrsprojekten. Weniger das Auto im Fokus, dafür deutlich mehr Fußgänger, Radler und den ÖPNV. „Anrufsammeltaxi im Stadtgebiet, Shuttlebus, Ringlinie und eine variable Linienführung der Busse wäre dabei nur der Anfang.“ Winkler kritisiert zudem einen Flickenteppich bei Radwegen in Neumarkt. Den Ausbau der Obi-Kreuzung und der B299 sieht er als nicht mehr zeitgemäß an.

OB-Kandidat Winkler: Neumarkter Stadtverwaltung muss moderner werden

Um all seine Ideen anzugehen, braucht es eine leistungsstarke Verwaltung. Winkler hat dort aber Schwächen ausgemacht. Weil der Fokus auf Prestigeprojekten liege und teils alte sowie unklare Strukturen die Arbeit erschwerten, hätten die Bürger das Gefühl, „dass die Stadt nicht mehr für sie da sei“.

Das beginnt für ihn an der Verwaltungsspitze. Eine Kritik an Thomas Thumann, dem Winkler fehlende Bürgernähe und mangelnde Kritikfähigkeit vorwirft.

Die Verwaltung selbst muss aus Winklers Sicht moderner werden, auch als Arbeitgeber mit flexiblen und familienfreundlichen Arbeitsplätzen, neuster Technik, einem offen und fehlertoleranten Arbeitsklima sowie helfenden digitalen Prozessen.