Ein paar Dosen Farbspray und schon wird aus einer schäbigen Turnhalle in Neustadt ein Kunstwerk

Vor fast zwanzig Jahren wurde das alte Neustädter Schulgebäude abgerissen. Ein Relikt der ehemaligen Volksschule hat bis heute überlebt. Jetzt wurde es einer Verjüngungskur unterzogen.
Die Schülerinnen und Schüler der Neustädter Grundschule sind begeistert. „Das ist cool“, sagen sie unisono und meinen das Graffiti-Kunstwerk, das seit kurzem die Turnhalle der Grundschule schmückt. Amelie Alissa aus der Klasse 3c meint: „Mega, die Farben passen so gut, keine langweilige leere Wand mehr.“ Anna Njomza aus der 4a stellt fest: „Da ist jetzt keine nackerte Wand mehr. Jeder weiß jetzt, dass es die Sporthalle ist, die Bälle sind toll, des Ganze is superguad.“
Michael Lotter aus Kelheim hat das Werk mit vielen Spraydosen auf die Wand gezaubert, nachdem die Idee für die Aktion im Neigungskurs Kunst der Ganztagsklassen 3 und 4 bei Schulleiterin Birgit Ferstl entstanden war. Der Hintergedanke: Die in die Jahre gekommene Sporthalle könnte wenigstens äußerlich aufgepeppt werden.
Nach einer Ideensammlung mit den Kindern stand fest, dass die Fassade zeigen sollte, was in dem Gebäude passiert. Szenen aus dem Sport sollten deshalb entstehen – groß und plakativ. Die Schulfarben sollten sich in dem Werk wiederfinden, Blautöne im Kontrast zu dem tristen Gelbton der Wand. Schattenkinder beim Sport. „Der Rest war Künstlersache“, sagt Schulleiterin Birgit Ferstl. Und damit Michael Lotters Geschick und Können überlassen.
Vielerorts im Einsatz
Lotter hat sich in den letzten Jahren im Landkreis Kelheim einen Namen gemacht. Seine Werke findet man an der Grund- und Mittelschule Saal, an Geschäftsfronten und beispielsweise am Pflegerspitz in Kelheim.
Drei Tage war er im Einsatz. Mit Hilfe einer Hebebühne fuhr er an der Wand rauf und runter und der Unterstützung seines Hundes und bewundert von Schülern und Lehrern der Grundschule entstand das Kunstwerk, das nicht nur bei den Lehrkräften für Begeisterung sorgt. So sagt die Rektorin: „Die Graffiti-Kunst ist auf jeden Fall gleichzustellen mit jeder anderen Kunstform. Was ein Künstler binnen kurzer Zeit mit den Spraydosen auf großflächige Wände zaubert, verdient allergrößten Respekt. Es sind sowohl arbeitstechnische wie auch ästhetische Meisterwerke.“
Vermutlich werden die Mitglieder der Schulgemeinschaft noch einige Jahre ihre Freude an dem Kunstwerk haben, denn so bald steht kein Abbruch der alten Turnhalle an. Zwar wird seit vielen Jahren über den Neubau einer Turnhalle in der Nachbarschaft der Schule gesprochen, doch ein endgültige Planung oder gar der Spatenstich sind nicht in Sicht.
Auch eine Erweiterung der Grundschule ist geplant, denn die Schülerzahlen wachsen. Derzeit ist dies bereits an den Kindergärten zu beobachten. Hier gibt es trotz ständigen Ausbaus der Betreuungsplätze Wartelisten. Um 200 Einwohner könnte die Kommune in den nächsten Jahren wachsen. Das hatten Untersuchungen des SAGS-Instituts ergeben, die zu Jahresbeginn in einer Sitzung des Stadtrats vorgestellt wurden.
Kompliziert werden die Planungen für das Areal mit Grund- und Mittelschule sowie Hallenbad, das im vorigen Jahr fünfzig Jahre alt wurde und durch einen Neubau ersetzt werden soll, nicht nur durch die Frage, wie das Gelände künftig aufgeteilt werden soll. Zuletzt hatte die Stadt auch mit geringeren einnahmen als in früheren Jahren zu kämpfen.
So hat denn die alte Turnhalle gute Chancen den Neustädter Schulkindern noch für einige Jahre erhalten zu bleiben. Ein anderes „Wahrzeichen“ der einstigen Volksschule hat derweil längst einen sicheren Platz gefunden.
Die „Zwiebel“ lebt
Die „Zwiebelhaube“ des Treppenhauses des Schulgebäudes ziert heute das Verwaltungsgebäude der Reng Gruppe. Ludwig Reng senior hatte sich die „Zwiebel“ beim Abbruch des alten Schulhauses gesichert.



