Jubiläums-Theaterstück feiert umjubelte Premiere

„Die Stadt der Seligen“ beschreibt die Gründung Neustadts vor 750 Jahren. Die Zuschauer waren vom Stück und der Leistung der Schauspieler begeistert und sparten am Ende nicht mit Applaus.
Gezittert haben die Akteure auf der Steinbruchbühne und die Organisatoren im Hintergrund bis zur letzten Minute, ob die Premiere von „Die Stadt der Seligen“ im Steinbruch von Michaela und Peter Scheuermann bei Marching als letzter Teil der 750-Jahrfeier von Neustadt nicht förmlich vom Regen weggespült wird. Vorsorglich wurden Regencapes zur lange ausverkauften Auftaktvorstellung verteilt, aber nur Bürgermeister Thomas Memmel (CSU) bekam bei seiner Begrüßung ein paar letzte Tropfen ab. Wohl von himmlischer Sympathie unterstützt, blieb die Premiere danach trocken.
Stück mit hohem Niveau
Diese Sympathie von ganz oben hatten sich die Akteure auf der Naturbühne verdient. „Seid willkommen. Es ist eine Welturaufführung und ein einmaliges Erlebnis in der Stadtgeschichte“, versprach der Bürgermeister und die gut 40-köpfige Schauspielertruppe hielt auf erstaunlich hohem Niveau Wort.
Treffende CharaktereDenn das Historienstück aus der Feder der Münchner Autorin Steffi Kammermeier war unter ihrer Regie mindestens so weit weg von einem altertümlich-biederen Schmachtfetzen wie von einem johlenden Schenkelklopferstück. Sie packte die Geschichte um die Gründung von Neustadt im Jahr 1273 durch Herzog Ludwig den Strengen in ein Bühnenstück, das mit treffend gezeichneten Charakteren, mit einem stringenten und stimmigen Handlungsverlauf und mit würzigem Lokalkolorit geschrieben ist.
Grundlegende Heiterkeit
Der Spannungsfaden hält das Publikum bis zum Finale bei Laune und eine grundlegende Heiterkeit zieht sich mal deutlicher, mal dezenter durch das Stück. Die Akteure auf der Bühne – allesamt Amateure mit allenfalls Erfahrungen auf den umliegenden Heimatbühnen – machen die gut zweistündige Vorstellung bis hin zu den Nebenrollen und Statisten zu einem Zuschauervergnügen. „Das Stück über unsere Stadtgeschichte soll unsere Identität über alle Gemeindeteile steigern, denn wir haben eine sehr lange Geschichte. Die Euphorie aus dem Stück hat im Lauf der Proben auf alle Beteiligten übergegriffen. Es ist ein Projekt, das viele Bürger auch aus den Ortsteilen zusammengeführt hat“, sagte Bürgermeister Memmel sichtlich zufrieden in der Pause.
Nicht weniger glücklich über den Publikumserfolg und den Teamgeist in der Truppe zeigte sich Vizebürgermeister Günter Schweiger als Initiator des Schauspiels und „Mannschaftsführer“ der Truppe. Er hatte die Rollenbesetzungen vorgeschlagen und Hand in Hand mit der Regisseurin gearbeitet. „Die Chemie zwischen uns hat von Anfang an gepasst“, formuliert er das, was das Publikum im Laufe der Aufführung immer wieder spürte.
Kurzweilig und authentisch
„Die haben das klasse gemacht. Sogar die Nebenschauplätze auf der riesigen Bühne agieren sehr lebendig. Das gefällt mir total gut“, sagt Sonja Fieger aus Kelheim in der Pause. Auch Maria Thoma-Schmidt aus Hienheim ist begeistert. „Es ist sehr kurzweilig und dennoch historisch authentisch. Die Musik- und Gesangsbeiträge sind toll und sie haben ein großartiges Bühnenbild geschaffen“, freute sie sich. Positiv überrascht war auch Dieter Scholz, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Kelheim. „Es ist faszinierend, was die Neustädter da auf die Bühne stellen. Alle Achtung und Respekt vor so viel Engagement.“
Neustadt-Lied zum Schluss
Zum Finale trumpften die Akteure noch einmal groß auf. Beim Einzug von König Rudolf I. – gespielt von Landrat Martin Neumeyer – samt Gefolge standen rund 40 Akteure auf der Bühne und sangen zum Schluss mit dem Publikum das Neustadt-Lied. Autorin und Regisseurin Steffi Kammermeier hat zwar viel Erfahrung im Metier, aber die Aura und der Teamgeist der Truppe lassen die Münchnerin nicht unberührt. „Ich werde Neustadt nie vergessen, denn es ist eine Geschichte von und für Menschen, die aus dem Herzen spielen. Ich habe sie zwar manchmal gequält, aber jeder hat so fein und überzeugend gespielt. Es ist mein Anspruch, neben der Unterhaltung auch geschichtliche Inhalte zu vermitteln und ich bin den Akteuren unendlich dankbar, dass sie sich mir gegenüber so geöffnet haben“, sagt sie und strahlt längst nach dem Schlussapplaus samt Standing Ovations.
Die nächsten Aufführungen
Weitere Aufführungen sind am Wochenende vom 4. bis 6. August, vom 11. bis 13. August und am 19. August. Einlass ist jeweils ab 19 Uhr, Aufführungsbeginn ist um 20.30 Uhr. Erwachsene zahlen 25 Euro Eintritt, Kinder von acht bis 14 Jahren zahlen 18 Euro. Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Auf der Homepage der Stadt Neustadt unter www.neustadt-donau.de werden wetterbedingte Änderungen auf der Startseite aktuell bekanntgegeben. An den Aufführungstagen wird bis 16 Uhr entschieden, ob eine Aufführung möglich ist.



