Neustadt-Jubiläum: Theaterstück drohte vor der Premiere zu platzen

Zum Jubiläum „750 Jahre Stadtrecht“ soll es in diesem Sommer ein Theaterstück geben, das die Geschichte von Neustadt a.d. Donau beschreibt. Wegen einer „Kleinigkeit“ wäre die Aufführung jetzt beinahe gescheitert.
Seit Monaten laufen die Vorbereitungen für das Stück, das im Marchinger Steinbruch aufgeführt werden soll. 2. Bürgermeister Günter Schweiger und Stadtrat Mike Hartl stecken tief in den Vorbereitungen. Vor mehreren Monaten haben sich die beiden mit den Bühnenbauern den Steinbruch angesehen, ob er als Kulisse für die „Stadt der Seligen“ geeignet ist.
Für das Stück wurde Steffi Kammermeier engagiert. Die Drehbuchautorin und Regisseurin hat das Drehbuch und die Texte für das Bühnenstück geschrieben, dass eigens für das Jubiläum entwickelt wurde und die Geschichte der Stadt auf lustige Weise, aber mit belegbaren Fakten erzählen soll. Schließlich begannen die Proben, die Gewänder für die rund 40 Darsteller waren bei einem bekannten Kostümverleiher bestellt, alles schien zu passen.
Noch vor wenigen Tagen war alles in bester Ordnung. Der Verleiher hatte den Auftrag noch einmal bestätigt, da – nur einen Tag später – glaubten Günter Schweiger und Mike Hartl, sich verhört zu haben: Der Verleiher widerrief mit einem Mal den Auftrag.
„Wir waren völlig perplex“, sagt Günter Schweiger. Das hatte er in seiner langen Karriere als Regisseur von Theateraufführungen noch nicht erlebt. „Mit einem Mal war da nichts mehr“, sagt er. Schweiger versuchte noch mit dem Verleiher zu verhandeln, doch der ließ sich auf nichts ein.
Im Bulli auf Einkaufstour
Die Aufführung drohte zu scheitern. Aus der „Stadt der Seligen“ war über Nacht eine „Stadt der Unseligen“ geworden. Doch Schweiger und Hartl ließen sich nicht entmutigen und gaben nicht auf und suchten nach einem anderen Verleiher, der sich auf mittelalterliche Gewänder spezialisiert hat. Schließlich wurden sie im Harz fündig.
Die erste Antwort am Telefon war niederschmetternd. „Wir verleihen nichts mehr“, sagte die Frau im Harz. „Aber wir verkaufen alles“, sagte die Frau weiter, „denn wir lösen den Verleih auf.“ Günter Schweiger atmete tief durch. Ein paar Tage später fuhren Ehefrau Maria und Autorin Steffi Kammermeier mit einem VW Bus die 600 Kilometer nach Norddeutschland, sichteten den Bestand des Verleihers und kamen einen Tag später mit einem Bulli voll mit mittelalterlichen Gewändern und Accessoires zurück.
„Theater ist gerettet“
Und jetzt jubeln die Theatermacher. Und das gleich mehrfach. „Das Theater ist gerettet. Die Gewänder sind in gutem Zustand und sie passen wunderbar zu unserem Stück“ , sagt Günter Schweiger. Außerdem wurde gespart: Der Kaufpreis beträgt nur die Hälfte dessen, was die Leihe gekostet hätte. Nach den Aufführungen bleiben die Gewänder in Neustadt a.d. Donau und können für weitere Stücke benutzt werden.
Außerdem stehen jetzt deutlich mehr Gewänder zur Verfügung, als von den Theatermachern geplant waren. Vorgesehen waren 40 Gewänder, gekauft wurden 80. „Damit“, so Günter Schweiger weiter, „kann auch der Festzug beim Stadtfest im Juli ausgestattet werden.“
Bis es soweit ist, gibt es noch reichlich Arbeit. Alle Kostüme müssen noch angepasst werden. Die Arbeit haben nicht die Theatermacher, sondern deren Ehefrauen.
