Jetzt steht der Fahrplan fürs Staatstheater Regensburg

Von Marianne Sperb · 2. August 2023 um 05:00

Zwei Minister stellen am Donnerstag im Alten Rathaus die Eckpunkte vor. Die spannende Frage: Ab wann darf das Theater den Titel tragen? Das Velodrom spielt eine Schlüsselrolle.

Als Bayerns Ministerpräsident Markus Söder im April verkündete, dass Regensburg zum Staatstheater wird, jubelte die Stadt, Glückwünsche kamen aus ganz Bayern. Beim Festakt am Bismarckplatz hieß es auch: Der Prozess müsse keine lange Inszenierung in fünf Akten werden, drei Akte reichten womöglich auch. Jetzt steht fest, wie der Fahrplan aussieht. Beim Besuch von Kunstminister Markus Blume und Finanz- und Heimatminister Albert Füracker (beide CSU) wird morgen im Alten Rathaus das Eckpunkte-Papier unterzeichnet.

Das Theater Regensburg ist Bayerns größtes kommunales Mehrspartenhaus, mit eigenen Ensembles für Musiktheater, Schauspiel, Tanz und Junges Theater, mit eigenem Philharmonischen Orchester und Opernchor. Das Haus mit rund 350 Mitarbeitern, das Intendant Sebastian Ritschel und Finanzdirektor Matthias Schloderer leiten, brachte zuletzt 36 Premieren auf die Bühne und hat sich mit Uraufführungen einen Namen gemacht.

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Aktuell trägt Regensburg die Hauptlast für das kulturelle Flagschiff der Region, mit 15,5 Millionen Euro. Bayern gibt 9,6 Millionen Euro. Über mehrere Jahre will der Freistaat seine Förderung steigern, bis beide – Stadt und Land – einen Anteil von fifty-fifty tragen. Als Ziel werden je 16 Millionen Euro angesteuert; das könnte zur Saison 2025/2026 erreicht sein. Mit Spannung wird erwartet, welchen Termin die Minister morgen für die Verleihung des Prädikats nennen.

Kein Geld für die Sanierung?

32 Millionen Euro Förderung plus die Einnahmen des Theaters: Das ist eine Menge Geld. Finanzchef Schloderer macht im Vorfeld des Besuchs gegenüber der Mediengruppe Bayern aber auch klar: „Die Belastungen etwa durch Tariferhöhungen sind enorm.“ Die ersten Steigerungen der Bayern-Förderung zehren deshalb die Personalkosten auf. Das Theater hatte für die Spielzeit 2022/2023 sogar – zunächst – mit zwei Millionen Euro Defizit planen müssen.

Im Kurfürstenzimmer wird es morgen zum Elefantentreffen kommen. Neben den beiden Ministern ist mit Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), Astrid Freudenstein (CSU) und Ludwig Artinger (Freie Wähler) die komplette Bürgermeister-Riege vertreten, außerdem die beiden Theater-Chefs, die den Urlaub unterbrechen.

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Eine Schlüsselrolle für das künftige Staatstheater spielt das Velodrom. Über der Spielstätte brauen sich gerade dunkle Wolken zusammen. Der Komplex muss, unter anderem aus Gründen von Brand- und Arbeitsschutz, tiefgreifend saniert werden. Das Projekt, in einer Studie zunächst auf 20 bis 30 Millionen Euro geschätzt, sollte 2022 starten. Die dramatisch verschlechterte Finanzlage durchkreuzte die Pläne. Die Stadt schob die Sanierung, erst auf 2024, dann sogar auf 2026. Frühestens 2029 könnte das Velodrom also wieder öffnen.

Ob der Termin zu halten ist, scheint inzwischen fraglich. Nach einem Ortstermin des Kulturausschusses wurden, vor allem mit Blick auf steigende Baukosten, 50 Millionen Euro als möglicher Bedarf kolportiert. Allerdings kann Regensburg davon ausgehen, dass 75 Pozent der zuwendungsfähigen Kosten als Zuschuss fließen. Nach der Sommerpause dürfte der Stadtrat zu Finanz- und Zeitplan Farbe bekennen müssen.

„Das Velodrom ist für das Theater extrem wichtig, das ist ganz klar“, sagt Schloderer. Die heißgeliebte Spielstätte in zentraler Lage bietet 200 Plätze mehr als das Antoniushaus. „Das macht pro Saison 30000 Tickets mehr.“ Bei der Zuschauernachfrage kann der Ersatz im Stadtosten mit den exzellenten Zahlen am Bismarckplatz nicht mithalten. Das Antoniushaus besitzt keinen Orchestergraben, keinen Schnürboden, keine Büros, verlangt eine extrem verzwickte Logistik und muss en suite bespielt werden. Vor allem die Sparte Schauspiel muss mit der Ersatzbühne vorlieb nehmen. Das Velodrom ist grundsätzlich ein anderes Kaliber und auch für große Musicals geeignet.

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Nicht nur am Theater hofft man, dass der Zustand im Exil nicht noch länger als 2029 dauert. „Das Antoniushaus ist ein guter Ersatz; eine Dauerlösung darf es nicht werden“, sagt etwa Peter Morsbach von den Altstadtfreunden. Er drängt darauf, das Velodrom nicht wieder als Guckkasten-Bühne, sondern innovativ zu planen: mit Rundbühne und variablen Rängen. Das würde auch die Denkmalsubstanz schonen.

Martin Kammerer von der IHK betont vor dem Minister-Besuch das enorm wichtige Signal eines Staatstheaters für das Regionalzentrum Regensburg, für Wirtschafts- und Kulturstandort. Er sagt, der Weg zum Prädikat dürfe nicht durch ein langes Aufschieben der Sanierung in Gefahr geraten.

Kerstin Radler optimistisch

Welchen Rang das Eckpunkte-Papier dem Velodrom zuweist, ist offen. Beobachter rechnen nicht damit, dass die Sanierung als eine Art Bedingung genannt ist. Kulturpolitikerin Kerstin Radler (Freie Wähler) zeigt sich, trotz angespannter Finanzlage, optimistisch, was den Zeitplan angeht. „Wir Theater-Verwaltungsräte ziehen da an einem Strang.“