Attacke mit Messer und Hammer – war Bluttat in der Frankenstraße versuchter Mord?

Von André Baumgarten · 1. August 2023 um 19:00

Das Opfer (19) aus Regensburg überlebte nur durch ein Wunder. Der 25-Jährige, der ihn wohl im Drogenwahn angriff, soll wegen versuchten Mordes vor Gericht – neue Details sind schockierend. Der Prozess könnte noch im August starten.

Anfang Dezember greift ein 25-Jähriger seinen Nachbarn in einem Mehrfamilienhaus in der Frankenstraße an. Gekannt haben sollen sich der Angreifer und sein 19 Jahre altes Opfer nicht – die Attacke kam offenbar aus dem Nichts. Der junge Mann überlebte nur durch ein Wunder, sagen Ärzte. Er war wochenlang auf der Intensivstation behandelt worden.

Neue Details zu dem Fall lassen erahnen, welches Grauen er an jenem Tag erlebte. Ende August soll der Prozess gegen den Angreifer starten – wegen versuchten Mordes, besonders schweren Raubes und versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Gefängnis droht dem 25-Jährigen aber keins.

Wie Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bestätigt, hat die Staatsanwaltschaft ein isoliertes Sicherungsverfahren beim Schwurgericht beantragt. „Wir gehen davon aus, dass der Beschuldigte aufgrund der suchtmittelbasierten Psychose womöglich schuldunfähig war.“ Ihm droht keine Strafe, aber die Unterbringung im Maßregelvollzug.

Es bestätigte sich also, was früh vermutet wurde: Der Mann griff im Drogenwahn an. Auch Strafverteidiger Helmut Mörtl, der den 25-Jährigen vertritt, sprach von Schuldunfähigkeit. Das scheint sich durch ein psychiatrisches Gutachten, das ein Sachverständiger für den Prozess erstellt hat, nun wohl bestätigt zu haben.

Angreifer forderte 10 000 Euro von 19-Jährigem

Auch neue Details zur Bluttat in der Frankenstraße sprechen für sich: Der Beschuldigte soll mit einem Maurerhammer und Messer bewaffnet versucht haben, in die Wohnung des 19-Jährigen zu kommen. Als der öffnete, soll der Ältere unvermittelt auf ihn eingestochen und 10 000 Euro verlangt haben.

Gekannt haben sich der Beschuldigte und sein Opfer vor der Tat jedoch nicht, hieß es. Der 25-Jährige soll ihm beim ersten Angriff auch den Hammer mehrfach auf den Kopf geschlagen haben, ehe er zumindest vorerst wieder verschwand. Den jungen Mann ließ er liegen.

Alexa holte nach der Bluttat keine Hilfe

Nachdem der schwerst verletzte 19-Jährige damit scheiterte, per Alexa die Polizei zu informieren und Hilfe zu holen, schleppte er sich zu einer anderen Wohnung in dem Mehrfamilienhaus. Dabei soll der Angreifer ihn ein zweites Mal attackiert und wieder Geld gefordert haben, ehe er flüchtete.

Über Stunden durchkämmte die Polizei mit einem Großaufgebot an jenem 7. Dezember die Gebäude in der Frankenstraße. Der Tatort wurde von Spezialisten des Landeskriminalamts in München mit einem 3D-Scanner vollständig erfasst.

Das Opfer der Bluttat mitten in Regensburg musste nach der Attacke sofort notoperiert werden – der 19-Jährige ist knapp acht Monate danach noch immer weit davon entfernt, bald ein normales Leben führen zu können. Am Abend des Tattages stellte sich der 25-Jährige schließlich im Beisein seines Anwalts selbst bei der Polizei. Er wurde sofort verhaftet.

Prozess soll laut Anwalt Ende August starten

Wann sich der 25-Jährige vor Gericht verantworten muss, ist derzeit noch offen. Wie Landgerichtssprecherin Ruth Koller bestätigte, wurde die Antragsschrift zugestellt. „Über die Eröffnung des Verfahrens hat das Schwurgericht noch nicht entschieden.“ Laut Anwalt Mörtl soll es aber Termin-Vormerkungen für Ende August geben.