Fünf Frauen wurden Opfer: 23-Jähriger gesteht Übergriffe – und eine Vergewaltigung

Von André Baumgarten · 31. Juli 2023 um 19:00

Sechs Übergriffe auf fünf junge Frauen in Regensburg gestand der Mann vor Gericht. Eine gerade 16-Jährige wurde 2019 sogar Opfer einer Vergewaltigung. Dafür gab es vor Gericht nun Bewährung.

Fünf junge Frauen hat ein 23-Jähriger von 2019 bis 2022 in Regensburg belästigt und missbraucht, eine sogar vergewaltigt. Alle Opfer stammten ausnahmslos aus dem Bekanntenkreis des Mannes, der 2015 nach Deutschland kam und sich beispielhaft integriert hatte. Unter Alkoholeinfluss aber akzeptierte er kein Nein – was ihm bereits 2020 eine Anklage mit fast identischen Vorwürfen eingebracht hatte. Diesmal verurteilte das Regensburger Amtsgericht den 23-Jährigen zu 22 Monaten Jugendstrafe – auf Bewährung.

Die zum Tatzeitpunkt im April, Spätsommer und Herbst 2019 teils gerade erst 16 Jahre alten Mädchen wurden in seiner Wohnung in der Altstadt Regensburgs, an einer Unterführung in der Landshuter Straße, in der Albertstraße und am Neupfarrplatz Opfer des Mannes. Dort spielte auch die 2020 angeklagte Tat, wobei er ein Mädchen berührte und einem weiteren mit der Faust ins Gesicht schlug, als die sich einmischte.

Vor Gericht gab es einen Deal für den 23-Jährigen

Die neu angeklagten Taten gestand der 23-Jährige über seine beiden Strafverteidiger Christian Reiser und Jörg Meyer im Prozess vor dem Schöffengericht vollumfänglich. Schon zuvor war ein Deal ausgehandelt worden, dem auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft zustimmte: nicht mehr als zwei Jahre Jugendstrafe auf Bewährung.

Also mussten die fünf jungen Frauen nicht über die Taten selbst, aber über deren Folgen aussagen. Und die waren in zumindest einem Fall gravierend: Die zur Tatzeit 16-Jährige wurde vom Angeklagten beim ersten Kennenlernen auf einer Bank in der Albertstraße vergewaltigt. Angezeigt hatte sie den 23-Jährigen aber erst 2022: „Ich hatte so Angst, dass mir niemand glaubt“, erklärte sie.

Opfer schlägt Schmerzensgeld und Entschuldigung aus

Gut zwei Jahre versuchte sie, damit klarzukommen, ging dann in Therapie. Zuvor verletzte sie sich selbst. Bis heute kämpft sie mit den Erinnerungen an jene Nacht Mitte April 2019. Das Schmerzensgeld-Angebot des Angeklagten und eine Entschuldigung schlug sie im Prozess aus. „Das gilt für mich als nichts“, sagte sie klar.

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Bevor es zur Anzeige der Taten kam, konfrontierte eines der Opfer den Angeklagten. „Er wirkte schon betroffen“, schilderte sie von dem Treffen im Frühjahr 2022. Wie oft er Grenzen überschritten habe, sei ihm wohl überhaupt nicht klar gewesen. Erst im Gespräch habe er „richtig verstanden, was so ein Übergriff alles sein kann“.

Später reiste der 23-Jährige jedoch aus Deutschland aus: Damit entging er dem kurz vor Silvester erlassenen Haftbefehl zumindest vorübergehend. Dann aber wurde der junge Mann Ende Januar bei seiner Rückkehr am Flughafen in München sofort verhaftet. Seitdem wartete er in U-Haft auf seinen Prozess.

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Und der endete mit einem „halb-blauen Auge“, wie Richter Christian Ehrl sagte. Der Angeklagte habe durch sein Geständnis den Frauen „nochmal Leid erspart“, was zu seinen Gunsten gewertet wurde. Als Bewährungsauflagen wurden Trainings zur Selbstkontrolle mit Alkohol sowie ein Anti-Gewalttraining angeordnet.

Mäßigungsgebot: Ein Jahr nicht mehr als 0,5 Promille

Das Schöffengericht sprach zudem ein Mäßigungsgebot aus – sollte er bei einer Zufallskontrolle mehr als 0,5 Promille haben, wird die Bewährung widerrufen. Nach der Verurteilung wegen Vergewaltigung, sexuellem Übergriffs und Belästigung kam der 23-Jährige sofort frei.

Im Prozess hatte der 23-Jährige (2. v. li., mit im Bild Strafverteidiger Jörg Meyer, 2. v. re.) alle angeklagten Taten gestanden. Der Mann stand nicht das erste Mal vor Gericht. Foto: Baumgarten