Trio drohte Ex-Drogenkurier mit Folter – das endet im Jugend-Arrest

Von André Baumgarten · 27. Juli 2023 um 16:32

Zwei 16-Jährige wollten 2020 im Drogengeschäft mitmischen. Eine alte, offene Rechnung forderten sie und ein Freund (20) im Oktober 2022 nahe dem Regensburger Hauptbahnhof ein. Das brachte sie nun vor Gericht.

Zwei heute 18-Jährige wollen im Drogengeschäft mitspielen, doch im Oktober 2020 läuft ein Deal schief – der Kurier, der am Prüfeninger Bahnhof für sie die Ecstacy-Pillen übergab, kam ohne das Geld wieder. Zwei Jahre später hatte die Geduld der unglücklichen Dealer ein Ende – mithilfe eines 20-Jährigen drohten sie dem einstigen Gehilfen nahe dem Bahnhof in Regensburg Folter an, falls sie ihr Geld nicht endlich kriegen. Sonst werde man ihm die Finger brechen oder Nägel und Zähne ziehen. Das machte offenbar großen Eindruck: Der 24-Jährige ging zur Polizei und machte dort reinen Tisch.

Versuchte räuberische Erpressung lautete der Vorwurf gegen alle drei jungen Männer; dazu Drogenhandel gegen die beiden 18-Jährigen. Das räumten sie über ihre Anwälte auch ein: „Man fand es cool, da ein bisschen mit Drogen mitzumischen“, so Strafverteidiger Philipp Janson. Verkauft wurde jedoch nur zum Selbstkostenpreis.

Angeklagte bestreiten Androhung von Gewalt

Auch das Treffen nahe einer Bankfilliale unweit des Regensburger Hauptbahnhofs gab es − doch da sei nie mit Gewalt gedroht worden, wie Maximilian Keser betonte. Der Dritte im Bunde ließ Strafverteidigerin Prabhlin Sidhu erklären, dass er die Freunde ledilgich unterstützen wollte.

Der Kurier, der einst ohne Geld von dem Ecstacy-Deal im Landkreis zurückkam, war am 10. Oktober 2022 per WhatsApp zum Treffen gelockt worden. Er glaubte, dort würde ein heißes Date auf ihn warten. Doch tatsächlich traf er unweit einer Bank auf die Angeklagten. So schilderte er das gestern im Prozess.

Angebot von Rückzahlung in Raten abgelehnt?

Um die Schulden zurückzuzahlen, habe er 100 Euro monatlich angeboten – „das wollten sie nicht“. Stattdessen sollen sie 10 000 Euro plus Zinsen gefordert und ihm drei Tage Zeit gegeben haben. Dann gingen alle ihrer Wege und der 24-jährige Kurier ohne Date aber voller Angst zur Polizei.

Genau das gab für das Schöffengericht den Ausschlag, dem Opfer trotz einiger Widersprüche zu glauben: „Es erschließt sich kein Motiv, warum er sich selbst anzeigen sollte“, sagte Richter Christian Ehrl in der Urteilsbegründung. Der misslungene Deal sei lange her gewesen. „Warum hätte er also sofort zur Polizei gehen sollen?“ Ohne eine Androhung harter Konsequenzen mache das keinen Sinn.

Das Schöffengericht in Regensburg gehe nicht davon aus, dass die Angeklagten ihr Opfer wirklich foltern wollten. Das „Drohen mit Sachen, die man von großen Jungs kennt“, so Ehrl, sei rechtlich gesehen dennoch eine versuchte räuberische Erpressung.

Urteil: Jugendarrest für alle drei Angeklagten

Die 18-Jährigen, die sich als Drogendealer versucht hatten, bekamen zwei Wochen Dauerarrest. Der 20-Jährige, der ihnen dabei half, muss auch für eine Woche in Dauerarrest.