Diese Kinder in Neustadt a.d. Donau brauchen keine Handys

Von Jochen Dannenberg · 31. Juli 2023 um 15:29

Die Spielewoche, die „Mutter“ der Neustädter Ferienaktionen, ist wieder da. Am Montag hat sie begonnen und einer ist dabei, der hat alle Spielewochen erlebt. Inzwischen bringt er sogar seine Tochter mit.

45 Jahre ist Wolfgang Hertlin alt und er hat keine Spielewoche ausgelassen. „Seit der Jugend bin ich hier als Helfer dabei“, sagt er. „Am Anfang war es mit der Feuerwehrjugend.“ Die war nämlich eine der treibenden Kräfte bei den Anfängen der Spielewoche.

„Das war damals im Anton-Treffer-Stadion“, erzählt Wolfgang Hertlin. „Da wurde sogar noch vor Ort gekocht.“ Damals – das war vor über 30 Jahren. Doch die Zeiten haben sich geändert. Das Essen für die Kinder wird heutzutage geliefert – am Montag gab es Spaghetti Bolognese vom Lieferservice – und die Spielewoche findet auch nicht mehr im Stadion statt. Vor einigen Jahren ist sie zur Grundschule umgezogen.

Doch die Motivation ist für Wolfgang Hertlin gleich geblieben. „Man ist für die Kinder da“, sagt er. „Die Kinder brauchen eine Anleitung für die Arbeit im Hüttendorf.“ So hat der 45-Jährige auch erlebt, wie seine eigenen Kinder die Spielewoche besuchten – und geblieben sind. Tochter Klara ist erst elf Jahre alt und erstmals als Betreuerin im Einsatz. Sie ist für die Ausgabe der Nägel im Hüttendorf zuständig. „Es ist schön und spannend und was anderes als zu spielen“, sagt sie an diesem Montag nach den ersten Stunden an diesem Montagmorgen als Helferin.

168 Kinder in diesem Jahr

Ansonsten ist die Spielewoche wieder wie ein großer Ameisenhaufen. Überall wird gespielt, gebastelt oder eben, wie im Hüttendorf, richtig gearbeitet. 168 Kinder sind in diesem Jahr angemeldet, sagt Monika Weber, die für Generationenarbeit und Teilhabe in der Stadtverwaltung zuständig ist. 45 Helferinnen und Helfer kümmern sich um die Kinder fünf Tage lang von morgens um acht bis nachmittags um 16 Uhr. Viele dieser Mitarbeiter waren früher als Kinder bei der Spielewoche, etliche sind heute ehrenamtlich in den Neustädter Vereinen tätig.

Angeboten werden vor allem Bastelarbeiten und Spiele. Die Kinder sind begeistert dabei. Keines sitzt mit einem Handy in der Ecke. Die Kinder spielen miteinander. Das sei ein wichtiger Bestandteil der Spielwoche, erklärt Monika Weber. „Wir haben den Eltern gesagt, die Kinder brauchen in dieser Woche keine Handys.“

Und so begann die Ferienaktion an diesem Montag denn damit, dass sich die Kinder mit Teamspielen kennenlernten und sich an verschiedenen Stationen ausprobierten.

Vor allem ging es darum, dass das Miteinander unter den Kindern gefördert wurde. Dazu gehörte auch, dass es kein klassisches Spielzeug gibt. Stattdessen flochten Kinder aus Wollresten Zöpfe, malten, bauten am Hüttendorf und freuten sich, wenn ihre Gesichter bemalt wurden.

Daneben wagt man in diesem Jahr einen neuen Schritt. Erstmals ist die Spielewoche übrigens inklusiv.

Besondere Betreuung

Zwei Kinder benötigen eine besondere Betreuung, bei einem der beiden Kinder ist sogar eine Betreuungsperson ganztägig vor Ort. „Wir arbeiten in diesem Punkt mit der Offenen Behindertenarbeit (OBA) Magdalena im Landkreis Kelheim und der OBA des BRK Kelheim zusammen“, erklärt Weber.

Niemand ist allein. Die Spielewoche setzt auf Gruppenarbeit. Foto: Dannenberg
Auch Schafkopfen und Mensch-ärgere-Dich-nicht gehören zu den Spielmöglichkeiten. Foto: Dannenberg
Viele bunte Stifte und jede Menge Papier Foto: Dannenberg
Die Mädchen warten geduldig, bis sie an der Reihe sind. Dannenberg