„Habe es noch nie so brennen sehen“: Paar aus Roding erlebte dramatische Tage auf Rhodos

Matthias Kerscher aus Wiesing, einem Stadtteil von Roding im Kreis Cham, und seine Freundin Sara Baumer haben einiges zu erzählen. Die beiden haben Urlaub in Kiotari auf Rhodos gemacht. Doch dann der Schock: Die Waldbrände kamen ihrem Hotel gefährlich nahe, das Paar musste evakuiert werden.
In den ersten vier Urlaubstage konnten sie sich – wie geplant – am Strand entspannen. Doch dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Angefangen hat alles noch recht harmlos, schildert Sara Baumer die folgenden Stunden. Am Donnerstagabend habe man nur etwas Rauch gesehen. Es sah fast wie Gewitterwolken aus, berichtet sie.
Am nächsten Tag war zunächst nichts zu sehen. Sie seien dann an den Strand gegangen, und da hat der Rauch dann bereits die Sonne verdeckt, und es fiel Asche vom Himmel. Die beiden sind zurück aufs Zimmer und beschlossen, ihre Sachen zu packen.
„Gott sei Dank sind wir aufs Zimmer gegangen. Als ich dann rausgeschaut habe, habe ich nur noch Flammen gesehen. Das war einfach eine Feuerwand. Ich habe es noch nie so brennen sehen“ sagt Matthias Kerscher.
Rodinger Urlauber mit Militärbooten evakuiert
Ihre Koffer stellten die beiden in der Lobby des Hotels ab, dann begann auch schon die aus ihrer Sicht ziemlich improvisierte Evakuierung. Ein Hotelangestellter sei herumgegangen und habe überall geklopft und die Leute aufgefordert, ihre Sachen zu packen. Es hieß, sie sollen an den Strand und dann einfach den Leuten nachgehen.
Vom Strand war es dann eine halbe Stunde Fußmarsch, bis sie mit Pickups zu einem Supermarkt gebracht wurden, von da ging es weiter mit dem Bus an den Strand von Gennadi, dem nächsten Ort. Dort waren bereits viele evakuierte Touristen. In den ersten drei Stunden hätten die beiden noch gedacht, dass sie bald ins Hotel zurückkehren können.
In der Nacht, vielleicht um ein Uhr, wurden sie aber mit Militärbooten auf Fähren gebracht. „Das war fast das Schlimmste. Alle wollten auf die Boote“, sagt Baumer. „Wir haben noch geschaut, dass die Kinder zuerst auf die Boote kommen. Die hatten auch Angst, das ist ja klar. Wir alle hatten Angst. Aber da haben sich einige sehr egoistisch verhalten und wollten nur aufs Boot“, erinnert sich Matthias Kerscher.
Nach zwei Stunden auf der Fähre seien sie in Rhodos Stadt angekommen. Da sei es vier Uhr in der Nacht von Samstag auf Sonntag gewesen. In Rhodos Stadt wurden sie zu einer Schule gebracht. Die ganze Evakuierung sei sehr chaotisch verlaufen, berichten die beiden Urlauber. Es waren keine Hilfskräfte im Einsatz, sondern Schüler und Lehrer kümmerten sich um die Ankömmlinge.
Die komplette Schulanlage war voll mit evakuierten Urlaubern. Die Schüler erzählten ihnen, sie hätten ihren Abschluss vor einigen Wochen gemacht. Wirklich weiterhelfen konnten sie ihnen in ihrer Lage aber nicht.
„Aber man muss schon sagen, sie waren sehr nett und hilfsbereit. Sie haben sich gut um uns gekümmert“, sagt Kerscher. Die Schule war überhaupt nicht auf die Evakuierten vorbereitet. Zwei Stunden hätten sie am Gang geschlafen. Die Toiletten waren für einige Zeit zugesperrt, Duschen habe es keine gegeben. Aber sie wurden mit Wasser und Lebensmitteln versorgt. Diese stammten aus Spenden, die die Menschen in Rhodos vorbeigebracht haben, wie das Paar erfuhr. Die Schüler hätten sogar eine griechische Nacht mit Tanz organisiert, um die Stimmung der evakuierten Urlauber aufzuheitern. Das habe allerdings nicht geklappt.
Zunächst gab es auch keine Ansprechpersonen vor Ort, die ihnen weiterhelfen konnten. Später sei ein Mitarbeiter des Reiseveranstalters TUI gekommen. Der habe allerdings auch nicht gewusst, wie es weitergeht. Von ihrem eigenen Reiseveranstalter indes haben sie zunächst nichts gehört. An der Hotline konnte man ihnen weder etwas über Hotels noch über einen Rückflug sagen. Offizielle – bis auf die Schüler und Lehrer der Schule – gab es nicht. „Da haben wir uns schon alleingelassen gefühlt“, sagt Sara Baumer.
Das größte Problem in der Schule war der Strom, denn es gab nur wenige Steckdosen, die alle waren belegt waren, weil alle ihre Smartphones aufladen wollten, berichtet sie. Es habe einige Zeit gedauert, bis Baumer ihre Handys aufladen konnte. Damit konnten sie immerhin Kontakt zum Reiseveranstalter aufnehmen und per App nach Flügen zurück nach Deutschland zu schauen.
Die Suche nach einem Rückflug war zunächst erfolglos. „Wir hätten alles genommen. Aber entweder waren die Flüge alle voll belegt oder die Seite der Anbieter ist abgestürzt. Ich habe nach allem geschaut: Hamburg, München, Freiburg, Frankfurt, Prag, einfach alles. Aber da gab es nichts“, sagt Matthias Kerscher. Mitten in der Nacht von Sonntag auf Montag sei er aufgewacht und hat wieder nach Flügen gesucht. Und er wurde fündig. Glücklicherweise hat er einen Flug nach Prag gefunden. Mit dem Taxi ging es zum Airport, und am Montag in den Morgenstunden sind sie dann endlich im Flieger nach Prag gesessen.
Koffer sind noch auf Rhodos
Mittlerweile sind die beiden wohlbehalten in Roding angekommen. Auf ihre Koffer, die sie im Hotel zurücklassen mussten, müssen sie wohl noch eine Weile warten. Sie stehen mit ihrem Reiseveranstalter in Kontakt und hoffen, dass sie ihre Koffer nachgeschickt bekommen.
Zum Abschied wünschten ihnen die Schüler übrigens Glück, was für die beiden ein wenig befremdlich war. „Deren Heimat brennt. Ich fliege zurück und bin daheim“, sagt Sara Baumer.
