Seit über 30 Jahren organisiert Elke Memmel mit dem MuK-Verein das Pösinger Open Air

Von Benjamin Riehl · 26. Juli 2023 um 05:00

Sage und schreibe zehn Acts kommen am Samstag nach Pösing auf das Open-Air. Wir haben mit Organisatorin Elke, Roya und Leah Memmel über das Festival, Musik und schlechtes Wetter gesprochen.

Seit mittlerweile 31 Jahren organisiert Elke Memmel, Vorsitzende des Musik- und Kulturvereins Pösing, zusammen mit weiteren Mitgliedern das Pösinger Open Air. Im Verein wird sie liebevoll „die Chefin“ genannt. „Weil sie alles zusammenhält und alle motiviert, gerade wenn‘s schwierig ist“, sagt Tochter Leah. Das Pösinger Open Air ist die größte Aktion des Vereins, aber beileibe nicht die einzige. Regelmäßig organisiert der Verein die Wirtshauskonzerte, und nach Beginn des Ukraine-Krieges haben die Mitglieder ein Benefiz-Festival aus dem Boden gestampft, bei dem 25 000 Euro zusammengekommen sind. Und das alles ehrenamtlich.

Freiwilliger Unkostenbeitrag

Der Eintritt ist frei, aber es wird um einen „freiwilligen, vernunftgesteuerten Unkostenbeitrag“ gebeten wie Elke Memmel es formuliert. Neu ist, wer mindestens 20 Euro spendet, bekommt in diesem Jahr ein Festival-Bändchen ans Handgelenk. Nachwuchsprobleme hat der Verein nicht. Memmels Töchter Roya und Leah sind auch aktiv im Verein und haben das diesjährige Festival mit organisiert.

Viele der aktiven Vereinsmitglieder hätten bereits Kinder, die aktiv sind.Über den freiwilligen Eintritt lässt sich das Festival indes nicht finanzieren. Die Haupteinnahmen kommen vom Ausschank, sagt Elke Memmel. Mit den Einnahmen sind sie dann in etwa kostendeckend. „Wenn das Wetter mitspielt“, sagt sie.

Wenn es regnet, kommen wenig Leute, die Gagen für die Künstler blieben aber dennoch. Vergangenes Jahr war das der Fall, ausgerechnet beim Jubiläum. „Da hat es das ganze Festival heruntergeschüttet“, sagt die Vorsitzende. Wenn das Wetter mitspielt, hätten sie schon so an die 1500 Zuschauer. Für dieses Jahr sieht es, was das Wetter angeht, gut aus. „Wir gucken halbstündlich“, scherzt Tochter Roya Memmel.

Die Arbeit beginnt schon im Herbst. Dann wählt das Auswahlteam, zu dem in diesem Jahr auch Roya gehört, die ersten Bands aus. Das Programm muss im Februar oder März bereits feststehen, denn dann geht es langsam in die Werbung. Der eigentliche Aufbau beginnt ab Mittwoch davor.

Die Bühne ist mittlerweile fest installiert und muss nur noch mit Planen vorbereitet werden, falls schlechtes Wetter kommt. Doch mit dem Samstag ist die Arbeit noch nicht erledigt. Denn nach dem Festival steht für die Vereinsmitglieder das Aufräumen und Abbauen an. Wenn es gut läuft, seien sie damit am Montag danach fertig, manchmal seien sie aber auch am Dienstag noch beschäftigt. Wichtig ist den drei Organisatorinnen, dass sie auch selbst Spaß auf ihrem Festival haben. „So drei Schichten an der Kasse oder am Ausschank übernimmt jede von uns. Aber bei Erwin und Edwin haben wir geschaut, dass wir keine Schichten haben, weil wir die uns selbst anschauen wollen“, sagt Roya Memmel.

Der Spaß steht im Vordergrund. „Wir machen ein Festival, auf das wir selber gerne gehen würden. Wir wählen die Gruppen nicht nur aus, weil sie viel Publikum ziehen. Wenn uns eine Band nicht gefällt, dann nehmen wir sie auch nicht“, sagt Leah Memmel. Das mache auch den Charme des Pösinger Open Air aus, dass die Vereinsmitglieder mit Herzblut und ehrenamtlich in der Freizeit ein Programm auf die Beine stellen, das Spaß machen soll. Gerne kämen Künstler oft wieder zu ihrem kleinen Festival, sagt Elke Memmel. Und wer aus dem Veranstalterteam die Gruppe im Programm haben will, kümmert sich um die Abwicklung und die Verträge mit den Künstlern.

Besondere Mischung

Dadurch, dass die Vereinsmitglieder unterschiedliche Geschmäcker haben, kommt auch eine besondere Mischung auf das Festival. „Wir wollen lokale Acts, aber auch Internationales“, sagt Leah Memmel. Da sei für jeden etwas dabei, sagen die drei Organisatorinnen. In diesem Jahr reicht die Mischung von Blasmusik über HipHop und Metal zu Electro-Sounds der Wiener Erwin und Edwin.

Beim Start mit Frühschoppen kommt das ganze Dorf zusammen. „Das hat schon fast Dorffest-Charakter“, sagt Roya Memmel. Bis vor einigen Jahren ging das Open-Air über zwei Tage, mit Zeltlager. Aber der Müll nahm überhand, und so beschloss der Verein, das Festival auf einen Tag zu konzentrieren. Wer campen will, kann das dennoch tun.

In über 30 Jahren gab es einige denkwürdige Auftritte. Zum zehnten Open-Air kam InExtremo nach Pösing, da waren die Vereinsmitglieder aufgeregt. Die Mittelalter-Rocker sind bekannt für die fulminante Feuershow bei ihren Konzerten. Da war es Elke Memmel schon etwas bang, ob da nichts auf der Bühne passiert. „Die Bühne ist ja komplett aus Holz, und wenn die da mit Feuer rummachen – da hatten wir schon etwas Bedenken“ , erinnert sie sich. Am Ende lieferten InExtremo eine gelungene Show ohne Unfälle.

Wie lange es das Festival noch geben wird, steht indes fest. „Wenn es einmal keinen Spaß mehr macht, wird es das Festival nicht mehr geben“, sagt Elke Memmel. Aber danach sieht es bei den drei Memmels noch lange nicht aus.