Er hütet nicht nur seine Schäfchen: Pfarrer Markus Urban nimmt seine Hühner mit in den Urlaub

Von Petra Beer-Dausch · 23. Juli 2023 um 11:19

Der Pfarrer von Schwarzhofen und Dieterskirchen im Landkreis Schwandorf ist ein Tierfreund durch und durch. Im Gespräch mit der Mittelbayerischen hat Markus Urban verraten, dass seine Hühner sogar mit in den Urlaub fahren – und warum der damalige Kardinal Joseph Ratzinger sich einst die kleine Kirche im Garten der Urbans angeschaut hat.

Eine Eselwanderung als Jubiläumsgeschenk für den Pfarrer? Was anderswo vielleicht für verwundertes Kopfschütteln gesorgt hätte, war im Fall von Markus Urban (44) ein Volltreffer.

Der Pfarrer von Schwarzhofen und Dieterskirchen ist ein Tierfreund durch und durch, hat eigene Hennen und einen Gockel, geht regelmäßig mit dem Hund seiner Schwester spazieren und hätte tatsächlich selbst gern einen Esel – wenn es die Zeit zuließe.

Im Gespräch mit der Mittelbayerischen hat er verraten, dass seine Hühner sogar mit in den Urlaub fahren, warum der damalige Kardinal Joseph Ratzinger sich einst die kleine Kirche im Garten der Urbans in Waldmünchen angeschaut hat und warum für ihn der Priestermangel eher mit der Situation in vielen Familien denn mit dem Zölibat zu tun hat.

Der Weg ins Priesteramt und nach Schwarzhofen

„Du hast ja Pfarrer werden müssen!“ Diesen Satz hat Markus Urban schon oft gehört. Sein Vater war Mesner in Waldmünchen, seine Mutter bewirtschaftete das Pfarrheim Gaubaldhaus, die Familie wohnte im Pfarrzentrum immer Tür an Tür mit den Seelsorgern. Markus Urban „musste“ nicht Pfarrer werden, aber „ab dem vierten Lebensjahr habe ich gesagt, ich werde Pfarrer“ – später dann mit dem Zusatz: „Wenn ich das nicht werde, dann Mesner“.

In der vierten Klasse kommt dann Wolfgang Häupl, der heutige Pfarrer von Waldmünchen, ins Spiel. Als junger Kaplan hat er Markus Urban unterrichtet und ihm den Weg zum Priesterberuf aufgezeigt: Über die Hauptschule, Wirtschaftsschule und die Spätberufenenschule Fockenfeld führte der zum Abitur und zum Eintritt ins Regensburger Priesterseminar. 2007 wurde Markus Urban zum Priester geweiht. Im elften Jahr ist der 44-Jährige mittlerweile als Seelsorger für die Pfarreien Maria vom Siege, Schwarzhofen, und St.Ulrich, Dieterskirchen, zuständig. Es ist seine erste Pfarrstelle.

Besuch von Kardinal Ratzinger

Als Kind habe er den Priesterberuf immer als einen der schönsten erlebt, blickt Markus Urban zurück. „Ich könnte mir heute noch nichts anderes vorstellen.“ Als Pfarrer begleite er Menschen jeden Alters – im wahrsten Sinne von der Wiege bis zur Bahre. Schon als „Mesnerbou“ in Waldmünchen habe er die kirchlichen Feste viel intensiver mitbekommen, aber auch erlebt, dass seine Eltern nie am Sonntag frei hatten. Er habe schon früh viel mitgeholfen in seiner Heimatpfarrei. Sein schönstes Erlebnis als Kind sei 1987 eine Begegnung mit Kardinal Joseph Ratzinger gewesen. Der besuchte eigentlich die Trenck-Festspiele, und der achtjährige Markus fragte ihn: „Willst amal a schaine Kirch sehn?“ Der Kardinal sagte Ja und Markus Urban zeigte ihm die kleine Holzkirche, die sein Vater für ihn im Garten gebaut hatte. „So etwas bleibt in Erinnerung.“

Gelebter Glaube in der Familie als Grundlage

Markus Urban ist Pfarrer mit Leib und Seele, mit Engagement und Empathie, dabei zugänglich und bodenständig, hat immer ein offenes Ohr – kein Wunder, dass er in der Pfarreiengemeinschaft beliebt ist. Doch „Überzeugungstäter“ wie er werden immer seltener. Auf die Frage nach Gründen für den Priestermangel antwortet er unter anderem, dass Religion und Glaube in der Familie heute fast keine Rolle mehr spielen.

Urban ist der Meinung: „Wenn in Familien der Glaube gelebt wird, dann wächst auch das Interesse für religiöse Berufe wieder.“ Wie kommt der Glaube wieder in die Familien? Wie kann die Kirche die jungen Familien erreichen? Das seien entscheidende Fragen. Leider gebe es dafür kein Patentrezept. Zum vielfach diskutierten Zölibat als Ursache für den Priestermangel verweist der 44-Jährige darauf, dass auch die evangelische Kirche Probleme habe – obwohl es dort keinen Zölibat gebe und auch Frauen als Pfarrerinnen arbeiten.

Primizspruch bringt das Bild von Gott zum Ausdruck

„Wir haben einen Priestermangel, es gibt aber auch einen Gläubigen-Mangel“, sagt Markus Urban. Er geht davon aus, dass „wir in der Kirche ein kleinerer Kreis werden.“ Der 44-Jährige ist aber fest überzeugt, dass „die Kirche nicht untergeht. Denn nicht wir machen die Kirche, sondern es steht noch einer drüber – nämlich Jesus“. Und der habe versprochen, dass es weitergehe, vielleicht gebe es sogar eine Art Neuanfang. Der Glaube sei ein Geschenk von Gott an jeden Einzelnen, aber die Menschen müssten dieses Geschenk auch annehmen. In seinem Primizspruch aus der Apostelgeschichte „Keinem von uns ist er fern. Denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ komme sein Bild von Gott sehr gut zum Ausdruck, so Urban. „Er ist keinem Menschen fern. In die Liebe Gottes sind wir alle eingeschlossen.“

Den Glauben anders leben

Aber die Zahl der Kirchenaustritte steigt: Fällt es den Menschen heutzutage schwerer, die Liebe und den Glauben als Geschenk anzunehmen? „Ich denke, viele Leute treten aus der Kirche aus, sind aber noch gläubig. Viele Menschen, die der Kirche nicht angehören, haben eine Begeisterung für Gott.“ Es gebe viele, die ihren Glauben anders leben. Auch die seien bei ihm willkommen. Als Pfarrer müsse einem jeder Mensch am Herzen liegen. „Der Mensch, der gerade vor einem sitzt, der muss in dem Moment der wichtigste sein.“

Weniger Pfarrer – größere Einheiten

Dabei soll die Zahl der Menschen, um die sich ein Geistlicher kümmern muss, ja noch deutlich steigen. Die pastorale Planung sieht aktuell vor, dass die Einheit Schwarzhofen-Dieterskirchen nochmals um Winklarn und Thanstein vergrößert wird. Als Markus Urban 2012 nach Schwarzhofen und Dieterskirchen kam, bestand die Pfarreiengemeinschaft bereits seit zehn Jahren, war gefestigt. „In der Zeit war schon viel gewachsen, es wird gut zusammengearbeitet.“ Dabei betont der 44-Jährige ausdrücklich, dass der Pfarrer allein die Arbeit nicht stemmen könne, auf die Hilfe und das Engagement der vielen Ehrenamtlichen angewiesen sei. Urban ist überzeugt, dass sich das religiöse Leben auch in größeren Einheiten gut gestalten lasse – wenn die Gläubigen entsprechend mitmachen. Den Leuten müsse klar werden, dass der Pfarrer dann nicht mehr überall dabei sein kann, dass sie auch einmal eine Andacht oder einen Wortgottesdienst selbst gestalten müssen, dass nicht an jedem Ort am Sonntag eine Messe stattfinden kann. „Das sind oft noch schwierige Themen, aber da müssen sich die Leute umstellen.“

Durchschnaufen bei den Italienern

Wenn die Pfarreiengemeinschaften immer größer und damit die Arbeit immer mehr wird, werde es für die Geistlichen umso wichtiger, sich Auszeiten zu nehmen. Wenn Markus Urban Zeit zum Durchschnaufen hat oder braucht, dann genießt er es, „draußen zu sitzen und den Hühnern zuzuschauen.“ Der tierliebe 44-Jährige hält beim Pfarrhof in Schwarzhofen sechs Hennen und einen Gockel – Italiener. „Das ist eine alte Rasse, die es früher auf jedem Bauernhof gab.“ Von den 20 Farbenschlägen hat er sich für rebhuhnfarbig entschieden. Die Italiener waren gar nicht so leicht zu finden, die ersten hat der Pfarrer aus Neuburg an der Donau geholt. Seine Familie habe immer Tiere gehalten, Hasen, Kaninchen, Hühner, Gänse und Ziegen. „Ich habe später immer gesagt, ich möchte eine Landpfarrei und dann halte ich mir wieder Hühner.“ Gockel Hansi VII. weckt im Sommer meist gegen 4 Uhr.

Ein Blick in die Zukunft

Wenn Markus Urban jetzt im August Urlaub hat, dann nimmt er seine Hühner mit – es geht wie immer heim nach Waldmünchen, wo er einen eigenen Stall gebaut hat. Wenn er am Montag seinen freien Tag hat, kümmert sich in Schwarzhofen die Nachbarin um Hennen und Gockel. Im Urlaub geht der Pfarrer auch wieder mit Berry, dem Hund seiner Schwester, am Perlsee spazieren. Für einen eigenen Hund fehle ihm die Zeit – und auch für einen eigenen Esel. Aber vielleicht bekommt er ja vom Pfarrgemeinderat wieder einmal eine Eselwanderung geschenkt? Vielleicht beim nächsten Jubiläum? „Ich fühle mich wohl hier“, sagt Markus Urban auf Nachfrage. Er könne sich gut vorstellen, noch länger zu bleiben und auch die größere Pfarreiengemeinschaft zu führen. Aber das sei nicht seine Entscheidung.

Mit dem Hund seiner Schwester geht der Geistliche gern in Waldmünchen um den Perlsee spazieren. Foto: Urban
Die Eselwanderung ab Oberauerbach kam gut an. Foto: Urban
Zum zehnten Priesterjubiläum gab es als Geschenk vom Pfarrgemeinderat einen Hut. Foto: Adolf Mandl, Archiv