Rehbock Xaverl schaut bei Neunburg täglich Fernsehen – am liebsten Günther Jauch

Von Randolf Alesch, Jan Lange · 7. Juli 2023 um 05:00

Es ist eine besondere Mensch-Tier-Beziehung: Seit zwei Jahren lebt ein Rehbock bei Horst und Heidi Lang. Während in anderen Familien ein Hund oder eine Katze auf dem Sofa hocken, ist es bei dem Ehepaar aus Penting (Landkreis Schwandorf) der zweijährige Xaverl. So haben die beiden passionierten Jäger den Rehbock getauft, der ein ungewöhnliches Hobby hat.

Im Mai 2021 fand Horst Lang ein Kitz, dessen Mutter überfahren wurde. Er zog es mit seiner Frau groß. Eigentlich wollte Horst Lang das Kitz in eine Aufzugsstation bringen, doch seine Frau meinte: „Unser Xaverl kommt nicht weg, den ziehen wir groß.“

Aus dem kleinen Reh wurde inzwischen ein kräftiger Bock. Dass er nicht für immer bei ihnen bleiben kann, war den Pentingern klar. Zum Beginn der Paarungszeit im Juli 2022 sollte Xaverl ausgewildert werden. Horst und Heidi Lang begleiteten ihn zu einem Maisfeld, in das er verschwand. Als die Waidfrau dann nachts nach Hause kam, stand Xaverl plötzlich wieder in seinem Gehege. Seitdem ist das Gatter immer offen, so dass er jederzeit nach draußen kann. Einmal war er vier Tage weg, wurde rund fünf Kilometer entfernt gesichtet und kam dann wieder zurück.

Von Anfang an stubenrein

„Draußen hat er nämlich kein Fernsehen“, meint Lang schmunzelnd. Denn der Bock macht es sich gerne auf dem Sofa bequem und schaut TV, am liebsten „Wer wird Millionär“. Wenn Günther Jauch die Kandidaten mit seinen Fragen löchert, lässt sich Xaverl nicht stören. Er schaut dann genau hin, so als würde er die Fragen und Antworten verstehen.

Dass er sich mit seinen Zieheltern auf dem Sofa gemütlich macht, ist vor allem deshalb möglich, weil der Rehbock von Anfang an stubenrein war und alle vier Stunden raus geht, um sein Geschäft zu verrichten.

Da Rehe viel besser hören als Menschen, muss die Lautstärke des Fernsehers aber zurückgedreht werden. Es kommt auch hin und wieder vor, dass er beim Fernsehen einschläft – allerdings nie, wenn Günther Jauch mit seiner Rateshow über den Bildschirm flimmert. Warum Xaverl ausgerechnet „Wer wird Millionär“ so mag, kann sich Horst Lang nicht wirklich erklären.

Der junge Rehbock ist auch ein richtiger Feinschmecker, erzählt Heidi Lang. Neben Blättern und Haferflocken frisst er vor allem Weintrauben, Beerenobst und Gurken. Traurig wird das Tier, wenn Heidi Lang wegfährt. Dann fiept er immer hinterher. Eine Ausnahme gibt es: Wenn Heidi Lang in die Arbeit fährt, bekommt der Bock zur Ablenkung ein Rippchen Zartbitterschokolade. Die mag er besonders.

Rehbock ist inzwischen fast ausgewachsen

Inzwischen wiegt der zweijährige Gabler, so wird er in der Jägersprache genannt, knapp 20 Kilogramm und ist fast ausgewachsen. „Ganz goldig war er, als wir über Weihnachten beide an Corona erkrankt waren. Da ging er uns nicht von der Seite, bis wir gesund waren“, erinnert sich Heidi Lang. Manchmal wird der Bock aber auch ganz schön bockig, erinnert sich ihr Mann schmunzelnd: Einmal knabberte er das Telefonbuch an und wurde deshalb geschimpft, worauf er eingeschnappt das Telefonbuch auf den Boden zog und kopferhoben wie ein kleines Kind beleidigt abdrehte.

Von Mitte Juli bis Anfang August ist Paarungszeit. Da wird Xaverl sicherlich wieder für ein paar Tage verschwinden, aber auch wieder zurückkommen, sagt Horst Lang überzeugt. Wenn er ein Weibchen finden würde, käme er dagegen sicher nicht mehr zurück, glaubt er. Selbst wenn es diesmal nicht klappt mit der Auswilderung, wollen es die Pentinger nächstes Jahr erneut versuchen. Spätestens mit drei Jahren sei er weg, ist sich Horst Lang sicher. „Wenn er trotzdem bleiben will, kann er natürlich bleiben“, so der Hausherr. Dann müsste sich der Bock aber sein Futter selbst suchen.

Tier ist besonders markiert

Auf keinen Fall würde er ihn irgendwo in der Ferne aussetzen. Das findet er herzlos. „Er soll von selber gehen“, sagt er. Horst Lang hat auch Angst, das Jäger den Rehbock in der Fremde abschießen. In der näheren Umgebung kann das nicht passieren, denn alle Jagdpächter und Förster wurden informiert, ihn nicht zu jagen. Damit er von den anderen Rehböcken unterschieden werden kann, wurde Xaverl mit einer blauen Ohrmarke und einem gelb-rot leuchtenden Halsband markiert. „Ich bin immer froh, wenn er wieder gesund zurück ist“, so Heidi Lang. „Er könnte ja auch überfahren werden.“

Selfie mit dem Vierbeiner: Der Pentinger Horst Lang und sein Freund Foto: Lang