Sie lassen die Seen am Mittelaltermarkt erstrahlen: Einblicke in die Produktion der Lichter-Schiffchen

Von Ralf Gohlke · 17. Juli 2023 um 15:00

Den krönenden Abschluss der Festspielsaison in Neunburg bildet der Mittelaltermarkt mit Hussitenlager im Stadtpark, der heuer am 28.Juli seine Tore öffnen wird. Was für die Besucher entspannend und unterhaltsam wirkt, bedeutet hinter den Kulissen viel Arbeit: Denn die vielen Lichter, die die beiden Seen in jedem Jahr schmücken, werden in Handarbeit gefertigt.

Und zwar von Karin und Franz Binder – auch nachdem sie ihren Job als Organisatoren des Spektakels bereits in jüngere Hände gelegt haben. Franz Binder zeigt auf mehrere Kunststoffkisten, in denen sich bereits die Lichter für die Wasser-Illumination stapeln. „Pro Abend brauchen wir für beide Seen rund 200Lichter, damit das Ganze auch seine Wirkung erzielt“, schildert er. 400 sind es also für Freitag und Samstag. Die Lichter sind aus halbierten Blechdosen gefertigt, gefüllt mit Hobelspänen, die mit Kerzenwachs durchtränkt wurden. Ind er Anfangszeit wurde dafür noch mit Watte und Petroleum experimentiert. Aus Gründen des Umweltschutzes gab man das aber wieder auf.

Die Herstellung der Lichter ist die Aufgabe von Karin Binder. „Wir haben schon vor rund 20 Jahren bei Freunden und Bekannten wegen alten Kerzen nachgefragt und bekommen seither ständig welche geliefert“, sagt sie.

Kerzenspenden als Basis

Die stapeln sich mittlerweile in einem extra Raum. Dabei handelt es keinesfalls nur um Stummel oder Wachsreste. Es sind zum Teil Leuchterkerzen in Originalverpackung und richtige Schmuckstücke darunter. Letztere stammten nicht selten aus Wohnungsauflösungen und sind unbenutzt. Auch die in den siebziger und achtziger Jahren so beliebten Wachssiegel sind darunter. Beim Einschmelzen muss Karin Binder darauf achten, dass das die Flüssigkeit nicht zu kochen beginnt, was schnell zu einem Brand führen könnte. Pro Abend schafft sie bis zu 30Stück, so dass sich die Produktion über gut zwei Monate hinzieht.

Franz fertigt indes die Boote für die Lichter aus Holzbrettern. Gerade hat er einen neuen Prototyp fertiggestellt, auf dem die Dosen mit Leisten fixiert werden.

Bessere Fixierung im Wasser

Das verhindert, dass die Lichter bei unruhigem Wasser herunterfallen. Zudem wird jedes der Boote mit einer Schnur und einem Rohrstück versehen, das als Anker im Schlick dient. „Früher sind die Lichter immer in Richtung Abfluss getrieben, jetzt bleiben sie dort, wo wir sie ablegen“, sagt er.

Für stimmungsvolle Beleuchtung ist also schon mal gesorgt. Ansonsten hat der Festspielverein wieder ein attraktives und unterhaltsames Programm zusammengestellt. Die offizielle Markteröffnung ist am Freitag um 18 Uhr mit der Bekanntgabe der Marktrechte und dem Aufzug der Gruppen. Abendstimmung verbreitet am oberen See die Gruppe Sagensang. Schwarzachtal Pass wird den Abend beschließen. Das traditionelle Fischerstechen, „die Schlacht bei Hiltersried“, ein Kinderturnier und vieles mehr sind am Samstag geboten. Dazu unterhalten fünf Musikgruppen. Das Highlight ist die Ameno-Signum Feuershow zu später Stunde. Der Höhepunkt am Sonntag wird das Bruchenball-Turnier zum Marktausklang.

Für die einzigartige Stimmung bei dem historischen Spektakel sorgt jedes Jahr die besondere Beleuchtung auf dem Wasser. Fotos: Ralf Gohlke Foto: Ralf Gohlke
Sogar solche besonderen Schmuckstücke erhält Karin Binder für ihre Lichter. Aber auch sie kommt in den Schmelztopf.