Protest per Dosenwerfen oder Picknicker im Park: Um das Schloss geht es während der Festspiele rund

Regensburg. Während die Schlossfestspiele am Freitag wegen der abgesagten Operngala mit Jonas Kaufmann eine unfreiwillige Zwangspause einlegen müssen, war während des ausverkauften Konzerts mit Simply Red am Donnerstag besonders viel los.
Rund um St. Emmeram versammelten sich die Menschen – aus unterschiedlichen Gründen. Viele wollten dem Konzert von Simply Red lauschen und das gratis. Die Zaungäste hatten sich beispielsweise zwischen der Basilika St. Emmeram, dem Marstallmuseum und dem Durchgang zum Schlosshof versammelt. Manche saßen auf den weißen Bänken zwischen den Rosenbeeten, manche auf dem Boden, andere standen direkt an der Absperrung.
Schwelgen in Erinnerungen
Eine von ihnen war Alexandra Schinabeck. Dass sie keine Karte für das Konzert hatte, war kein Grund für sie, sich nicht trotzdem in Abendgarderobe zu werfen. Ausgestattet mit einem Fächer schwelgte sie bei den Songs von Mick Hucknall in Erinnerungen. „Ich liebe Simply Red. Das war die schönste Zeit in meinem Leben“, erzählt sie und gesteht dabei, einige Zeit ziemlich für den Sänger mit den roten Locken geschwärmt zu haben. Ein spezielles Lied gebe es für sie nicht. „Das sind viele Lieder. Sie bringen mir dieses Gefühl von damals zurück“, sagt Schinabeck. Die Akustik an dieser Stelle bezeichnete sie als erstaunlich gut. Allerdings empfand sie den Sommerabend als noch ein wenig zu trocken. So etwas wie ein Catering an dieser Stelle wäre ihr schon recht gewesen.
Abendlicht zwischen den Bäumen, Grillenzirpen und dazu Hucknalls sanftes „Holding Back The Years“: Im Bereich der Fürst-Anselm-Allee war es so romantisch – wenn Simply Red nicht ohnehin schon zu hören gewesen wäre, hätte jemand die Platte auflegen müssen. Die Menschen lauschten auf den Bänken bei einem Glas Wein, im Gras an einer Picknickdecke sitzend oder direkt am Zaun auf der Höhe des Durchgangs zum Schlosshof, wo der Abendwind die Musik nach draußen trug.
Laut Angaben der Polizei hatten sich an diesem Abend auch 17 Teilnehmer zu einer Kundgebung beim Emmeramsplatz versammelt. Die Gruppe Aufbruch hatte zu der Protestaktion „Schloss statt Schlossfestspiele“ aufgerufen. Für kurze Zeit drückten einige Aktivisten den Festspielbesuchern beim Eingang Flyer in die Hände. Manche nahmen die Zettel an, andere lehnten ab.
Dabei hatten sich die Teilnehmer laut Markus Reitmeier, Sprecher der Regensburger Polizeiinspektion (PI) Süd, nicht am vereinbarten Ort positioniert. Deswegen mussten sie, einige Plakate und eine Bierbank samt Dosenwerfspiel vom Zaun gegenüber des Schlosseingangs in Richtung ehemaliges Evangelisches Krankenhaus umziehen. Dort ging das Dosenwerfen weiter. Die Leiterin der Aktion erwarte eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz, sagt Reitmeier. Zudem sprach er eine Ordnungswidrigkeit an: Die Flyer, die an die Gäste verteilt wurden, trugen kein Impressum.
Wem gehört das Bier?
Mit auf die PI kam nach der Protestaktion eine kuriose Fundsache: ein herrenloser Einkaufswagen voller Bierdosen, der am Emmeramsplatz stand. Da das alternative Schloss, das die Veranstalter mit dem Motto „Schloss statt Schlossfestspiele“ ins Spiel gebracht hatten, eine in Discountern erhältliche Marke Dosenbier ist, hörten sich die Polizisten bei den Teilnehmern um. „Die Kollegen haben noch bei allen Anwesenden nachgefragt, ob der Wagen mit dem Bier einem von ihnen gehört, aber alle haben verneint“, sagt Reitmeier. Natürlich könne sich der Eigentümer aber auch jetzt noch bei der PI melden, dann bekomme er alles zurück. Dafür müsse die Person nachweisen, dass ihr die Bierfuhre gehört. Das sei mit einem passendem Einkaufszettel möglich, der auf den Zeitraum vor Beginn der Kundgebung datiert ist, erklärt der Pressesprecher.


