Sehen und gesehen werden: Besucher auf St. Emmeram erobern den Schlosspark

Das Rondell zwischen Schloss und Festspielrestaurant verwandelt sich an den Konzertabenden in eine Promenade, auf der die Besucher nach bekannten oder prominenten Gesichtern Ausschau halten – und auf der sich viele von ihnen auch selbst gerne zeigen.
Einer von ihnen ist Michael Szutschek. Er hat sich für die Schlossfestspiele Urlaub genommen, war schon bei Giovanni Zarella und möchte noch zu den Konzerten mit Earth, Wind & Fire und Eros Ramazotti. „Vor Corona habe ich das mal ohne Urlaub gemacht, aber das bringt nichts“, sagt er. Jeden Abend erst nach Mitternacht im Bett, außerdem brauche er immer sechs bis acht Stunden, um nach dem Adrenalinkick der Konzerte wieder herunterzukommen. „Und dann muss man schon wieder in die Arbeit. Das mache ich nicht noch einmal“, schwört er sich.
Mutter und Sohn: Ton in Ton
Für Alphaville habe er sich entschieden, weil es sich dabei um eine deutsche Band handelt, die keine deutschen Lieder singt. Das gebe es nicht mehr so oft, sagt Szutschek. „Es ist nicht klar, wie lange sie noch spielen, deswegen will ich hier schon dabei sein“, erklärt er weiter. Zudem sei er noch nicht auf der Welt gewesen, als die Popstars ihre Erfolge feierten. Auf die Frage, was ihm an den Abenden vor und nach den Konzerten der Schlossfestspiele im Park besonders gut gefällt, muss er nicht lange nachdenken und antwortet: „Die Leute haben sich schick gemacht und haben eine gute Zeit.“
Wie Monika Stephan und ihr Sohn Timo. Sie zeigen, wie sommerlich leicht ein schwarzes Einheitsoutfit wirken kann. Während sich der Architekt für ein dunkles Hemd sowie Bügelfaltenhose und Slipper entschieden hat, holte seine Mutter einen Einteiler mit lässigen, halblangen Ärmeln und einer weiten Hose als Hingucker aus dem Schrank. Sogar die Accessoires, die an ihren Outfits blitzen, haben die Regensburger im gleichen Ton gewählt: Er trägt goldene Schnallen an den Schuhen, sie eine Kette mit großen Gliedern. Timo Stephan ist gespannt auf das Konzert mit Alphaville, schließlich sei er zehn Jahre zu jung für die 80er-Jahre-Generation, trotzdem habe er die Musik gerne. Zuvor aber hat er sich mit seiner Mutter ein Glas Champagner geholt. Jetzt schauen die beiden, wer hier noch so unterwegs ist.
Zum Beispiel Miss Regensburg aus dem Jahr 2015, Sophia Weber, und ihre Mutter Renate. Eine Viertelstunde nach Einlass stehen die beiden im Schlosspark: Renate Weber in Schwarz mit einem Burberry-Schal um die Schultern und ihre Tochter in einem pinken Abendkleid mit Frontschlitz und transparenten Fledermauärmeln. Das kombiniert sie mit silbernen Strasssandalen. Ihre blonden Haare hat sie in Locken gelegt. „Wir sind jedes Jahr hier. Das ist unser Ritual“, sagt Sophia Weber.
Ein Kind der 80er-Jahre
Christina Schreyer ist mit ihrer Partnerin Eva Götz in den Park gekommen. Beide tragen Hard Rock Café-Shirts. „Das ist schon edel hier. Ich komme mir fast ein bisschen underdressed vor“, sagt Schreyer, schaut sich um, freut sich dann aber einfach nur auf das Konzert. Schreyer sei ein Kind der 80er-Jahre, der Alphaville-Kracher Forever Young ihr absolutes Lieblingslied. „Wollen wir das nicht alle? Für immer jung sein?“, fragt sie.
Schon in der Grundschule habe sie der Hit tief bewegt. „Das war ein Highlight, wenn der Song im Radio lief“, berichtet sie. Irgendwann sei es ihr dann geglückt, ihr Lieblingslied auf Kassette aufzunehmen. Und im Juni hat sie dann auch noch die Alphaville-Karten zum Namenstag von Götz geschenkt bekommen.



