Er packt die Fans am Sehnsuchtsnerv: Giovanni Zarrella bei den Schlossfestspielen

Von Andrea Leopold · 18. Juli 2023 um 11:23

Seiner im Vorfeld selbst genannten Mission: „Das Publikum von den Stühlen zu reißen“ wird Zarrella schnell gerecht. Das wohlwollende Publikum in Regensburg steht bereits beim zweiten Song auf. Händeschüttelnd kommt der smarte Sänger von den Reihen der Gäste nach unten zur Bühne, schüttelt schon anfangs Hände und lässt sich von den Fans berühren.

Das Konzert im Rahmen der Schlossfestspiele gerät nach und nach zu einer Selfie-Orgie, vor allem am Schluss, als der Entertainer seinen Platz auf der Bühne endgültig verlässt, die Band ohne ihn weiterspielt und er sich mit den begeisterten Zuhörern – vornehmlich Frauen – filmen und fotografieren lässt. Zarrella und die Frauen – er, das Ziel romantischer Träume, kein abgehobener Schlagergott, der Traum aller Schwiegermütter, der Wunschenkel, der auch die begeisterte, weißhaarige Oma in der ersten Reihe heimsucht und mit ihr am Schluss des launigen Konzertes noch ein paar Tanzschritte vor der Bühne macht.

Motto: „La vita é bella!“

Er hat es einfach drauf, der Italo-Schwabe, wie er mit seinen Fans kokettiert und auf Du und Du geht. Mit seinem Lebensmotto: „La vita é bella!“ liefert er ein sonnengetränkt-fröhliches italienisches Lebensgefühl im warmen hochsommerlichen Innenhof des Schlosses.

Das Erfolgsrezept seiner Songs ist leicht zu erklären: Eine kluge Auswahl der Lieder, bei denen man aufgrund ihrer Beliebtheit kaum etwas falsch machen kann. Ohne Respekt hat er sich an Welthits herangemacht und diese in das Italienische übersetzt, was zum einen den Bekanntheitsgrad gewährleistet, aber in völlig neuem Kontext erscheint. Jeder seiner Welthits klingt im Italienischen nach Urlaub, nach dolce far niente, nach amore und festa italiana und packt die deutschen Fans am Sehnsuchtsnerv. Nichts täuscht jedoch darüber hinweg, dass immer wieder tief in den Sack der leicht schwülstigen Emotionen gegriffen wird. Aus musikalischen Gesichtspunkten wird Zarrella immer spalten. Da gibt es die Fans, die sich schlicht wohl fühlen in der Fülle der Wonne, die ihnen von der Bühne entgegenschlägt. Und dann gibt es die Musikfans, die all das abschätzig abtun. „Welthits durch den Kitsch-Fleischwolf gedreht“ kann man in einer seiner CD-Kritiken lesen. Jedoch gibt ihm der kommerzielle Erfolg recht.

Die Band startet mit „Ci Sarai“, eine neue Version zu Nenas „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“. „Life is life” von Opus wird zu „Bella ciao“. Auch vor Helene Fischer macht der gut gelaunte Entertainer nicht halt. „Ich will immer wieder dieses Fieber spür‘n“ übersetzt er der Einfachheit halber zu „Basta, Basta“. Beim amerikanischen Hit „Unchained Melody“ („senza catene“) zeigt er seine gefühlvolle und professionelle Stimme. Dass ihm das Italienische sehr gut steht kommt bei den Originalen von Ricchi e Poveri „Sarà Perché Ti Amo“, „Lasciatemi cantare“ (Toto Cotugno), „Piccola e fragile“ (Drupi), zum Tragen und bei jenem weltbekannten Schwur, den man auch ohne Italienischkenntnisse sofort versteht: „sempre sempre, sempre sempre tu…“ – alle singen mit. Gesanglich muss er sich nicht hinter seinen berühmten Pop-Rock-Idolen verstecken. Überhaupt wird er immer dann größer und schöner, wenn er auf Italienisch singt. Partysongs wie „Let's get loud” (Jennifer Lopez) und „Everybody” (Backstreet Boys) funktionieren auch auf Englisch. Bei „Baila baila baila“ von Ozuna zeigt er, dass er auch Spanisch kann. Bei dem 80er-Klassiker „Careless Whisper“ (hier „Stretti Fino Al Mattino“) geht die Rechnung voll auf. Seine emotionale, kraftvolle Stimme passt gut im Duett mit dem Saxophon. Überhaupt setzt er auf die sehr gute Band auf der Bühne: „Das Beste was man für das Geld kriegen kann!“.

Lange Durststrecke

Im Sommer 2019 nach einer langen Durststrecke begann für ihn mit seinem Popschlager-Solodebüt eine der größten Erfolgsgeschichten der letzten Jahre: „La vita è bella“ stieg im Juli 2019 direkt auf Platz zwei in die offiziellen deutschen Albumcharts. Das Album erhielt Doppel-Platin in Deutschland und hielt sich über 1,5 Jahre in den deutschen Charts. Mit seinem zweiten Soloalbum „CIAO!“ gelang Zarrella 2021 dann zum ersten Mal der Sprung auf Platz Eins der Albumcharts. Zu seinem Erfolg gehört auch die eigene TV-Show im ZDF, für die er im September 2022 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet wurde. Im August 2022 legte er das aktuelle Album „PER SEMPRE“ auf, mit dem er erneut direkt auf Platz Eins in den deutschen Albumcharts landete.

Das packende Live-Segment „Un Angelo“ und Cover von Robbie Williams „Angels“, dass erst zur Zugabe kommt, lässt den Kritiker dann doch verstummen, so schön und verträumt ist es, dass man überlegen muss, wer hier von wem gecovert hat. Ein Feel-Good-Abend im bezaubernden Schlossambiente, der für die Fans des Italo-Schlagers voll aufging.