Geisterschloss statt Gala: Diese fatalen Auswirkungen hat die Kaufmann-Absage für Regensburg

Von Christian Eckl · 21. Juli 2023 um 13:02

Für den Veranstalter Odeon Concerte, aber auch für den Caterer im Schloss und die Hotels in Regensburg hat die Absage des Star-Tenors heftige Folgen. Auch Gloria von Thurn und Taxis äußert sich betroffen.

Es ist ein Tiefschlag für die Schlossfestspiele, aber auch für das Publikum: Die Absage von Jonas Kaufmann sorgt vor allem unter Opernfans für Gesprächsstoff. Für die Regensburger Hotellerie und Gastronomie, aber auch den Einzelhandel ist die Absage des Opernstars ein großer Verlust. Das bestätigt Hausherrin Gloria von Thurn und Taxis: „Das ist ein großer Schaden nicht nur für die Gastronomie!“ Und weiter: „Wo sich das Hotel Goliath und ihr Team so viel Mühe gemacht haben, für die Teilnehmer ein großes Festessen vorzubereiten.“

„Für uns ist die Absage ein Desaster“, sagt Stephanie Birnthaler. „Und zwar in mehrfacher Hinsicht.“ Zum einen hätten zahlreiche Hotelgäste im Goliath abgesagt. Zum anderen sei der Opernabend mit dem Star-Tenor „der stärkste bei den ganzen Festspielen gewesen“. Das Publikum reise häufig extra nach Regensburg an und lasse viel Geld in der Stadt. Das bestätigt auch Monika Schmidt vom Hotel Roter Hahn: „Wir haben 17 Stornierungen von Zimmern, das halbe Hotel steht nun leer.“

Absagen im Sterne-Lokal

Und auch im Sterne-Restaurant würden die Schmidts die Absage zu spüren bekommen: „Viele Gäste wären in Regensburg geblieben, hätten am Abend im Schloss das Arrangement von Stephanie Birnthaler und ihrem Team genossen und wären dann am nächsten Tag zu uns ins Restaurant gekommen“, sagt die Hotelbetreiberin. „Diese Leute bringen wirklich Geld in die Stadt.“ Mit Kopfschütteln nimmt Schmidt auch die Demonstrationen und das fehlende Engagement der Stadt für die Festspiele wahr: „Jeder darf doch in unserem Land tun, was er möchte. Für die einen ist es ein teures Essen, die anderen kochen gerne an offenem Feuer am Campingplatz.“ Doch für sie habe „der Spaß ein Loch, wenn man die Freiheit der anderen einschränken möchte“.

Stephanie Birnthaler hatte noch gar keine Zeit, die Auswirkungen der Absage wirklich sacken zu lassen. Es sei das „Worst-case-Szenario“ eingetreten. „Das Kühlhaus ist voll, aber der Platz ist geschlossen.“ Am Freitagabend, der eigentlich zum Höhepunkt der diesjährigen Festspiele werden sollte, wird St. Emmeram zum Geisterschloss. „Wir sind eigentlich schon mit einer solchen Situation vertraut. Absagen gab es ja auch früher schon.“ Birnthaler erinnert an Elton John, Tom Jones und Charles Aznavour, die ebenfalls absagten. „Aber wir hatten große Hoffnung, weil Kaufmann andere Konzerte absagte, aber zunächst nicht Regensburg“, so Birnthaler.

„Auch ein Künstler ist natürlich keine Maschine“

Auch beim Veranstalter Odeon ist man zerknirscht. „Natürlich bedauern wir die Absage von Jonas Kaufmann sehr!“, sagte Reinhard Söll. „Die uns bekannten Kartenkäufer wurden informiert und können ihre Karten zurückgeben. Dass das Auswirkungen hat, ist uns bewusst und tut uns natürlich leid.“ Söll gibt aber zu bedenken: „Auch ein Künstler ist natürlich keine Maschine.“

Der Star-Tenor hatte einen triftigen Grund für die Absage: „Seit vielen Monaten kämpfe ich bei meinen Auftritten immer wieder mit Hustenanfällen und übermäßigem Schleim, deren Ursache bisher nicht erkannt wurde“, ließ der Sänger verlauten. „Dieses zähflüssige Sekret führte vermehrt zu Irritationen beim Singen und zur Ermüdung der Atemmuskulatur.“ Verschiedene Ansätze, das Problem in den Griff zu bekommen, waren leider erfolglos, „sodass ich immer wieder gezwungen war, Opern-Abende und Konzerte abzusagen“. Vergangene Woche hätten die Ärzte nun als Ursache einen multiresistenten Keim festgestellt, was die Einnahme von Antibiotika in hoher Dosierung mit entsprechend möglichen Nebenwirkungen erforderlich machte.

Kaufmann: Brauche Ruhe

Noch im Mai konnte Kaufmann auf der Waldbühne in Berlin ein Konzert geben, das nach seinen Angaben „erstaunlich gut lief“. Anfang dieser Woche aber hätten „die anfangs nur schwach wahrzunehmenden Symptome stark zugenommen, so dass ich mich nicht in der Lage sehe, unter diesen Bedingungen Konzerte zu singen“. Es sei ihm nicht möglich, während der Dauer der Einnahme von Antibiotika aufzutreten, „und so muss ich die Termine in Paris, Aix-en-Provence und Regensburg schweren Herzens absagen“, so Kaufmann weiter. Trotz dieser Enttäuschung sei er froh, „endlich die Ursache der anhaltenden Probleme gefunden zu haben“. Er brauche nun Ruhe.