Prozessstart in Regensburg: Angeklagter bestreitet Attacke in der Obermünsterstraße

Von André Baumgarten · 19. Juli 2023 um 15:56

Vergewaltigung und Mordversuch oder nur Lügen? Ein 26-Jähriger bestreitet vor Gericht alle Vorwürfe – das mutmaßliche Opfer habe ihn mit dem Messer attackiert. Offenbar gibt es Widersprüche in den Aussagen der 22-Jährigen.

Glaubt man der Anklage, hat eine junge Frau in der Nacht zum 3. Januar ein Martyrium durchleben müssen. Nach zwei Messerstichen in den Rücken soll der Ex die 22-Jährige vergewaltigt und damit gedroht haben, sie umzubringen. Der angeklagte Mann bestreitet das – die Vorwürfe seien „vollkommen unwahr und falsch“, wie er Strafverteidiger Alexander Greithaner erklären ließ. Vor Gericht steht der 26-Jährige wegen des Vorwurfs des versuchten Mordes, Bedrohung und besonders schwerer Vergewaltigung.

Nach einem Streit in einem Lokal am Hauptbahnhof soll es in der Wohnung des Mannes in der Altstadt zu dem brutalen Angriff gekommen sein. Laut Anklage stach er zweimal auf die Frau ein. Anschließend soll er die 22-Jährige vergewaltigt haben. Dann soll von „zerschlachten, dass sie niemand mehr findet“ die Rede gewesen sein. Verzweifelt soll die Frau ins Bad geflüchtet und um Hilfe gerufen haben.

Der Angeklagte ließ das seinen Anwalt völlig anders schildern: Demnach will er ihr nach langem Hin und Her zwischen beiden eröffnet haben, dass er nicht mehr wolle. Zu Sex sei es an jenem Abend nicht gekommen.

Gingen Angriff und Aggressionen von ihr aus?

Die 22-Jährige habe ihn im Streit in der Wohnung in der Obermünsterstraße mit einem Messer angegriffen. Minutenlang sei gerangelt worden, ehe sie im Bad verschwunden und er auf seiner Couch eingeschlafen sei. Dass sie verletzt war, sei ihm nicht in Erinnerung.

Als Polizisten nach dem Notruf eines Nachbarn die Tür auftraten, fanden sie den 26-Jährigen auf der Couch. Auf die Beamten machte der Angeklagte „schon den Eindruck“, dass er geschlafen hatte und erst zu sich kam, als man ihn weckte. Konfrontiert mit den Vorwürfen habe er unkooperativ und aufbrausend reagiert.

Polizei stellte drei mögliche Tatmesser sicher

Ein Alkotest ergab gut ein Promille bei ihm. Ein Gutachten bestätigte seine Angaben, dass er tagsüber Joints geraucht hatte. Die Kripo stellte in der völlig blutverschmierten Wohnung drei Messer mit Blut sicher – die Tatwaffe soll eine 20-Zentimeter-Klinge gehabt haben.

Das mutmaßliche Opfer widersprach sich in seinen Aussagen wohl teils – daher will das Schwurgericht „die Entwicklungsgeschichte nachzeichnen“, wie Vorsitzender Richter Michael Hammer erläuterte. Vier Prozesstage hat das Landgericht dafür angesetzt. Die 22-Jährige soll am 7. August als Zeugin angehört werden. Das Urteil könnte nach bisheriger Planung frühestens am 11. August fallen.