Energiekosten und Inflation verhageln den Kliniken Kelheim und Mainburg die Bilanzen

Die Krankenhäuser Kelheim und Mainburg steuern heuer erneut auf neue Rekord-Defizite zu; trotz aller Bemühungen um medizinische und wirtschaftliche Verbesserungen. Der Kreistag nahm dies nahezu kommentarlos zur Kenntnis.
Für das Kelheimer Caritas-Krankenhaus St. Lukas (CSL) stellte Geschäftsführerin Sabine Hehn die wirtschaftliche Entwicklung vor. Die Managerin von der Oberender AG und ihr Auftraggeber, der Diözesan-Caritasverband Regensburg, zeichnen seit einem Jahr verantwortlich für die ehemalige Goldberg-Klinik Kelheim: Die Caritas hat seit Mitte 2022 die strategische Mehrheit in der zuvor kreiseigenen Klinik-GmbH. Das Defizit muss indes nach wie vor der Landkreis Kelheim ausgleichen. Und das steigt, wie bei den meisten Kliniken bundesweit, scheinbar unaufhaltsam an.
So ist der Jahresfehlbetrag allein von 2021 auf 2022 um 3,6 auf rund 7,8 Millionen Euro geschnellt. Und heuer erwartet Geschäftsführerin Hehn nach neuester Hochrechnung fast 9,3 Mio. Defizit. Also knapp eine Million mehr als im Wirtschaftsplan angesetzt. Dabei steigen die Erträge aus dem Klinikbetrieb deutlich. Doch das wird von noch stärker steigenden Aufwendungen aufgefressen: Die Personalkosten liegen bislang halbwegs im Plan – aber es sind die Sachkosten, die nach jetzigem Stand fast 3,4 Mio. höher als geplant zu Buche schlagen.
Als Hauptgründe hierfür nannte Wirtschaftsprüfer Harald Reinhart den Krieg in der Ukraine samt Folgen für die Energiekosten und die Inflation insgesamt. Weitere Kennzahlen seines Berichts verdeutlichten die finanzielle Brisanz für den Landkreis als Klinik-Finanzier. So sank 2022 die Eigenkapital-Quote der CSL-GmbH auf nur noch zwei Prozent (Vorjahr: sieben). Und zur Finanzierung von baulichen und sonstigen Investitionen nahm sie voriges Jahr (plangemäß) millionenschwere Kredite auf; dadurch wuchsen die langfristigen Verbindlichkeiten, für die der Landkreis Zins und Tilgung leisten muss, um fast zehn Millionen.
Hoffen auf Bundes-Reform
Gegen die Kostenexplosion und die „systembedingte Unterfinanzierung“ der Krankenhäuser helfe nur noch eine Reform mit neuem Vergütungssystem, forderte Geschäftsführerin Hehn in Richtung Bund. Dies Reform müsse dem ländlichen Raum „eine angemessene Krankenhaus-Versorgung sicherstellen“ – schließlich fließe von hier aus auch viel Geld in die Infrastruktur von Großstädten, mahnte Landrat Martin Neumeyer.
Sabine Hehn stellte dem Kreistag die medizinischen und personellen Entwicklungen in St. Lukas vor. Wie berichtet, ist unter anderem im April die Kooperation mit dem „Sporthopaedicum“ gestartet, das am CSL orthopädische OPs anbietet. Eine Personalie am CSL griff dann der Abensberger Kreisrat und Allgemeinarzt Heinz Kroiss auf.
Der FDP-Politiker fragte nach der überraschenden Freistellung von Michael Reng. Wie berichtet, hatte der Chefarzt der Abteilung für Akut- und Notfallmedizin sowie allgemeine Innere Medizin zum September gekündigt; die Geschäftsführerin stellte ihn dann aber schon im Mai frei. „Aus Sicht der Patienten und aus Sicht von uns Einweisern hat der plötzliche Abschied für mindestens etliche Wochen zu einer Verschlechterung der Versorgung geführt“, die sich eventuell auch wirtschaftlich aufs Haus auswirke, sagte Kreisrat Kroiss.
Geschäftsführerin Hehn erwiderte, dass Rengs Freistellung nicht zu einer Absage von Behandlungen und Leistungen geführt habe. „Es gibt aber Wartelisten für nicht-lebensbedrohliche Untersuchungen“, räumte sie ein. Die Frage von Kroiss, ob am CSL der frühere Schwerpunkt Schmerztherapie reaktiviert wird, verneinte Hehn: Dafür fehlten die personellen Voraussetzungen.
Notaufnahme nur notfalls zu
FW-Sprecher Christian Nerb wollte wissen, ob das CSL, wie viele andere Kliniken, die Notaufnahme öfters wegen Überlastung abmelden müsse. Man versuche dies zu vermeiden, antwortete die Geschäftsführerin: zum einen, indem „nur noch leitende Mitarbeiter eine Abmeldung beschließen dürfen“; zum anderen versuche man, die Verlegung von der Notaufnahme auf die jeweilige Station zu beschleunigen.
CSU-Kreisrat Benedikt Grünewald attestierte dem Kelheimer Krankenhaus eine „ganz gute Entwicklung“, will dies aber in absehbarer Zeit in Zahlen belegt haben: durch einen Vergleich, wie Kelheim jetzt, mit der Caritas-Kooperation, dasteht, und man ohne diese Kooperation dastehen würde. Das sei geplant, sagte Sabine Hehn zu.
Die formale Beschlüsse zu Jahresabschluss 2022 und Entlastung des Aufsichtsrats fasste der Kreistag einstimmig. Das galt auch für die entsprechenden Beschlüsse zur Ilmtalklinik.