Stadtplatz Furth im Wald ist für Menschen mit Handicap selbstständig kaum zu erreichen

Von Alexander Frimberger · 12. Juli 2023 um 18:20

Furth im Walds Sozialreferentin und Behindertenbeauftragte Silke Schell bemüht sich seit Jahren um weniger Hürden in ihrer Heimatstadt. Viel wurde schon erreicht, aber es hapert noch, vor allem im Stadtzentrum.

Das findet auch Seniorin Ursula Rieth, die selbst schon an manchen Stellen ins Stolpern gekommen ist. Die 70-Jährige hat die Stellen rund um den Stadtplatz dokumentiert, die für Menschen mit Handicap zur Gefahr oder für Rollstuhl-Fahrer und Rollator-Nutzer gar zum unüberwindlichen Hindernis werden können. Davon gibt es ihrer Ansicht nach viele.

Schlechter Brückenzustand

Gleich zu Beginn der Besichtigungstour bei der Pizzeria Roma in der Kreuzkirchstraße weist sie auf einen ersten großen Makel hin. Die Brücke über die Bahngleise ist arg in die Jahre gekommen. Der Asphalt ist aufgeplatzt, Löcher haben sich gebildet. „Muss erst was passieren?“, fragt sich Rieth. Sie hat ein geschultes Auge für Stolperfallen im öffentlichen Raum. Als Röntgenassistentin hat sie in ihrer aktiven Zeit häufig die teils dramatischen Folgen von Stürzen und Unfällen zu sehen bekommen und später als Heilerziehungspflegerin anderen Menschen gezeigt, wie man Gefahren vermeidet.

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Für Silke Schell gibt es an dem mangelhaften Zustand des Brückenbelags nichts zu deuteln. Sie weist aber zugleich darauf hin, dass nicht alle Schäden und Hindernisse von der Stadt beseitigt werden können. Häufig befinden sich Gebäude und Bauwerke in Privatbesitz. So vermutet sie, dass die Brücke der deutschen Bahn gehört. „Denen können wir nicht vorschreiben, dass sie die in Ordnung bringen.“ Genauso verhält es sich mit fehlenden Handläufen an neuralgischen Punkten oder wenn eine Markise zu tief in die Straße hängt. „Man muss immer schauen, was kann die Stadt tun, was gehört uns nicht.“

Doch natürlich gibt es auch kleinere und größere Probleme, die seitens der Stadt angegangen werden können. So ist das Rathaus über die Burgstraße zu erreichen. Steht so auch auf einem Schild, das an einer Glastür an der Vorderseite des Gebäudes angebracht ist. „Für Rollifahrer ist die steile Burgstraße nicht passierbar. Ältere und gehbehinderte Menschen bräuchten außerdem einen Handlauf, da der Abstieg schon schwierig ist.“ Für diese Menschen gibt es einen barrierefreien Seiteneingang über den Rathausinnenhof. Nur weiß das niemand, weil die Beschilderung fehlt. „Genau für diese Hinweise sind wir dankbar, beteiligen uns deshalb an der Landkreis-Aktion ‘Obacht - da hapert‘s‘, bei der jeder auf derartige Mängel hinweisen kann“, sagt Schell. Sie glaubt, dass eine Hinweistafel schnell angebracht ist. „Und ja, wir müssen generell einen stärkeren Blick auf Handläufe legen.“

Schell ist sicher, die Stadt tut viel, um Mängel zu beseitigen. So werde bei Neugestaltungen von Wegen, so wie in der Herrenstraße geschehen, auf barrierefrei Bauweise geachtet. Gleiches gilt für die Kramerstraße, die bald in Angriff genommen wird. „Da wird sehr sensibel vorgegangen.“

Ein derzeit kaum zu lösendes Problem ist die Situation der öffentlichen Toiletten. Zwar werden während der Drachenstich-Festspielzeit heuer zwei statt nur einer barrierefreien Toiletten aufgebaut. Aber richtig gelöst werden kann das Problem erst, wenn das alte Amtsgerichts-Gebäude umgebaut wurde. Dieses städtische Vorhaben befindet sich gerade in der Planung und soll bis zur Landesgartenschau 2025 abgeschlossen sein. Dann endlich wäre auch ein Herzensprojekt der Sozialreferentin umgesetzt: „Ich finde, wir brauchen unbedingt eine barrierefreie Stadtbücherei. Die soll im ehemaligen Amtsgerichtsgebäude untergebracht werden. Derzeit befindet sie sich am Schlossplatz. Der steile Weg dorthin ist für viele kaum zu bewältigen, geschweige denn die Stufen hinauf in den ersten Stock.“

Landesgartenschau 2025 wird barrierefrei

Beim Hallenbad wünscht sich Schell eine Rampe für Rolli-Fahrer und hat angeregt, dass für die Landesgartenschau 2025 (LGS) an barrierefreie Spielplätze gedacht wird. Wie aufs Stichwort stößt LGS-Projektleiter Ulrich Dölker dazu und bestätigt, dass der Spielplatz auf dem Hofergelände barrierefreie Elemente haben wird. Das gesamte LGS-Gelände ab Bahnhof soll überdies barrierefrei werden. Häufig hört man, warum ein so großes Augenmerk auf Rollstuhlfahrer gelegt werde, es gebe doch gar keine in Furth im Wald. „Das ist ein Irrtum, es gibt sie, nur sieht man sie nicht, weil sie nicht zum Stadtplatz kommen und sich dort ungehindert bewegen können“, sagt Schell. Auch in Zukunft dürfe man sich keinen Illusionen hingeben, die historisch gewachsene Altstadt und deren Lage auf einem Hügel wird immer verhindern, dass behinderte Menschen ohne Hilfe hinauf kommen. „Aber wir können Stück für Stück dafür sorgen, dass sie sich oben frei bewegen können.“

Landkreis Cham-Aktion: Obacht - da hapert‘s

„Obacht - da hapert‘s“ ist eine Mitmachaktion, die vom Landkreis Cham ins Leben gerufen wurde. Furths Sozialreferentin Silke Schell hat sich für ihre Heimatstadt dem Projekt angenommen. Jeder kann auf kleinere und größere Barrieren in der Stadt hinweisen und die schriftlichen Anmerkungen in eine Box, die im Rathaus aufgestellt ist, werfen. „Wir wollen aber auch, dass die Box für Feste ausgeliehen wird, damit wir möglichst viele Zuschriften bekommen.“ Auch während des Drachenstichs soll sie auf dem Stadtplatz aufgestellt werden.

Silke Schell hat sich dem Landkreis-Projekt angenommen.
Da geht‘s in die Bücherei - aber nur, wenn man gut zu Fuß ist.