Braucht auch Mühlhausen einen hauptamtlichen Jugendpfleger?

„In Mühlhausen gibt es keine Jugendarbeit.“ Diesen Satz hat man von Gemeinderätin Sigrid Schindler so oder so ähnlich schon öfter gehört. Sie fordert einen hauptamtlichen Jugendpfleger. Das macht zwei Personen richtig wütend.
Bürgermeister Martin Hundsdorfer und die frühere Jugendbeauftragte und neue Generationenmanagerin, Charlotte Lehner, sind der Meinung, dass ein Jugendpfleger in Mühlhausen nicht nötig ist. Und erklären im Gespräch mit unserem Medienhaus, warum.
Immer mehr Jugendpfleger im Landkreis Neumarkt
Tatsächlich haben im Landkreis Neumarkt mittlerweile 13 Kommunen einen hauptamtlichen Jugendpfleger eingestellt – oft auch in Kooperation. So betreut ein Jugendpfleger in Vollzeit zwei Gemeinden gleichzeitig. Angestellt sind sie beim Kreisjugendring des Landkreises Neumarkt. Viele ehrenamtliche Jugendbeauftragte in den Gemeinden waren zuletzt an ihre Grenzen gestoßen. Die Jugendpfleger des KJR haben seitdem Jugendparlamente eingerichtet, kommunale Kinder- und Jugendpläne erstellt, Jugendtreffs eröffnet, das gemeindliche Ferienprogramm in die Hand genommen, Fördergelder beantragt und vieles mehr.
Ein Kommentar zum Thema: Jugendarbeit in Mühlhausen: Die Hauptpersonen werden nicht gefragt
Sigrid Schindler ist der Meinung, dass dies auch Mühlhausen gut täte – und zwar zusätzlich zu dem ihrer Ansicht nach tollen Engagement, das Ehrenamtliche in Vereinen und Verbänden an den Tag legten. „Es gibt eben Jugendliche, die nicht Fußball spielen möchten oder sich bei den Schützen nicht wohlfühlen“, sagt Schindler: „Es ist total wichtig, dass die ernst genommen werden und dass man ihnen Verantwortung überträgt.“ Und damit meint sie unter anderem einen „Ort zum Chillen“ – einen Jugendtreff.
Mutwillige Zerstörungen im Jugendtreff von Mühlhausen
Und genau dieser Begriff – Jugendtreff – ist für Hundsdorfer und Lehner ein Schreckgespenst, das beide am liebsten für immer wegsperren und den Schlüssel verschwinden lassen möchten. Denn es ist schlicht die Angst vor dem, was passieren könnte, wenn Mühlhausen wieder einen Jugendtreff eröffnet. Und die kommt nicht von ungefähr. Denn die Gemeinde hatte – als eine der ersten Kommunen im Landkreis überhaupt – bereits einen Jugendtreff. Auch mehrere Jugendpfleger, bereitgestellt von der Jugendhilfestation, hatte sich die Gemeinde für viele Tausend Euro im Jahr geleistet.
Doch was dann passierte, sitzt Lehner, die den Posten als Jugendbeauftragte damals von Sigrid Schindler übernommen hatte, noch immer in den Knochen. Denn sobald die Jugendpfleger am Abend die Tür des Jugendtreffs zugesperrt hatten, ging es los: Einbruch, Diebstahl, Zerstörung, Graffiti-Schmierereien, verbogene Straßenschilder, Müllberge. Am Jugendtreff, im Park, im Dorf. Unbescholtene und vernünftige Jugendliche wurden von einigen wenigen Halbstarken bedroht und beschimpft.
Rollos für den Treff, die Lehner mit einer Gruppe Jugendlichen extra bei Ikea besorgt hatte, waren schon am nächsten Tag so verbogen, dass sie gar nicht eingebaut werden konnten. Fahrten mit den Jugendlichen ins Kino arteten in Beschimpfungen aus dem Autofenster an Passanten aus. „Ich könnte Geschichten erzählen, die glaubt mir keiner“, sagt Lehner.
In Mühlhausen „ist Ruhe eingekehrt“
Dann wurde der Jugendtreff – ohnehin heruntergekommen und mutwillig zerstört – geschlossen, wie Lehner erklärt: „Und seitdem ist Ruhe eingekehrt in Mühlhausen.“ Wie der Leiter der PI Neumarkt, Wolfgang Schüler dem Bürgermeister erst vor kurzem wieder bestätigt habe, liege die Jugendkriminalität in Mühlhausen schon seit einiger Zeit bei nahe Null. Und Hundsdorfer und Lehner führen das darauf zurück, dass der Jugendtreff zu ist.
Dass die Existenz eines Jugendtreffs mit einer hohen Jugendkriminalität einhergehen soll, hält Schindler im Gespräch mit unserem Medienhaus für eine „sehr steile These“. Daran glaubt sie nicht. Dennoch: Hundsdorfer und Lehner sind überzeugt, dass es auch so geht. Denn wie der Bürgermeister erklärt, werde viel getan für die Kinder und Jugendlichen in der Gemeinde: Ausreichend Kindergarten- und Kitaplätze, Ganztag und modernste Ausstattung in der Schule, Mittelalterfest, Unterstützung für die Vereine.
Jugendliche von Mühlhausen selbst befragen
Auch Lehner sei ständig auf Achse, um den Jugendlichen in der Gemeinde etwas zu bieten. Seit sie als Jugendbeauftragte des Gemeinderats eingesetzt sei, bilde sie sich stetig fort. Mit dem Herzblut vieler Ehrenamtlicher in den Vereinen und Verbänden lasse sich viel mehr erreichen als mit einer paar hauptamtlichen Stunden durch einen Jugendpfleger, sind Lehner und Hundsdorfer überzeugt.
Was die Jugendlichen selbst sich wünschen, ist derweil noch nicht ganz klar. Schindler berichtet im Gespräch mit unserem Medienhaus, dass schon einige auf sie zugekommen seien und den Wunsch nach einem Treffpunkt geäußert hätten. Auf den Bürgermeister sei seinen Angaben zufolge noch niemand zugekommen mit einem entsprechenden Wunsch. Dennoch will er demnächst eine Arbeitsgruppe gründen und einen Fragenkatalog für Jugendliche erarbeiten lassen, in denen sie ihre Ideen vorbringen können.