Pfarrer Michael Hirmer zieht um nach Burglengenfeld: nette Details und eine Prognose

Von Thomas Rieke · 12. Juli 2023 um 05:00

Im Pfarrhof von Herz Jesu ging es am Montag zu wie im Taubenschlag. Nicht, dass sich Erstkommunionhelfer oder andere Ehrenamtliche der Teublitzer Pfarrei die Klinke in die Hand gegeben hätten – nein, ein halbes Dutzend kräftiger Männer war angerückt, um einen Knochenjob zu erledigen.

Sie stemmten den Umzug von Pfarrer Michael Hirmer. Schon die Nacht zum Dienstag sollte er an seinem neuen Wirkungsort in Burglengenfeld schlafen.

Der 47-jährige Dekan ist der neue Pfarrherr der Stadtkirche Burglengenfeld, die aus den Pfarreien St. Vitus, St. Josef und Dietldorf bestehen wird. Offizieller Amtsantritt ist offiziell zwar erst der 1. September, doch für St. Vitus ist Hirmer ja bereits seit dem tragischen Tod von Pfarrer Franz Baumgartner mit zuständig. Als Hauptgrund dafür, dass er schon jetzt seine Wohnung in Teublitz räumt, nennt der Dekan Renovierungsarbeiten, die durchgeführt werden sollen, damit sich sein Nachfolger Lucas Lobmeier ungestört einrichten kann.

54 Kubikmeter, 90 Kartons, zwei Lastwagen

Der Umzug Hirmers ist professionell vorbereitet. Einen wesentlichen Anteil daran hat Korbinian Hammerl, Disponent bei der Regensburger Möbelspedition Zitzelsberger. Das Besondere: Hammerl war bis vor wenigen Jahren Ministrant in Herz Jesu, kennt also Pfarrer Hirmer schon lange. Dass er ihm aber einmal dabei helfen würde, von der Teublitzer Pfarrei an den nächsten Wirkungsort zu wechseln, hatte sich der 21-jährige Saltendorfer bis vor kurzem auch nicht vorstellen können.

Wenige Wochen nach dem Tode von Franz Baumgartner war bereits entschieden, wer die Nachfolge antreten würde. Lesen Sie dazu: Teublitzer Pfarrer übernimmt ab September die neue Stadtkirche Burglengenfeld

54 Kubikmeter Ladung, zwei Lastwagen, sechs Mann, Wegstrecke vier Kilometer – das sind Eckdaten in der Kalkulation, die Hammerl für den Kraftakt ermittelt hat. Am Montag, 7.30 Uhr, rückten die ersten Kollegen im Pfarrhof an, um Schränke zu zerlegen und zu verladen. Bücher und Unterlagen, Geschirr und Töpfe, Bilder und Erinnerungsstücke hatte Hirmer schon in 90Kartons verpackt. Denn vor einer Woche begann er, Regale und Schubladen leerzuräumen – und auszusortieren.

Vieles wanderte in die grüne Tonne

Mindestens fünf große Tonnen waren am Ende mit Papier gefüllt, von dem sich der Pfarrer trennen wollte. Studiensachen waren ebenso dabei wie Schriftstücke, die mittlerweile in digitaler Form gespeichert sind. Auch von Möbelstücken hieß es teilweise Abschied nehmen. Wie zum Beispiel vom Wohnzimmerschrank, über den sich nun ein indischer Mitbruder freuen darf, der ebenfalls versetzt wurde. Die neue Wohnung Hirmers bietet weniger Fläche, auch deshalb war es angesagt, eine Auswahl zu treffen. Einige Dinge werden Hirmer freilich wohl sein ganzes Leben begleiten. Und damit ist nicht seine FC-Bayern-Bettwäsche gemeint.

Eine Luftaufnahme von der Kirche in Sandharlanden, wo er als Kaplan wirkte, zählt ebenso fest zum Fundus wie die mehrere Kilogramm schwere Kerze, die zu seiner Primiz 2004 angefertigt worden ist. Ein Lieblingsstück aus Teublitzer Zeit ist eine Tafel, die ihm Sekretärin Waltraud Neumeier vor einigen Jahren geschenkt hat und eine liebevolle Anspielung auf Hirmers vergeblichen Kampf gegen Kalorien ist. „Ich wollte 10 kg abnehmen, fehlen nur noch 13“, steht darauf.

Sieben Umzüge in 20 Jahren

Regensburg, Ergoldsbach, Straubing, Pilsting, Abensberg, Teublitz – und nun Burglengenfeld. Für Hirmer ist der aktuelle Umzug bereits der siebte in den vergangenen 20 Jahren. Einmal wechselte er binnen eines Jahres gleich dreimal die Wohnung. Insofern sind das Abschiednehmen von einer vertrauten Umgebung und das Eingewöhnen in eine neue für den Geistlichen fast Routine.

Und dennoch hat der Wechsel nach Burglengenfeld Vorzeichen, die sich von allen bisherigen Ortswechseln unterscheiden: Zum Jahreswechsel war Hirmer vom Ordinariat bestimmt worden, in St. Vitus Franz Baumgartner zu vertreten. Insider ahnten schon, dass dies nicht nur eine Lösung für wenige Wochen sein würde.

Baumgartner war bekanntlich schwer krank; Hirmer begleitete ihn, als die Folgen des Alkoholismus schlimmste Formen annahmen. Immer wieder suchte er in dessen Wohnung das Gespräch mit ihm, rang um eine Lösung. Dann begab sich Baumgartner in eine Fachklinik, wo er am 9. März überraschend starb.

Es soll nicht die letzte Station bleiben

Hirmer selbst hielt es mit diesem Schlag für ausgeschlossen, St. Vitus auf Dauer zu übernehmen. Das Ordinariat wollte es anders. Nun soll Hirmer in den vier Wänden leben, in denen er die härtesten Momente seiner bisherigen Seelsorge verbrachte. Der Dekan scheint mit der psychischen Bürde umgehen zu können. Er blickt nach vorn und sagt, „in jedem Pfarrhof ist die Geschichte des Vorgängers präsent“. Außerdem sei ein Pfarrhof ja kein „totes Gestein“, sondern solle sich mit Leben füllen. Seine Haushälterin ziehe mit um nach Burglengenfeld, Ende August werde auch ein indischer Kaplan als Mitbewohner erwartet.

Darüber hinaus steht für Hirmer schon jetzt fest, dass Burglengenfeld nicht seine letzte Station als Priester sein wird. Mit Ende 50 könnte er sich erneut einen Wechsel vorstellen, denn: „Ich möchte am Ende meiner Laufbahn drei Pfarreien betreut haben“, sagt Hirmer. „Das war stets meine Strategie.“

Auch diese Luftaufnahme von Sandharlanden, wo Hirmer als Kaplan wirkte, soll in Burglengenfeld einen neuen Platz bekommen. Foto: Rieke
Vier Jahre dauerte es, bis die Terrasse neu gestaltet war – nun wird sie Hirmer bestenfalls bei Besuchen in Teublitz nutzen können. Foto: Rieke
Die Primizkerze wanderte eine Station weiter. Foto: Thomas Rieke
Der Hometrainer ist nun in anderen guten Händen. Foto: Thomas Rieke