Lichtermeer zum Abschied: Burglengenfeld verneigt sich vor Franz Baumgartner

Es waren schwere Stunden und gleichzeitig sehr emotionale: Am Donnerstagabend verabschiedete sich die Burglengenfelder Pfarrei St. Vitus von ihrem plötzlich verstorbenen Pfarrer Franz Baumgartner (57).
Die Vituskirche im Herzen der Stadt war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es kamen sogar so viele Gläubige, dass das Hauptportal während des Gottesdienstes geöffnet blieb. Auch vor den schweren Holztüren hatten sich noch Menschen versammelt, um den Trauerfeierlichkeiten beizuwohnen. In der ersten Reihe saß der Bruder des Verstorbenen mit seiner Frau, gleich daneben Karl Holmeier.
Der frühere CSU-Bundestagsabgeordnete und Franz Baumgartner gelten als gute Freunde. Holmeier war es auch, der zusammen mit einem Bekannten den Pfarrer zur Behandlung in ein Regensburger Krankenhaus gebracht hatte,nachdem dieser wenige Tage zuvor aus gesundheitlichen Gründen von der Diözese beurlaubt worden war. Die Ärzte hatten gerade mit der Therapie begonnen,als der Priester völlig unerwartet am 9. März an einem Herz-Kreislauf-Versagen verstarb.
Im roten Messgewand auf den letzten Weg geschickt
Vor dem Altar der Vituskirche, dort wo Baumgartner so oft mit seiner Gemeinde die Eucharistie gefeiert hatte, stand am Donnerstag nun der Eichensarg mit dem Leichnam des Pfarrers, verziert mit einem prächtigen Bukett voller roter Rosen und weißer Levkojen. Baumgartner, so wurde unserer Zeitung berichtet, sei für seinen letzten Weg das rote Priestergewand angelegt worden, das ihm die Pfarrei St. Vitus zu seinem 25. Priesterjubiläum im vergangenen Jahr geschenkt hatte.
Dekan Michael Hirmer hatte am Donnerstagabend wahrlich keine leichte Aufgabe. Als er beim Einzug in das Gotteshaus als Letzter vor dem Eichensarg stand, konnte man sehen, welche Last auf dem Zelebranten lag: Er atmete noch einmal tief durch, ehe er das Requiem eröffnete. Hirmer, dem von der Diözese nach der Beurlaubung des Stadtpfarrers interimsmäßig die Verwaltung der Vituspfarrei anvertraut worden war, war einer der wenigen Menschen, die bis zum Tod Franz Baumgartners noch regelmäßig Kontakt mit ihm hatten.
Dekan Michael Hirmer: „Mauern einer Krankheit, einer Sucht, des Alkoholismus“
Der Dekan nutzte die Predigt, die er immer wieder mit Baumgartners Primizspruch „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ verband, für sehr persönliche Worte. „In den letzten Wochen und Monaten habe ich Franz als einen sehr einsamen Menschen kennengelernt“, berichtete Hirmer. Um den Burglengenfelder Stadtpfarrer seien hohe Mauern gewesen, die für all diejenigen, die ihm helfen wollten, kaum zu überwinden gewesen seien. „Mauern einer Krankheit, einer Sucht, des Alkoholismus“, wie es der Dekan formulierte. Durch den Tod sei Baumgartner nun über die Mauern der Einsamkeit gesprungen und finde nun bei Gott eine „liebevolle Geborgenheit“.
Hirmer stellte aber auch Fragen in den Raum, die viele Gläubige in der Pfarrei und darüber hinaus beschäftigen: Wurde wirklich genug getan, hätte man all das verhindern können? „Viele, gerade hier in der Stadt, fühlen sich schuldig – auch ich“, erklärte der Zelebrant. Doch die Frage nach der Schuld stelle sich nicht. „Schuld macht Menschen fertig, Vergebung lässt sie aufblühen. Wir alle müssen jetzt beten, dass wir Vergebung finden können bei Gott“, sagte er.
Pfarrer Hans-Jürgen Koller: „Wir alle sind in der Gefahr, in der Seelsorge unserer Zeit überfordert zu werden.“
Nach der Eucharistiefeier schlossen sich verschiedene Trauerreden an. Monsignore Michael Fuchs, der frühere Generalvikar, würdigte als Vertreter des Bischofs den Seelsorger Baumgartner und dankte für dessen „menschenzugewandte Art“. Während sich Baumgartner in Burglengenfeld mit „großen, baulichen Herausforderungen“ konfrontiert sah, habe er es zuvor in Dalking und Gleißenberg geschafft, eine Pfarreiengemeinschaft „seelsorglich zusammenzufügen“.
Für den Weihekurs, mit dem Baumgartner 1997 in Regensburg zum Priester geweiht wurde, sprach Pfarrer Hans-Jürgen Koller aus Ihrlerstein im Kreis Kelheim. Er mahnte: „Wir alle sind in der Gefahr, in der Seelsorge unserer Zeit überfordert zu werden.“ Es sei fraglich, ob man in immer größer werdenden Pfarreien als Priester noch Mensch sein könne. „Sein Tod sollte uns allen Warnung sein, feinfühliger und sensibler zu werden“, sagte er.
Trauerredner wählten persönliche Worte zum Abschied
Als Vertreter der Pfarrgemeinde St. Vitus schritt Pfarrgemeinderatssprecher Markus Heider an den Ambo. Baumgartner sei „definitiv ein Mann der Tat und kein Bedenkenträger“ gewesen. Der plötzliche Tod des Priesters „ließ für uns die Zeit still stehen“, sagte er. Burglengenfelds Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) erinnerte sich gerne an die „Warmherzigkeit“ des Pfarrers. Die ganze Stadt werde ihn vermissen. Und direkt an den Verstorbenen gerichtet sagte Gesche abschließend: „Sie werden in unseren Herzen weiterleben!“
Sein Amtskollege Daniel Paul (FWG) aus Weiding im Landkreis Cham, wo Baumgartner 2013 zum Ehrenbürger ernannt worden war, sprach von einer „Ära“, die der Pfarrer während seiner 13 Jahre im Gemeindegebiet geprägt habe. Baumgartner sei „ein Vorbild im Glauben“ gewesen. „In Dalking und Gleißenberg war er unser Hirte und unser Freund“, resümierte Paul.
In Vertretung der Burglengenfelder Vereine hielt Ralph Conrad von der Musikkapelle St.Vitus eine Trauerrede. Er erinnerte an die Liebe Baumgartners zur Musik: „Ganz besonders große Freude hatte er, wenn wir für ihn spielten und er das Orchester dirigieren durfte.“ Sämtliche Vereine seien dem Pfarrer am Herzen gelegen. „Ich persönlich glaube, dass er selbst mit am meisten in unserer Gemeinde an der Pandemie und den Einschränkungen gelitten hat, nicht zuletzt aus Sorge um die Pfarrangehörigen und die Vereinsarbeit“, so Conrad.
Nach dem Requiem wurde der Sarg von der Kirche bis zum Marktplatz durch ein Lichtermeer von Kerzen getragen. Dort schickten die Burglengenfelder den Pfarer auf seine letzte Reise. Am Freitagnachmittag wurde Franz Baumgartner am Friedhof in Hunderdorf in Niederbayern beigesetzt.


