Teublitzer Pfarrer übernimmt ab September die neue Stadtkirche Burglengenfeld

Von Thomas Rieke · 22. April 2023 um 13:00

Wenige Wochen nach dem Tod von Pfarrer Franz Baumgartner steht nun fest, dass Michael Hirmer (47), bis jetzt Seelsorger in Herz Jesu, Teublitz, der Nachfolger werden wird. Im Interview schildert Hirmer wie es zu dieser Entscheidung kam – und was damit alles verbunden ist.

Herr Hirmer, Sie sind als Pfarrer der neuen Pfarreiengemeinschaft Burglengenfeld auserkoren. Nachdem Sie schon Administrator in St. Vitus sind, dürfte Sie das nicht allzu sehr überrascht haben, oder?

Michael Hirmer:Ganz im Gegenteil! Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, die Pfarrei wechseln zu müssen.

Wann und wie hat sich die Entscheidung angebahnt?

Hirmer:Es waren eigentlich zwei Entscheidungen, die einander bedingten und aufeinander aufbauten.Nach dem überraschenden Tod von Pfarrer Baumgartnerund derVersetzung von Pfarrer Helmut Brügel von St. Josefmusste praktisch gehandelt werden. Das Bistum hatte zu klären, ob die neue Pfarreiengemeinschaft, die ursprünglich bis spätestens 2034 vorgesehen war, schon im Herbst dieses Jahres gegründet werden sollte. Hierzu wurden noch vergangene Woche Gespräche geführt. Parallel und auch abhängig dazu musste ein Personalkonzept erarbeitet werden.

Das letztlich Sie persönlich trifft.

Hirmer:Das Ordinariat hat entschieden, ab 1. September die Stadtkirche Burglengenfeld, bestehend aus den bisherigen Pfarrgemeinden St. Vitus und St. Josef in Burglengenfeld sowie der Pfarrei St. Pankratius in Dietldorf, ins Leben zu rufen. Die Stelle dafür wurde nicht, wie sonst üblich, ausgeschrieben. Vielmehr wurde ich durch das Personalreferat dringend gebeten, diese zu übernehmen.

Was bedeutet das für Sie emotional, aber auch „geschäftlich“?

Hirmer:Zunächst habe ich dicke Tränen geweint. Denn der Abschied von Teublitz fällt mir sehr schwer. Aber: Die Gemeinschaft der Kirche wird auch als das pilgernde Volk Gottes beschrieben. Als Pilger muss ich immer wieder bereit sein, aufzubrechen und neue Horizonte in den Blick zu nehmen. Ich darf mich nicht auf dem Erreichten ausruhen.

Sie haben tatsächlich geweint?

Hirmer:Die neuen Aufgaben sind für mich eine unglaublich große Herausforderung, und es tut mir schon weh, aus Teublitz wegzugehen, weil mir diese Pfarrei, der Ort und vor allem die Menschen zur Heimat geworden sind, die ich sehr lieb gewonnen habe.

Welche Bedingungen finden Sie in Burglengenfeld vor?

Hirmer:Die Seelsorge läuft sehr gut. Gemeindereferentin Bernadette Biller (St. Josef) und Pastoralreferent Konrad Kraus (St. Vitus) sind hervorragend. Die Mitbrüder im Priesteramt sind genial. Die Pfarrbüros sind super besetzt, und es gibt sehr viele engagierte Gläubige, die voller toller Ideen und Tatkraft sind.Ich hatte zwei tolle Seelsorger als Vorgänger, die segensreich gewirkt haben.

Welche Konsequenzen hat der Zusammenschluss der Pfarreien für die Vereine und Gremien, für die Nutzung der Räume?

Hirmer:Der Sitz der Pfarrgemeinde muss in den Herzen der Menschen sein. Diese müssen wir erreichen, das ist mein Ziel! Und Menschen will ich von Gott begeistern. Wie das konkret aussehen wird und an welchen Orten wir das machen werden, wird sich im Dialog mit den Engagierten ergeben. Natürlich werde ich in diesen pastoralen Prozess auch meine Ideen einbringen.

Auf was müssen sich die Gläubigen beim Gottesdienst-Angebot einstellen?

Hirmer:Dafür werde ich Unterstützung bekommen. Mir wird ein Priester aus der Weltkirche zur Seite gestellt, den ich ausbilden darf, und für Dietldorf soll es einen bereits ausgebildeten Pfarrvikar geben. Ansonsten ist noch viel zu besprechen, aber mein Ziel ist die Vermeidung von Parallelgottesdiensten und die Meidung eines 14-tägigen Wechsels. Sonst kennt sich ja keiner mehr aus.

Sind die Institutionen der Pfarreien in die Pläne schon eingeweiht? Gibt es Gegenwind?

Hirmer:Gegenwind gibt es immer. Nur ist es dann eine Frage, wie man seine Segel neu ausrichtet, damit der Gegenwind das Schiff voranbringt. Für mich ist konstruktive Kritik sehr wichtig. Ich bitte alle, mir immer offen und ehrlich die Meinung zu sagen. Denn auch ein Pfarrer hat nur zwei Ohren, zwei Augen und ein Gehirn.

Das Erbe Franz Baumgartners wiegt schwer. Sie hatten in den vergangenen Wochen schon Gelegenheit, die diversen Baustellen zu inspizieren. Ist Ihnen in Anbetracht dieser Herausforderungen nicht mulmig?

Hirmer:Mulmig ist mir nie! Denn gemeinsam sind wir stark, miteinander sind wir Kirche. Wenn wir dieses Motto als eine Pfarreiengemeinschaft leben, werden sich Wege finden lassen, um eine gute Zukunft zu gestalten.

In St. Vitus ist das Pfarrheim St. Michael (VAZ) seit Jahren ein zentrales Problem. Für die Pfarrei ist es zu groß, und außerdem müsste es dringend saniert werden. Was haben Sie mit ihm vor?

Hirmer:Hier will ich den pfarrgemeindlichen Gremien nicht vorgreifen. Ich sehe aber, dass es in St. Josef ein gutes Pfarrheim gibt, das man leicht zu einem gemeinsamen Pfarrzentrum ausbauen könnte.

Es läuft also doch auf einen Verkauf des VAZ-Areals hinaus?Pfarrer Baumgartner wollte genau das erreichen – scheiterte jedoch am fehlenden Rückhalt in der Kirchenverwaltung.Woher nehmen Sie den Optimismus, dass sich die Stimmung geändert haben könnte?

Hirmer:Ich habe einen sehr guten Eindruck von der Kirchenverwaltung St. Vitus. Da gibt es Menschen mit vielen Talenten, die gute Ideen und einen Blick für die Zukunft haben. Deshalb bin ich sehr zuversichtlich, dass wir im Blick auf das Areal an der Kallmünzer Straße bald eine zukunftsfähige Lösung haben werden.

Nächste Baustelle: Wann werden Sie die Kirchenrenovierung von St. Vitus in Angriff nehmen können?

Hirmer:Derzeit laufen schon Sicherungsmaßnahmen für den Turm. Mehr kann ich zu dem Thema derzeit nicht sagen. Die Generalsanierung ist eine größere Aufgabe, die nicht so schnell zu erledigen ist.

Sie sind bereits über das übliche Maß hinaus in vielen Bereichen engagiert, zum Beispiel als Notfallseelsorger oder Busfahrer. Geben Sie den einen oder anderen Job nun auf?

Hirmer:Nein.Die Notfallseelsorger ist mir sehr wichtig, die gehört zu mir.Und das Busfahren ist mein Hobby, das ich brauche. In Burglengenfeld ist das Unternehmen, das mich fahren lässt, noch näher. Da kann ich mit dem Radl hin.

Zu guter Letzt ein Wort zu Herz Jesu. Wie geht es dort weiter?

Hirmer:Wer der neue Pfarrer in Teublitz sein wird, ist noch nicht bekannt. Auch hier muss aber alles relativ schnell gehen. Daher gehe ich davon aus, dass auch in diesem Fall ein Priester bestimmt wird.